Taubenschlag-Foren

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BeitragVerfasst: Mi, 10.9.03 20:09 
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@h
Zitat:
es ist absolut blöde, zu behaupten, dass jemand froh ist, etwas nicht mehr zu besitzen.wennst so voll davon überzeugt bist, warum schmeisst du nicht beispielsweise deine geschmacks- und geruchsnerven weg?

i hab mit paar jahren gehört. wurde taub, war traurig. erkannte dass ich das was ich hatte nicht mehr haben kann. drum entschied ich, zu empfinden, daß taubsein ein bestandteil meines lebens ist. i erinnere mi dann nix mehr an hörn. und i wurde was i bin. wenn i hör wär, wär i vielleicht einer von den vielen alltagshöries gewesen. i bin froh taub zu sein, weil mir es gefällt was&wer i bin.
hat nix mit dem geschmack und geruchsinn zu tun, cäpitö !

Mir gehts bei Hartmuts "Taubsein ist ein Gottesgeschenk" nur darum, dass ich als Tauber doch ein gutes Leben habe. Dafür bin ich dankbar.
Du kannst drauf gift nehmen wies willst, auch wenn ich scheinbar der einzige bin, der diesen Zitat als ok finde.
Andere den taubheit anzustiften war hier nie das thema für mich. Es geht nur um den Lebenseinstellung. Intelligible Dinge sind für dich einfach fremd.

Was i damit erreichen will? Dasselbe frag i di! Soll i meine Lebenseinstellung wegeschmeissen und die deine "implantieren"? Soll Hartmut zu dir sagen "ok, du hast recht, ich bin ein trottel, Taubheit ist niemals ein Lebensgeschenk"?

Wir diskutieren hier nur deshalb so emotional, weil bei dir wörter wie bse-krank, hirnverbrannt und so weiter fallen. Und dazu noch bei dem Thema "Taubsein ist schön". Da bin ich betroffen und das kann ich nicht gelten lassen.

"warum machste nicht auch deine unglücklich hörenden kinder taub"
schreib ka kacke. mir scheint, bist krank. Genese erst mal.
i denke mit uns wars.

dm


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 Betreff des Beitrags: irre
BeitragVerfasst: Mi, 10.9.03 20:11 
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@Guten Abend Delfin, wieder mal im Forum.
Zum Thema: als Zehnjährige sah ich das erstemal Gebärdensprache und sah, diese Menschen sind sehr verschieden. Ich war damals auf mich alleine gestellt und todunglücklich, da ich kaum etwas verstand. Ich brauchte lange.

Ich glaube, der Hintergrund bei Gehörlosen ist die Verarbeitung des Gehörverlustes oder/und auch die Kinderstube. Ich denke mir, das Wesentliche was bei den Gehörlosen fehlt, ist die unmittelbar vermittelnde Bezugsperson, also eine Person die Gebärdensprache beherrscht und vermittelt, Missverständnisse erklärt, und das sofort. Die einem das Gefühl gibt, man ist anders, aber sonst ok. Eine solche Person ist in den meisten Fällen die Mutter, die ist nicht immer da ist.Und das ist wegweisend.

Was mich immer am meisten beschäftigt hat, war die Stimme.
Was ist eine gut geschulte Stimme? die Betonung der Selbstlaute alleine ist es nicht, das Langsamsprechen? Wie lange muss ein Schauspieler üben, bis er überzeugend auf der Bühne sprechen kann? wie lange muss ein taub geborener Mensch üben, bis man ihn versteht? Und was ist die Belohnung?
Der Schauspieler, wenn er gut ist, bekommt Applaus und Honorar, was bekommt ein Gehörloser manchmal?

Hier in Beispiel: wie Deafmax schreibt, das ist seine Art zu überzeugen. Die auditiven Eindrücke spielen in seiner Schriftsprache keine vorherrschende Rolle. Die Eindrücke des Hörens liegen zu weit zurück. Halfmoon schreibt anders, da liegt ein Unterschied, der aus dem früheren Hören resultiert. Er hat bewusst Sprache über das Ohr aufgenommen und vermisst sie heute. Er reagiert allergisch auf Hartmut. Das "Taubsein" setzt ihm zu. Ich glaube, er würde manchmal lieber "Götz von Berlichingen" sagen, als Sprüche, die mit dem "Audismus" zusammenhängen.


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BeitragVerfasst: Mi, 10.9.03 20:13 
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@delfin
"halfmoon das seine, dir das deine, mir das meine" weiss i. ist auch ganz klar.
Nur, in solcher Dimension verlief es:
Hartmut "Taubsein ist ein Geschenk"
Halfmoon "bist deppert? is do ned so"
Hartmut "Ich denke nur so, ich finde es ist gut so zu denken"
Halfmoon "des is do ned real. Taubheit ist ein krankheit die man akzeptieren muss"
hartmut "ja für dich, ich sehe anders"
Halfmoon "hinverbrannt, Bse-krank..."

hartmut das Seine (=meine das Meinige) und Halfmoon akzeptierts ned.
Wäre nur die Krankenschwester Betty da, könnte dem Halfi einen ordentlichen verabriechen!

Du hast trefflich recht mit "ja wirklich oft, ist man selbst dafür verantwortlich". Jede Misserfolg die man erlebt ist oft selbst verursacht, auch die Niederlagen. Deswegen finde ich die Denkweise "Mir geht es gut, Gebärdensprach ist klasse, aber ich würde trotzdem gerne wieder hören" deswegen falsch! Vor allem die Niederlagen werden zu bequem aufs schlechten Hörstatus geschoben.
(ok, klar: trifft nicht allen! Es wird aber mindestens "welche" geben dem das zutrifft)

deafmax


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BeitragVerfasst: Mi, 10.9.03 20:16 
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@auerhahn, dass halfmoon anders denkt aufgrund späterer Hörverlust als ich, denke ich auch dass es so ist. Er nimmt den Thema "Taubsein ist Lebensgeschenk" aber SEHR persönlich.
Aber es ist gar nicht notwendig, daß er Wörterfäkalien verwendet!

@Lea, ich weiss dass es für spätertaubten, besonders so alt, daß man sich ans hören errinnern kann, anders aussieht als für taubgeborene.
Es ist einfach eine Meinungssache, dass ich es so sehe: wenn man das Hören verliert, soll man dann auch das beste aus dem Leben als nichthörenden machen! Ich - und damit will ich niemanden was einreden/gebärden usw. - finde man soll mit dem, was man hat und ist, versuchen ein glückliches Leben zu führen. Auch diejenige, die mit Hörgeräte oder CI es versuchen (Sie können ihrem leisen [oder lauten] Wunsch näher kommen, wenn sie hören! Bitteschön, das ist auch gut so!)
Es ist gewiss schwer es zu akzeptieren. Ich kenne dass selbst, ich sah es an anderen Gleichgesinnten. Deshalb vermeide ich zu denken, daß es besser wär, wenn i hören könnte, würde.

Ausserdem denke ich immer: WENN das Leben der Hörbehinderten nur leichter WÄRE, WÜRDE alles viel besser und anders aussehen (Bildung, Gesellschaft, Akzeptanz usw.) . I weiss ist-aber-nicht-so.
Es ist wie in der Natur: Die Amerikaner erleben gefährliche Hurrikane, ich lebe in einem Gegend wo kein Hochwasser passieren kann, auch kein Vulkan. Aber es gibt Menschen die mit diesen Naturgewalten leben müssen. Daher weiss ich, mich könnte es auch treffen. Wären sie ich, hätten sie die Probleme nicht. Dasselbe sehe ich mit den Gl-Leben. Es wird Gl in andere Ländern geben, die viel besseren Akzeptanz mit ihrer Behinderung haben. Wäre ich sie, hätte ich es besser.
Menschen sind auch Naturgewalten, die untereinander sich das leben schwer machen... :roll:

Deafmax


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BeitragVerfasst: Mi, 10.9.03 22:20 
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@deafmax, oh mann dann hat dich halfmoon wirklich auf die palme gebracht oder? obwohl wir uns im kuckuksnest befinden?? :cop:
naja, ich finde halfmoons wortwahl auch nicht gerade toll, aber ich habe alles nicht so ernst genommen. :bday:
halfmoon sieht eben nur aus seiner sichtweise, hartmut aus seiner, offen ist eigentlich nicht wirklich einer von beiden, in dieser sache. :prost:

wenn man mit seiner taubheit das beste im leben machen kann, ist es toll. soviel ich mich erinnern kann, ist der präsident des sportverbandes mit 25 jahren ertaubt, oder irre ich mich?? :oops:
wesentlich später als halfmoon, du, auerhahn, ich und einige andere hat er sein gehör verloren, und wie ich sehe kann er damit gut leben. er kann die gs, arbeitet mit gl zusammen, hat eine gl frau. sicher war es für ihn nicht leicht, immerhin war er erwachsen, wir dagegen waren kinder.
dass ich eben als kind, kurz vor schuleintritt ertaubt bin ist vielleicht ein kleiner vorteil, was war da das hören wichtig für mich, es gab so viele andere dinge, die mir freude machten.
es wurde mir erst viel später bewußt, dass ich taub war, eigentlich nie mehr hören werde. vielleicht dachte ich mir, was solls, das leben ist schön, das leben ist lebenswert. :angel:
vielleicht habe ich mich nie wirklich mit dem was wäre wenn, mit dem warum,etc. beschäftigt.
habe ja keine zeit um mir darüber gedanken zu machen :smilecolros: gut so!
auherhahn macht sich gedanken über das zwitschern der vögel, das rauschen der wellen, mozart, schubert,.....
halfmoon verdammt das wort gottesgeschenk taubheit, beide sind sich manchmal ähnlich, genauso wie du und ich- die beiden sind eine andere generation, mit anderen erfahrungen und sichtweisen als wir. wir haben in der bewegung deaf power viel selbstbewußtsein erworben; mottos: ich bin taub na und oder ich kann alles nur nicht hören waren bei uns IN.
kannst dich sicher noch erinnern, gell. :rainbow1:

ich hoffe, du hast heute eine ruhige nacht oder den geliebten wodka daham :prost:

delfin


@halfmoon, darf ich fragen warum du deafmax grünschnabel oder so nennst?? :shake:
ist das nötig?
emotionen kann man verstehen, aber manchmal muss man sich einbremsen, denn ich gehe davon aus, wenn deafmax dich so nennen würde, wärst du auch auf der palme? :fresse:



@ auerhahn, ich selbst habe mich nie damit beschäftigt, wie gut geschulte stimmen sind. mir ist wichtiger eine gute schriftsprache zu besitzen, als perfekt auszusprechen. :agrue:
meine eltern haben ganz normal mit mir weitergesprochen, ihnen war es gleichgültig ob ich hörend war oder taub bin- hauptsache ich sprach normal und nicht in abgekürzten sätzen.
das war bestimmt ein pluspunkt in meinem wortschatz.
meine eltern haben nie die gebärdensprache gelernt, schade, manchmal wäre sie sinnvoll und hilfreich. was solls- so ist es im leben, man kann nie alles haben. :eggface:

@all

glaubt ihr, dass ein "unzufriedener" tauber ein glücklicheres leben als hörender haben würde?
mehr geld verdienen würde?
einen besseren job hätte?
keine existenzängste, keine geldsorgen?

meiner meinung nach, ist es egal ob du hörst oder nicht, denn man kann frei wählen wie man leben möchte.
wieviele hörende sind unglücklich, unzufrieden im leben, im beruf? haben existenzängste und geldsorgen???
viele, ganz viele, mehr als taube zusammen! :wink: :roll:


Gruß delfin


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BeitragVerfasst: Do, 11.9.03 6:38 
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@Delfin,
ich weiss dass wir ungefähr auf gleicher Wellenlänge befinden, wenn ich mir auch nicht ganz sicher bin ob der Wortwahl Taubheit "GOTTESgeschenk" ist. Aber ein Lebensgeschenk ist es auf jeden Fall. Nach dem wie wunderbar wir leben :flower: gell :-)))
Mir auf die Palme? ... das schon. Ich empfinde nur so, daß Halfmoon zu sehr ins Offensive geht. Ich merke schon, daß Taubheit als Gottesgeschenk für Halfmoons Augen (als stockhungriger und zorniger Stier) wie ein rotes Tuch wirkt.
Jedoch hat er Bezeichnungen verwendet die auf mich als Forenteilnehmer zutrifft und ich es nicht gelten lassen kann. Deswegen auch mein "alter Sack!" worauf Halfmoons Grünschnabel folgte. Wir sind eben im Kuckucksnest, und scheinbar ist da egal WIE die Fetzen fliegen. Drum habe ich auch gesagt, daß es gut so ist wenns im Kuckucksnest diskutiert wird. Jack (der Hauptrollenspieler im "Einer flog übers Kuckucksnest) würde mit Hingerissenheit unsere Diskussion folgen und dabei denke ich an sein grinsen&lachen. :-)))

Deine letzte Fragen, ob Hören wirklich sooooo toll sein soll, ist klasse. Genauso denke ich. ist eh auch logisch, hören kann ich nie wieder (und brauch i auch ned).

Cudeafmax

All: Pnin hat eine interesante Frage gestellt: Für Hartmut sei die Behinderung ein rein sozial-gesellschaftliches Konstrukt.
Denkt ihr auch so? Ich finde die Beantwortung schwer, weil einerseits aufgrund des "Defekt im Ohr" man vom Norm eines normalen Menschens - dessen Kommunikation das Hören ein wichtiger Bestandteil ist - abweicht, andererseits wenn man das Gemüt beachtet, könnte das gesellschaftliches Leben völlig anders aussehen. Ich glaube eher, dass Hauptproblem der Wirtschaft&Geld ist weswegen die gesellschaftliche Einstellungen als stressfaktor gesehen wird (kein Geduld für deafies, Bequemheit deutlich zu sprechen usw.)
Wären wir im Jahr 2400 mit Star Trek - wo Vermögen keine Rolle spielt - sähe alles ganz anders aus. Glaube ich. :-)))


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 Betreff des Beitrags: irre
BeitragVerfasst: Do, 11.9.03 6:48 
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@Delfin
Deine Antwort auf meine Frage nach einer "gut geschulten Stimme" ging völlig daneben. Schade. Ich dachte, Du als Lehrer hast dazu eine Erklärung und ich dachte, Deine Eltern wären taub.Halfmoon und mich generationsbedingt in einen Topf zu werfen ist nicht richtig. Als Halfmoon versuche ein Forum für Spätertaubte zu eröffnen, schrieb Deafmax gleich darin über Rhythmus, einer beschwerte sich, dass dann die taub geborenen oder sehr früh taub gewordenen Gehörlosen ausgeklammert wären. Ich sehe schon, ein Forum für Spätertaubte ist nicht möglich.
Der Ausdruck "Deaf Pride" u.ä. wird nicht von allen Gehörlosen akzeptiert. Das hat mit Generation nichts zu tun. Viele wollen auch die englischen Ausdrücke nicht.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich hier Schubert oder Mozart namentlich erwähnt hätte. Der Artikel zu "Vogelstimmen" aus der Tageszeitung war zur Information für andere Gehörlose gedacht. Wie man es macht ist es falsch.

Es wäre klüger, die Österreicher, die in Wien womöglich im gleichen Haus zusammenarbeiten, sollten sich in Wien bei Wodka und Whysky auch aussprechen. Es wäre versöhnlicher, und spart die Telefonrechnung.


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BeitragVerfasst: Do, 11.9.03 8:41 
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@Halfmoon, du schreibst ja nicht mehr...

Diese Posting wird vielleicht "meinen Wappenschild beflecken", aber ist mir egal. Wohin führt das Ganze eigentlich hin?

Ich habe alles nochmals gelesen und da stellte ich fest, dass eigentlich das Thema auseinander ging: (Ich verstehe dich so, dass) für die Allgemeinheit sei diese Zitat Hartmuts für dich unverständlich, unpassabel - ich nehme auch sicherlich an, daß die meisten Spätertaubte so denken.
Ich dagegen beziehe aber auf mich - mit Empfehlung auch so zu denken (was uns ziemlich auseinanderführt) - und bei mir ist die Taubheit ein Le... lassen wir es.

Okay, ich bin zu weit gegangen. Ich will doch nicht dass unsere (Foren-)Freundschaft nur wegen meiner Sturheit bezüglich Taubheitslebensgeschenk zuneige geht.
Ausserdem kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern, was meine Gehörlosigkeit mich für Nachteile erbrachte. Nur die Matura/Abitur war ja wegen dem nichtverstehen zwar fad, aber hatte dann den Abschlusswisch in der Tasche. Sonst gäbe es nichts, ausser ich werde an etwas errinnert. Es wird sicher Barrikaden gegeben haben, ich brauchs mir aber nicht zu merken. Nützt in meinem Leben nicht.
Ich dache nicht dran wie es dir ergangen sein könnte. Du bist ja später ertaubt als ich. Ich habe bis vor kurzem einfach nicht dran gedacht.

Das mit dem "alten Sack" und "Wortfakälien" ziehe ich zurück. Das liegt wohl zusammen, dass ich nur einfach von den "Werners"-Comics (Werner Beinhart) irritiert war. Klasse ist der Comic jedenfalls :-)))

So jez geh i ne Friedenspfeife rauchen
deafmax

@auerhahn
Sehr wohl ist eine Forum für Spätertaubte möglich. Man muss nur Themen posten. Ausserdem gibts sicherlich noch viele andere Schwerhörigenforen.


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BeitragVerfasst: Do, 11.9.03 19:23 
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IM Westen nichts Neues; WIE WAHR.Und der Osten ist rot??
Ich bin etwas farbenblind.Es wundert mich ein bisserl.


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BeitragVerfasst: Do, 11.9.03 20:49 
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Ein alter Freund, früher normalhörend, wird seit einiger Zeit immer schwerhöriger.
Nur noch auf einem Ohr versteht er Sprache in einer Umgebung ohne Störgeräusche.
Er hat mir kürzlich etwas interessantes gesagt:
Man kann Aussagen oder Themen wissenschaftlich analysieren und objektiv entscheiden. Wenn das nicht möglich ist, bleibt nur demokratische Abstimmung unter genügend vielen Menschen, die beide Seiten eines Themas unmittelbar kennen.
Grobes Beispiel: Ein Mensch hat eine führende Position in einem sozialistischen Land.
Ein anderer Mensch war Millionär in einem kapitalistischen Land und muß plötzlich unfreiwillig im sozialistischen Land leben.
Sie diskutieren hitzig über die bessere Gesellschaftsform.
Keiner von beiden kann objektiv urteilen, welche Gesellschaftsform besser ist.
Objektiv urteilen könnten nur genügend viele Menschen, die beide Welten kennen in einer demokratischen Abstimmung.
Jedem seine persönliche Meinung gönnen ist zwar tolerant, aber es bringt keine objektive Lösung für eine Fragestellung.
Vieleicht können nur absolut neutrale Aussenstehende objektiv urteilen, was Taubheit bedeutet?
Grobes Beispiel:Flugunfähige Hausgänse können nicht beurteilen
ob es für eine Wildgans schlimm ist, plötzlich nicht mehr fliegen können!
Man kann nicht alles als persönliche Meinung tolerieren.
Wer sagt "Taubheit ist für mich ein Gottesgeschenk" beansprucht für seine Meinung die allerhöchste Instanz, Gott.
Alle anderen Meinungen werden damit irgendwie weniger Wert.
Echt gläubige Menschen schrecken davor zurück, Gott für ihre persönlichen Meinungen einzuspannen!
Sie beten nur wie der heilige Franziskus:
Gib mir die Kraft zu ertragen, was ich nicht ändern kann.


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BeitragVerfasst: Do, 11.9.03 22:07 
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@auerhahn, bitte um entschuldigung wenn dies mir passiert ist,...es schwirrte zu vieles in meinem kopf herum.
wie du nun lesen könntest, meine eltern sind hörend- ich bin der einzige gehörlose in einer grossen familie :wink:
ich bin deafmax ähnlicher als halfmoon, ich habe gehört, nocheinmal ich habe und es macht mir nichts aus, dass ich es nicht mehr kann, genau wie deafmax. es ist für mich einfach schwer nachvollziehbar, dass jemand der im kindesalter ertaubt ist, dem hören "nachweint", es vermisst, es gerne wieder hätte. nach vielleicht wer weiß wievielen jahren. jeder ist anders, jeder reagiert anders, jeder geht anders damit um.
daher gehe ich davon aus, dass verschiedene faktoren zusammenhängen.

nun zur gut geschulten stimme, zur "perfekten" aussprache. schlicht und einfach zu erklären ist, dass ein taubgeborener mensch, der nie gehört hat, niemals, egal wie er geübt hat, eine gute aussprach haben wird. nicht nur diese, sondern auch sh, die sprache auditiv wahrnehmen können, haben probleme beim sprechen und in der schriftsprache.
sogar gibt es spätertaubte (kindesalter), die nicht gut von hörenden zu verstehen sind :o

es ist begabung, talent, ein gottesgeschenk :-))) in die wiege gelegt, wenn man als tauber mensch eine relativ saubere aussprache, ein gutes sprachverständnis und eine gute schriftsprachkometenz hat. genauso kann es hörenden gehen, meine hörende schwester hat und hatte immer probleme mit der deutschen schrift und grammatik.


taubgeborene wirklich gut verstehen können aussenstehende nur schwer, freunde, die familie und verwandten sind es mit der zeit gewöhnt. ich habe oft erlebt, dass meine gl freunde von hörenden kaum oder gar nicht verstanden werden und ich "dolmetschen" dürfte. für hörende ist es dann verwirrend, die da spricht so gut, der dort drüben nur a knauderwelsch :evil:

meine kleine tochter hat im moment eine phase, wo sie nicht glaubt, dass ich taub bin, weil sie immer mehr meiner gl freunde kennt und nun auch die lautsprachen unterscheiden kann. zur zeit sagt sie mir immer, ich glaube nicht dass du taub bist. ich werde dir die ohren putzen und dann hörst du so wie ich. :silly:
ich habe ihr erklärt, dass ich nie hören werde. darauf sie, aber du sprichst ja auch. ich nehme an, dass für sie die lautsprache meiner freunde irgendwie fremd, so andersartig ist, grob vielleicht. ich sagte meiner kleinen, sie solle ihre große schwester oder den papa fragen, sie fragte nach, ob ich hören werde und als sie auf ihre fragen stets ein nein bekam, gab sie nicht auf: ich glaube es nicht! sagt sie- heute noch immer! :D
morge bestimmt auch wieder :-)))

gute nacht delfin

ich bin taub und glücklich
ich bin taub und zufrieden
ich bin taub und lebe
und taub will ich gehen von dieser erde.


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BeitragVerfasst: Fr, 12.9.03 0:06 
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Hi CharlyBrown,
interessantes Posting, ist schon spät daher nur schnell 2 Aussagen mit denen ich mich nicht so richtig anfreunden kann :-)))

CharlyBrown hat geschrieben:
Vieleicht können nur absolut neutrale Aussenstehende objektiv urteilen, was Taubheit bedeutet? .

Naja, da habe ich so meine Zweifel. Gibt es die denn überhaupt und was machst Du wenn sich deren Beurteilung nicht mit Deiner Meinung deckt?

CharlyBrown hat geschrieben:
Man kann nicht alles als persönliche Meinung tolerieren.
Wer sagt "Taubheit ist für mich ein Gottesgeschenk" beansprucht für seine Meinung die allerhöchste Instanz, Gott. Alle anderen Meinungen werden damit irgendwie weniger Wert.


Mit Gott habe ich auch ein bisschen ein Problem aber für mich sind die wirklich wichtigen Worte "für mich" :D
Diese 2 kleinen Worte können, um gleich bei Gott zu bleiben, den Unterschied ausmachen ob jemand sagt "Ich persönlich glaube an Gott" oder "Es gibt nur einen wahren Gott (natürlich den an dem ich glaube..) und alle Ungläubigen sind weniger wert als ich und irren sich...

Gruß
santi


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BeitragVerfasst: Fr, 12.9.03 7:27 
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Beiträge: 1199
Wohnort: Thueringen
Delfin hat geschrieben:
glaubt ihr, dass ein "unzufriedener" tauber ein glücklicheres leben als hörender haben würde?
mehr geld verdienen würde?
einen besseren job hätte?
keine existenzängste, keine geldsorgen?


Glücklich und zufrieden sind diejenigen, die es verstehen mit den Herzen einander "zuzuhören" und den anderen "richtig" zu sehen.
Man hört und sieht nur mit dem Herzen gut(Vom kleinen Prinz)
Und wir hätten weniger Probleme miteinander, wenn wir das beherzigen würden.
Bei aller Meinungsverschiedenheiten können wir dennoch viel Herz einander zeigen!
Na also... :)

_________________
Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der bedeutendste Mensch der, der uns gerade gegenübersteht und das notwendigste Werk ist stets Hilfen ermöglichen.


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BeitragVerfasst: Fr, 12.9.03 21:08 
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Santiago, mein alter Freund ist schon über 80. Er nimmt es erstaunlich gelassen, das sein Gehör immer schlechter wird und er wohl bald ganz taub ist.
Aber er ist geistig noch sehr rege und liest viel.
Ich habe in meinem vorigen Posting geschrieben, was er zum Thema sagte.
Das mit dem "neutralen Aussenstehenden" hatte ich anfangs auch nicht verstanden.
Meine persönliche Meinung war immer:Die meisten Hörenden und auch viele Schwerhörige
können nicht wirklich verstehen, was Taubheit ist.
Mein alter Freund sagte mir:"Als mein Gehör immer schlechter wurde, habe ich zuerst Rat gesucht bei Ohrenärzten. Aber Hörgeräte haben nicht lange geholfen und operieren lassen will ich mich nicht mehr. Darum suchte ich andere Wege und fand einen Sozialarbeiter für taube Menschen. Mit dem hatte ich gute Gespräche. So ein Mann könnte als neutraler Aussenstehender objektiv sagen, was Taubheit bedeutet.
Aber er darf nicht im Internet von seiner Erfahrung schreiben, er hat berufliche Schweigepflicht."
Also, das ist ein interessante Gedanke. Aber ich persönlich glaube, auch Sozialarbeiter sind nicht absolut neutral. Sie kennen nur Gehörlose mit sozialen Problemen und sehen das Thema einseitig von der sozialen Seite.

Es ist OK wenn jemand sagt:"Ich glaube an Gott" oder "Ich bin Gott dankbar, daß mein Leben glücklich ist".
Aber es ist nicht OK, wenn jemand im Zusammenhang mit Diskussion über "XYZ" sagt:
"Für mich ist XYZ ein Gottesgeschenk". Damit beansprucht er seine Meinung als von Gott gegeben.
Da hilft es nicht, hinterher zu sagen, es sei sein persönlicher Glaube und andere Teilnehmen dürfen andere Meinung haben.


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 Betreff des Beitrags: irre
BeitragVerfasst: Fr, 12.9.03 21:31 
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@Charly Brown
Ich habe sehr lange in einem grösseren Unternehmen gearbeitet.
hatte meine Probleme und Schwierigkeiten. Wir hatten einen alten Herren auf unserer Abteilung, der mit mir nie sprach und mich immer nur beobachtete, ich hatte dienstlich mit ihm nichts zu tun. Er ging bald in Pension und in der Pension verschlechterte sich sein Gehör langsam, zuletzt hörte er fast nichts. Eines Tages besuchte ihn mein Chef im Krankenhaus und richtete mir von diesem Herren einen schönen Gruss aus. Ich war erstaunt, wir hatten nie miteinander gesprochen. Der Chef sagte, dass dieser Mann, nun selber fasst taub, verstünde, wie schwierig das Leben für mich manchmal wäre. Wahrscheinlich, erst wenn man das Problem selber hat, versteht man es.


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BeitragVerfasst: Sa, 13.9.03 14:04 
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Beiträge: 701
@Charly Brown: Du sprichst etwas wichtiges gelassen aus, wenn Du sagst: ""Für mich ist XYZ ein Gottesgeschenk". Damit beansprucht er seine Meinung als von Gott gegeben." Es ist dieser Absolutheitsanspruch der gerade aus den Worten Hartmuts spricht, der mir jedes mal kalte Schauer über den Rücken jagt. Er versucht zwar dann immer im Nachhinein auch sein "Herz für Spätertaubte" zu offenbaren, wenn er dann aber wieder von "Wir" schreibt ....

Pnin


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 Betreff des Beitrags: irre
BeitragVerfasst: Sa, 13.9.03 16:57 
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Es hat immer Menschen gegeben, die von irgendetwas stark überzeugt waren. Hartmut hat zulange in den Kreisen der Gehörlosen gelebt, er kann nicht anders. Eine heute schon verstorbene Dolmetscherin hat mir einmal gesagt, dass man sehr schwer wieder aus den Gehörlosen-Problemen aussteigen kann, einmal drinnen, bleibt man dem immer verhaftet.

Irgendetwas ist daran wahr. Man fühlt sich moralisch verpflichtet, und weiss nicht, ob man das schafft, den Erwartungen entsprechen wird etc.etc.
Ich empfinde Taubheit nicht als Gottesgeschenk, sondern als Bestimmung. Ich muss damit leben und versuche, das Beste daraus zu machen. Ich empfinde es nur als Glück, dass ich mit der Schriftsprache nicht auf dem Kriegsfuss stehe und so eine Möglichkeit habe, abzuschalten, wenn es mir zuviel wird.


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BeitragVerfasst: So, 14.9.03 20:28 
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Pnin, ich habe auch Schwierigkeiten Hartmut zu verstehen. Hartmut hat bei den Gehörlosen hohes Ansehen. Er ist zu einer Zeit in die USA gegangen, als die Gehörlosen in Deutschland noch Angst hatten in der Öffentlichkeit ihre Gebärdensprache zu gebrauchen.
Damals haben alle hörenden PädagogenInnen die Gebärdensprache massiv unterdrückt, sie war in den Schulen bei Strafe verboten!
In den USA konnten begabte Gehörlose studieren und Berufe erreichen, die den Gl in Deutschland damals noch verwehrt waren.
Hartmut hat einiges dafür getan, das die Gl in Deutschland selbstbewußt zu ihrer Gebärdensprache stehen.
Darum habe ich Achtung und Respekt für Hartmut.
Aber ich bin dagegen, wie Hartmut und einige seiner Anhänger das Taubsein zu einer Glaubenssache machen.
Wer sagt:"Taubsein ist OK","Ich bin glücklich taub", darf sich nicht wundern, wenn gewisse Politiker das freudig aufgreifen und alle sozialen Vergünstigungen für Hörbehinderte streichen.


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