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 Betreff des Beitrags: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Di, 13.1.09 14:56 
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Registriert: Di, 13.1.09 13:47
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Hallo,

ich schreibe zwar keine Arbeit über ein Gehörlosenthema, aber dieses Forum schien mir noch am passendsten.

Ich beherrsche keine Gebärdensprache, aber soweit ich weiß, sind sie von den laut gesprochenen Sprachen vollkommen unabhängig und die Gebärden sind meistens bildhafte Darstellungen dessen, was ausgedrückt werden soll. Ich sehe darin Probleme und würde dazu gern Meinungen von Leuten hören, die tiefer in der Materie stecken als ich.

Der Fokus auf der bildhaften Darstellung macht es vielleicht schwieriger, komplexe Gedanken auszudrücken. Ich stelle mir das als Hörender so vor, als würde ich zur lauten Kommunikation nur die Geräusche nachahmen, die die Welt von sich gibt. Außerdem muss ein nur Gebärden Sprechender bei null anfangen, wenn er die Schriftsprache erlernen möchte, weil die Buchstaben keine Entsprechung in seiner Sprache finden, wie es bei der Lautsprache der Fall ist.

Warum werden trotzdem Gebärden benutzt und nicht Handzeichen für Buchstaben?
Ich nehme an, dass Gebärden eventuell einfacher zu erlernen sind, aber in der Lautsprache funktioniert es ja auch. Erlauben Gebärden eine deutlich höhere Geschwindigkeit in der Kommunikation als das Ausbuchstabieren der Wörter? Gibt es ein Buchstabiersystem, das als Konkurrenz zu Gebärden entwickelt wurde? Das mir bekannte Fingeralphabet scheint in Sachen Geschwindigkeit und Klarheit den Gebärden deutlich unterlegen zu sein, ist aber wohl auch nicht als Ersatz für die Gebärden gedacht, sondern nur als Notbrücke zur Laut-/Schriftsprache.

Ich würde mir eine Darstellungsform der Schriftsprache wünschen, die durch Körperzeichen realisiert wird und die Qualitativ mit der Lautsprache mithalten kann. Ich finde es schade, dass gerade die Gehörlosen anscheinend eher ihr eigenes Süppchen kochen und ich als Lautsprechender eine völlig neue Sprache lernen muss, wenn ich lautlos kommunizieren möchte, vorausgesetzt, meine Vorbehalte gegenüber den Gebärden sind nicht völlig haltlos.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 7:32 
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Registriert: Mi, 17.12.03 16:09
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Hallo Nils,
ich bin beim Lesen Deines Postings sehr ärgerlich geworden. Mir zeigen Deine Zeilen ein Ausdruck von Faulheit. Warum? Lesestoff und Info-Angebot gibt es in diesem Forum reichlich – die alle Deine Fragen zur Genüge beantworten würden. Da ich aber inzwischen etliche Hörende getroffen habe, die mit ganz ähnlichen Ansichten durch die Gegend laufen, wie Du sie formuliert hast und die offenbar auch zu faul sind, selbst zu lesen, hab ich Dir passende Antworten in das untere Posting geschnürt.
Gruss von biene63


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 7:34 
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Registriert: Mi, 17.12.03 16:09
Beiträge: 265
Wohnort: Berlin
Hallo Nils,

interessant wäre zu wissen, aus welchem Grund Du Deine Vermutungen "Gebärdensprache" betreffend formulierst.
Ebenfalls interessant: Was ist Dein Beruf - und gegebenfalls Deine "Zielgruppe"? Passend dazu bitte auch diese Info: Wie alt bist Du?

Nils hat geschrieben:
Der Fokus auf der bildhaften Darstellung macht es vielleicht schwieriger, komplexe Gedanken auszudrücken.

DGS (DEUTSCHE Gebärdensprache) ist eine natürliche, voll ausgereifte und absolut belastbare SPRACHE - so wie jede andere Sprache auch.

Was meinst Du wohl: Warum gibt es Studiengänge und entsprechende Lehrstühle für Gebärdensprach-Dolmetschen, Gebärdensprach-Linguistik, sowie DEAF Studies?....und zwar spreziell für jede Nation in deren individueller Landes-Gebärdensprache?

Dein Zitat auf Hörende und Lautsprachler übertragen: Das ständige Grunzen und die zielllosen Laute machen es vermutlich schwierig, nen klaren Gedanken zu fassen?
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Nils hat geschrieben:
Warum werden trotzdem Gebärden benutzt und nicht Handzeichen für Buchstaben?

Weil Gebärden und das der jeweiligen Landes-Gebärdensprache zugehörige Fingeralphabet jeweils nur kleine Bestandteile der komplexen Landes-Gebärdensprache sind. In Deutschland ist das die DGS.
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Nils hat geschrieben:
Ich nehme an, dass Gebärden eventuell einfacher zu erlernen sind, aber in der Lautsprache funktioniert es ja auch.

Deine Annahme kannst Du "leicht" überprüfen, "einfach", indem Du DGS lernst. So ca nach etwa 3 absolvierten DGS-Kursen wirst Du Deine Meinung überprüfen können, welche Deiner Vermutungen stimmen und welche nicht. Vor allem wirst Du dann ca erahnen können, in welchem Ausmaß Du bis dahin die DGS noch nicht gelernt haben wirst.

Ach so, bezüglich Deines Zitates, zweiter Satzteil: Was bedeutet "es".....was funktioniert Deiner Ansicht in Lautsprache auch?
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Nils hat geschrieben:
Das mir bekannte Fingeralphabet scheint in Sachen Geschwindigkeit und Klarheit den Gebärden deutlich unterlegen zu sein, ist aber wohl auch nicht als Ersatz für die Gebärden gedacht, sondern nur als Notbrücke zur Laut-/Schriftsprache.

Welches Fingeralphabet ist Dir bekannt? ==> konkrete Quelle, Link?

Hmm, bisher nehme ich Dich als User wahr, der nur mal ein bisschen „Stunk“ machen will, halt Streit anfangen, evt weil Dir langweilig ist oder so. Ich kann bisher in Deinen Aussagen keine durchlaufene Recherche entdecken und auch kein ernstgemeintes Interesse an der GS-Gemeinschaft. Solche User werden gemeinhin als „Fake“ bezeichnet. Bin gespannt, ob auch Du ein solcher „Fake“ bist – oder ob Du nur unüberlegte Ausdrucksweise zeigst, die möglicherweise auf Faulheit basiert.

Was mich betrifft: Meine Threads und Postings kannst Du ja hier im Forum überprüfen – das bietet Dir Lesestoff für viele Tage….Es sind dort viele Informationen enthalten, mit wirklich sehr viel Substanz.
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Nils hat geschrieben:
Ich finde es schade, dass gerade die Gehörlosen anscheinend eher ihr eigenes Süppchen kochen und ich als Lautsprechender eine völlig neue Sprache lernen muss, wenn ich lautlos kommunizieren möchte, vorausgesetzt, meine Vorbehalte gegenüber den Gebärden sind nicht völlig haltlos.

Gehörlose verstehen sich als Sprach-Minderheit.

Wenn Du Dir die Mühe machen solltest, die DGS zu erlernen, wirst Du danach recht gut viele der Barrieren erkennen können, die GL von Hörenden auferlegt werden.
Es könnte alles unglaublich einfach sein.....USA macht es vor: !00% Untertitel, Beamte der diversen Behörden und medizinisches Personal können ASL (American Sign Language), Recht auf ASL als Form der Barriererefreiheit gesetzlich verankert (Antidiskriminierungs-Gesetz)....diese Hörenden sind nicht perfekt, aber können zumindest rudimentär kommunizieren!

Ach so - noch ein Tip: Etliche der Infos, die ich hier EXTRA für Dich zusammengetragen habe, stehen ....oft schon seit Jahren....in vielen der Threads hier im Taubenschlag-Forum. Es könnte Dir also hilfreich sein, bevor Du die nächsten Vermutungen aufstellst, bitte erstmal diese anderen Infos dort zu lesen....oft sind dort noch weiterführende Links genannt.

lg von biene63


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 14:41 
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Registriert: Di, 13.1.09 13:47
Beiträge: 10
Hallo biene63,

danke für deine Antwort und es tut mir leid, wenn mein Beitrag irgendwie verletzend war oder du dich angegriffen gefühlt hast, so war es nicht gemeint. Ich gehe mitunter mit einer gewissen Naivität an solche Sachen heran und blende aus, dass ich jemandem auf die Füße treten könnte.

Ja, ich habe sehr wenig Ahnung von Gebärdensprache und mit Gehörlosen auch nicht viel zu tun. Aber ich finde nicht, dass ich die Gebärdensprache erst lernen muss, bevor ich fragen dazu stelle.

Ich bin ein 22-jähriger Student und verstehe nicht, was du mit "Zielgruppe" meinst. Ich schreibe nämlich keine Arbeit, sondern bin einfach ein wenig interessiert.

Das mit der einschränkenden bildhaften Darstellung war - wie gesagt - bloß eine Vermutung und wenn du sagst, dass du mit der Gebärdensprache in dieser Hinsicht keinerlei Probleme hast, dann glaube ich dir das gern und betrachte meine Vermutung als widerlegt.

Du betonst ja selbst, dass die DGS eine eigenständige und komplexe Sprache ist. Also eine völlig andere als die deutsche Schrift-/Lautsprache. Auch sagst du, dass sich Gehörlose als Sprachminderheit sehen. Ich sehe darin eben das Problem, dass man verschiedene Sprachen lernen muss, wo es vielleicht reichen würde, verschiedene Zeichensätze zu lernen: Buchstaben, Handzeichen, Töne. Ich könnte buchstäblich exakt denselben Satz laut sagen, auf ein Blatt Papier schreiben oder mit Handzeichen "schreiben". Gehörlose hätten einen direkten Zugang zur deutschen Schriftsprache, Hörende hätten einen direkten Zugang zur Kommunikation der Gehörlosen.

Es geht mir bestimmt nicht darum Stunk zu machen. Ich stelle nur in Frage, dass man zwei völlig unterschiedliche Sprachen braucht. Es geht mir auch nicht darum, die Gebärdensprache als minderwertig herauszustellen. Meinetwegen könnten wir auch die deutsche Sprache durch eine geschriebene und gesprochene Version der Gebärdensprache ersetzen.

Aber um konkrete Handlungen geht es ja gar nicht, ich möchte einfach noch andere Meinungen dazu hören. Was meinst du: wäre es besser, wenn Gehörlose und Hörende dieselbe Sprache mit unterschiedlichen Zeichensätzen sprechen würden oder ist es besser so wie es ist? Und warum?

Ich hoffe, ich konnte mein Anliegen verständlicher machen und ein bisschen die Spannung aus unserem Gespräch nehmen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 15:16 
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Registriert: Mo, 2.10.06 17:03
Beiträge: 17
Nils hat geschrieben:
Warum werden trotzdem Gebärden benutzt und nicht Handzeichen für Buchstaben?
Ich nehme an, dass Gebärden eventuell einfacher zu erlernen sind, aber in der Lautsprache funktioniert es ja auch. Erlauben Gebärden eine deutlich höhere Geschwindigkeit in der Kommunikation als das Ausbuchstabieren der Wörter? Gibt es ein Buchstabiersystem, das als Konkurrenz zu Gebärden entwickelt wurde? Das mir bekannte Fingeralphabet scheint in Sachen Geschwindigkeit und Klarheit den Gebärden deutlich unterlegen zu sein, ist aber wohl auch nicht als Ersatz für die Gebärden gedacht, sondern nur als Notbrücke zur Laut-/Schriftsprache.


Wenn du Maschine schreiben kannst, versuche doch mal die Tagesschau in Echtzeit wortgetreu aufzuschreiben. Das wird sehr schwierig werden obwohl Maschine schreiben ein ziemlich schnelles Buchstabiersystem ist. Mit Gebärdensprache klappt es aber (siehe PHOENIX).

Nils hat geschrieben:
Aber um konkrete Handlungen geht es ja gar nicht, ich möchte einfach noch andere Meinungen dazu hören. Was meinst du: wäre es besser, wenn Gehörlose und Hörende dieselbe Sprache mit unterschiedlichen Zeichensätzen sprechen würden oder ist es besser so wie es ist? Und warum?


Aus dem Absatz interpretiere ich, dass du annimmst, dass die Gebärdensprache eine Plansprache ist.


Zuletzt geändert von plaicy am Mi, 14.1.09 15:29, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 15:27 
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Beiträge: 10
plaicy hat geschrieben:
Wenn du Maschine schreiben kannst, versuche doch mal die Tagesschau in Echtzeit wortgetreu aufzuschreiben. Das wird sehr schwierig werden obwohl Maschine schreiben ein ziemlich schnelles Buchstabiersystem ist. Mit Gebärdensprache klappt es aber (siehe PHOENIX).


Allerdings kommen Stenografen auch mit und die verwenden keine neue Sprache, sondern nur eine andere Schrift.

plaicy hat geschrieben:
Aus dem Absatz interpretiere ich, dass du annimmst, dass die Gebärdensprache eine Plansprache ist.


Nein, und ich kann auch nicht erkennen, wie du darauf kommst. Deine Meinung würde mich übrigens auch interessieren.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 15:31 
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Registriert: Mo, 2.10.06 17:03
Beiträge: 17
Nils hat geschrieben:
Nein, und ich kann auch nicht erkennen, wie du darauf kommst. Deine Meinung würde mich übrigens auch interessieren.


Für mich wirkt die Frage ähnlich konstruktiv wie die Frage ob deutsch (Lautsprache) für andere einfacher zu erlernen ist, wenn man die Unregelmäßigkeiten entfernt. Beispiel für "da sein":
  • ich daseine
  • du daseinst
  • er/sie/es daseint
  • wir daseinen
  • ihr daseint
  • sie daseinen

Vielleicht habe ich dich ja auch falsch verstanden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 15:43 
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Beiträge: 10
plaicy hat geschrieben:
Für mich wirkt die Frage ähnlich konstruktiv wie die Frage ob deutsch (Lautsprache) für andere einfacher zu erlernen ist, wenn man die Unregelmäßigkeiten entfernt. Beispiel für "da sein":
  • ich daseine
  • du daseinst
  • er/sie/es daseint
  • wir daseinen
  • ihr daseint
  • sie daseinen

Vielleicht habe ich dich ja auch falsch verstanden.


Also ist es für dich offensichtlich, dass eine gemeinsame Basis hilfreicher wäre als zwei unterschiedliche Sprachen? Ich würde nämlich sofort auf solche Unregelmäßigkeiten verzichten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 15:48 
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Beiträge: 17
Nils hat geschrieben:
Also ist es für dich offensichtlich, dass eine gemeinsame Basis hilfreicher wäre als zwei unterschiedliche Sprachen? Ich würde nämlich sofort auf solche Unregelmäßigkeiten verzichten.

Von einer gesamen "Basis" von irgendwelchen Sprachen habe ich nirgendwo etwas gesschrieben.

Das Sprachenerlernen bezog sich allgemein auf das Erlernen der deutschen Lautsprache. Beispielsweise auch das Erlernen durch Engländer. Es sollte nur ein Vergleich sein, weil du die Lautsprache wohl kennen solltest...


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 17:30 
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Ok, ich gehe mal ein paar Schritte zurück. Wir haben ein bisschen aneinander vorbei geredet, glaube ich.

plaicy hat geschrieben:
Für mich wirkt die Frage ähnlich konstruktiv wie die Frage ob deutsch (Lautsprache) für andere einfacher zu erlernen ist, wenn man die Unregelmäßigkeiten entfernt.


Vielleicht bin ich mit meiner Frage nicht richtig durchgekommen. Mich interessiert, wie ihr zu einem Sprachsystem stehen würdet, das eine laute, eine geschriebene und eine körperliche Darstellung hat, und das damit die momentane Bilingualität ein Stück weit entfernt. In der Praxis würde das wohl das Aus für Gebärdensprache bedeuten, da bereits eine Schrift existiert und diese auf der Lautsprache basiert, und weil die Zahlen der Sprecher einfach sehr ungleich sind.

Natürlich ist die Frage in gewisser Weise unkonstruktiv. Ich möchte ja auch gar nichts konstruieren, sondern eure Meinungen dazu erfahren. Ich suche keine "Mitstreiter in meinem Kampf gegen die Gebärdensprache", sondern Meinungen zur Idee und Argumente dafür und dagegen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 19:00 
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Muss man Studiert haben, um zu verstehen, was du meinst?

Ich habe nämlich keine ahnung, wie du dir das da vorstellst.

Wie soll das aussehen?

Nehmen wir mal als Beispiel EIS

Eis, spricht man EIS aus, schreibt drei buchstaben EIS und gebärdensprache ist hier zu die geschlossene faust an den Mund führen und so zu tun, als ob man eis lecken würde.

Was meinst du, soll hier dann besser sein, anstatt der gebärde für eis?


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 22:02 
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Rocco-maus hat geschrieben:
Eis, spricht man EIS aus, schreibt drei buchstaben EIS und gebärdensprache ist hier zu die geschlossene faust an den Mund führen und so zu tun, als ob man eis lecken würde.

Was meinst du, soll hier dann besser sein, anstatt der gebärde für eis?


Eine Geste, die die Buchstaben "Eis" darstellt. Das wäre sicherlich nicht so intuitiv verständlich wie die Gebärde, aber "Eis" gesprochen versteht man ja auch nicht, wenn man die Sprache nicht beherrscht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 22:49 
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Hallo Nils,

ich glaub, wenn ich Dich richtig verstehe - dass man Deine Frage tatsächlich nicht so einfach beantwortet werden kann, da - wenn Du ein wenig Erfahrung in Gebärdensprache hättest ( dies soll kein Vorwurf sein, dass Du diese nicht hast ) - Du diese Frage aber so nicht stellen würdest. Es ist sehr schwierig darauf zu antworten. Ich denke, dass liegt daran, dass man die Deutsche Gebärdensprache, ich lehne mich sogar so weit aus dem Fenster zu behaupten, dass man generell die Gebärdensprache nicht mit der Lautsprache - in einigen Bereichen - vergleichen kann. Die Gebärdensprache enthält sicherlich Elemente wie sie auch in der Lautsprache vorkommen - dennoch besitzt die Gebärdensprache eine eigene Grammatik mit eigener Syntax und allem drum und dran und bildet eine völlig eigenständige Sprache. Das wäre als ob Du eine gemeinsame "Schriftsprache" für Deutsche und Russisch anbieten möchtest.( ich meine nicht das Schriftsystem) Eigentlich ist es mit der Gebärdensprache noch viel diffiziler, da die Gebärdensprache, als rein visuelle Sprache auf viel komplexere Systeme zurückgreifen kann um etwas auszudrücken, als es die Lautsprache je können wird.

Beispiel: Die Gebärdensprache besteht ja nicht nur aus manuellen Komponenten. Dazu kommen ja noch nicht-manuelle Komoponenten und orale Elemente wie z. B. Mundgestik, und das Mundbild. Da die Gebärdensprache nun eine visuelle Sprache ist, und unsere visuelle Wahrnehmung sehr aufnahmefähig ist, kann die Gebärdensprache durch das simultane Zusammenspiel der einzelnen Elemente viel schneller und komplexer und facettenreicher Begriffe ausdrücken, als dies in der Lautsprache der Fall ist, da diese wiederum, aufgrund der Akustik - linear aufgebaut sein muss.

Ich denke aus diesem Grund kann man da kein "gemeinsames System" schaffen, da zum einen diese beiden Sprachen zu verschieden sind und zum anderen es dann keine natürliche Sprache mehr wäre. Ich denke, dass es ein "Aus" für die Gebärdensprache niemals geben wird, da es sich nicht wie beim "Esperanto" um eine künstliche geschaffene Sprache handelt, sondern eine natürliche und lebendige Sprache ist. Wie bei künstlich geschaffenen Sprachen ja sehr schön gesehen werden kann, haben die keine Überlebenschance, da sie künstlich am Leben erhalten werden müssen.

Kurz noch eine Anmerkung: Du schreibst, dass die Gebärdensprache ja eh schon in der Schriftsprache auf der Schriftsprache der Lautsprache basiert. Das mag sein, doch gibt es zum einen auch eine Schriftform für die Gebärdensprache - man beachte Notationssysteme wie HamNoSys - und zum anderen richtet sich die Schriftart in der Gebärdensprache nach der Lautsprache ( so wie das auch das Italienische ecc tut ) doch ändert das nichts daran, dass die Gebärdensprache eine eigenständige Grammatik hat, die mit der Deutschen Lautsprache nicht zu tun hat, was man z. B. schon an der Wortfolge sehen kann, die in der Lautsprache SVO und in der Gebärdensprache SOV - lautet.

So, ich hoffe ich konnte ein bißchen was dazu beitragen - ich selbst bin hörend und lerne erst seit einem Jahr DGS. Ich muss dazu sagen ich bin Dolmetscherin und Übersetzerin für Italienisch und Englisch und es fällt mir im Allgemeinen sehr leicht eine neue Sprache zu lernen. Es bereitet mir Freude und geht mir sehr leicht von der Hand. Als ich jedoch die DGS kennenlernte, wurde mir sehr schnell klar, dass diese Sprache mit nichts, aber wirklich mit überhaupt nichts zu vergleichen ist, was ich bisher kennengelernt habe. Diese Sprache ist so unglaublich und sprengt für mich und meine Sprachkompetenz jeglichen Rahmen. Die DGS bedeutet für mich den Schlüssel in eine völlig andere Welt. Eine vielfältige und facettenreiche Welt. Ich spreche nicht gut Gebärdensprache, aber alles was ich neu lerne emfpinde ich persönlich als eine große Bereicherung.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 14.1.09 23:03 
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Ahh, ich habe was vergessen :)

Ich habe gerade gelesen, dass Du in Deinem ersten Beitrag geschrieben hast: Die Bildhaftigkeit der Gebärden erschwert es diesen komplexe Gedanken auszudrücken.
Das habe ich nun schon häufiger gehört. Die Gebärdensprache wird wegen ihrer Bildhaftigkeit als oberflächlich angesehen.
Es gibt zwei Gründe warum dies Humbug ist:
Zum einen ist die Gebärdensprache keinesfalls mit der Pantomime zu vergleichen, allein, dass die Gebärdensprache einen klar definierten Gebärdenraum besitzt und die Pantomime wild im Raum realisiert wird ist nur eines von vielen Zeichen hierfür.
Zum anderen ( und viel wichtigeren aus meiner Sicht ) : ok, die Gebärdensprache weist viele bildhafte Gebärden auf. Soweit so gut. Aber: nehmen wir das Beispiel der Gebärde "lernen" - ok, die Gebärde ist durchaus bildhaft - aber: was sagt das über den eigentlichen Begriffsinhalt aus? - Genau, gar nichts. Nur weil die Gebärde bildhaft ist, sagt das doch überhaupt nichts zu deren Inhalt aus. Anderes Beispiel: Begriff "Mama" - ein sehr einfacher Begriff. Doch die Gebärde hierfür weist überhaupt kein ikonisches Potenzial auf, also stützt sich nicht auf ein Bild.
Klar geworden?
Das war mir noch sehr wichtig anzumerken :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Do, 15.1.09 0:17 
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Hallo SteffiB,

du sprichst ein paar interessante Punkte an, aber ich muss meinen Ansatz wohl doch noch mal neu formulieren, da du etwas an ihm vorbei argumentierst.

Mir ist klar, dass die Gebärdensprache eine eigenständige Sprache ist, die von der Lautsprache unabhängig ist. Ich meine nicht, dass man diesen zwei völlig verschiedenen Sprachen irgendwie einen gemeinsamen Unterbau spendiert, sondern dass eine (oder beide) dieser Sprachen aufgegeben und durch ein neues System ersetzt wird, sodass Vokabular und Grammatik der zwei neuen Sprachen völlig identisch sind, nur die Präsentationsform eine andere. So wie gesprochenes und geschriebenes Deutsch nur Darstellungsformen derselben Sprache sind. So würde beispielsweise die Gebärdensprache durch ein Fingeralphabet ersetzt werden oder die Laut- und Schriftsprache durch eine (akustische) Version eines Notationssystems der Gebärdensprache.

Da du wohl Sprachenthusiastin bist, wird dir die Idee, eine natürliche Sprache abschaffen zu wollen, vielleicht absurd vorkommen bzw. du wirst dem ablehnend gegenüberstehen, aber genau das Abschaffen ist die Idee. Ich wäre zum Beispiel auch absolut dafür, sämtliche deutschen Dialekte abzuschaffen, oder sogar eine Weltsprache zu übernehmen. Ich halte die Möglichkeit der einfachen Kommunikation mit anderen für wichtiger als den Schutz der Artenvielfalt der natürlich gewachsenen Grammatikungeheuer. Ich weiß allerdings auch, dass ich mit dieser Meinung relativ allein dastehe, sonst gäbe es ja kein Schwäbisch mehr.

Ich möchte gar nicht bezweifeln, dass die DGS eine schöne, ausdrucksstarke, vollwertige Sprache ist, und die Vermutung über Probleme mit der Bildhaftigkeit habe ich ja oben schon als widerlegt akzeptiert. Auch möchte ich niemandem die Gebärdensprache vermiesen, aber mir kommt es irgendwie doof vor, dass die gebräuchlichste Form visueller Kommunikation (im persönlichen Gespräch) eine eigenständige Grammatik hat, die sich von der sonstigen Sprache so stark unterscheidet, dass man mehr lernen muss als die Zeichen für die Buchstaben.

Ich nehme an, dass du meinem "Vorschlag" ablehnend gegenüberstehst, weil du die natürliche Sprachvielfalt magst, aber ich möchte dir keine Wörter in den Mund legen. Wärst du also für oder gegen eine Aufgabe einer Sprache zu Gunsten einer einfacheren Übertragbarkeit zwischen den Kommunikationswegen Stimme/Schrift und Geste? Warum würdest du (nicht) dafür stimmen?

Ein etwas größerer Sprung im Zusammenhang:
Euch scheint recht wichtig zu sein, dass die Gebärdensprache völlig autark und mindestens genauso "gut" ist wie die Lautsprache. Ich kann das nicht beurteilen, glaube euch aber gern. Das Problem dabei ist, dass ich die Eigenständigkeit eben gar nicht toll finde. Ich finde es doof, wenn in einer Region zwei völlig unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. Zumal die eine Gruppe naturgegeben große Hürden nehmen muss, wenn sie über die laute Sprache (mit Hörenden) kommunizieren möchte (Lippenlesen, Sprechen lernen ohne die eigene Stimme zu hören). Aber das Erlernen einer völlig neuen Sprache ist auch für die meisten Hörenden nicht mal eben gemacht. Ein körperlich-visuelles Notationssystem ihrer lauten Sprache wäre da deutlich simpler.

Außerdem habe ich jetzt schon öfter Texte von Leuten gelesen, die als Grund für ihren etwas holprigen Schreibstil anführten, dass sie gehörlos bzw. schwerhörig seien. Natürlich fällt einem Deutsch schwer, wenn man es quasi als Fremdsprache lernen muss, die nur in Schriftform benutzt werden kann (in etwa wie Latein vielleicht). Ich sehe darin auch eine Barriere, die es Gehörlosen bestimmt nicht einfacher macht, in der Welt der Schrift der Lautsprache zurecht zu kommen. Wäre die gestische Sprache eins zu eins in deutsche Schriftsprache übertragbar, wäre dieses Problem wohl auch von Gestern. Das war jetzt aber wieder sehr vermutet und absolut nicht belegt. Wenn das Schwachsinn ist, bitte einfach kurz bescheid sagen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Do, 15.1.09 6:12 
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Also besteht das Problem darin, das wenn ein GH schreibt, dies so tut als ob er gebärded. Was dann natzürlich schwer zu lesen ist für hörende.

Natürlich ist es für beide seiten nicht leicht, eine neue Sprache zu lernen. Aber ich sehe es so, wenn ich nach China fahre, müßte ich auch eine neue Sprache lernen und kann denen ja nciht zum vorwurf machen, das ihre sprache doch zu schwer und zu kompliziert sei.

Ich ärger mich manchmal auch darüber, das die geschriebene Schrift anders ist als die gebärdensprache aber die deutsche sprache ist nunmal einer der schwersten und viele binde-wörter etc gibt es nicht als Gebärde. Auch die ganzen rechtschreib regeln etc, diese sind ja auch nicht im englischen enthalten.

Es würde herzlich wenig bringen, die GH Sprache umtzustellen, wenn es sowas wie die deutsche sprache gibt. Denn jeder GH müßte hunderte neue silben und worte lernen, der effekt wäre aber nur sehr gering.
Denn selbst dann würden hörende nicht besser verstehen und mit ihnen reden können.

Wozu also der aufwand? Nur damit 2 oder 3 menschen es einfacher haben und ihre faulheit, gebärden zu lernen umgehen können?

Ich schätze mal, du wirst verstehen, warum sowas einfach nciht machbar ist und auch völlig sinnlos ist.

PS: es gibt übrigens eine gebärdensprache, die das Deutsche Wort so umsetzt, wie es geschrieben wird. Und wie man sieht, bringt es kaum etwas


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Do, 15.1.09 9:52 
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Guten Morgen :)

ok, ich glaub so langsam versteh ich Deine Frage ( und jetzt stell Dir mal vor, dass das solange gedauert hat obwohl (!) wir beide dieselbe Laut- und Schriftsprache sprechen ;)

Ich dachte mir, als ich Deinen Beitrag zum ersten mal gelesen habe, dass es sich hier tatsächlich um einen Fake handelt oder einfach um jemanden der rumstänkern will.
Ich glaub das Problem ist, dass nicht klar genug rübergekommen ist, dass es Dir um eine einfachere für ALLE verständliche Sprache geht. Also die Gebärdensprache ruhig auf dem Level von anderen "Fremdsprachen" gilt. Die jedoch ein gutes Beispiel dafür ist, dass in einem einzigen Land zwei Sprachen nebenher existieren, und beide Seiten doch davon profitieren würden wenn diese Sprachen quasi zusammengelegt werden könnten.

Wenn ich Dich richtig verstanden habe wäre es ja auch voll ok die Deutsche doofe Lautsprache abzuschaffen - eben einfach mit dem Ziel aus zwei - eins zu machen eben um Kommunikationsbarrieren - die beiden Seiten den Alltag erschweren - abzuschaffen.

nette Idee im Ansatz

und wenn ich Dich weiterhin richtig verstanden habe, dann willst Du hier nicht polarisieren und irgendwie wertend tätig sein, sondern einfach Meinungen hören.
Gut. Hier meine:
Ich glaub das geht nicht. Sprachen sind einfach festern Bestandteil einer Kultur. Sie machen Kultur aus. Es gibt z. B. soziale Normen in jeder Gesellschaft und es gibt sprachliche Normen. Beide sind eng miteinander verknüpft weil soziale Normen durch Sprache realisiert werden und sprachliche Normen durch soziale entstehen ( hört sich wirr an - is aber so )
Sprache ist ganz ganz eng mit Konventionen und kulturellen Gegebenheiten verbunden. Deswegen kannst Du z. B. auch nicht alles 1:1 übersetzen - nicht weil es nicht die entsprechenden Wörter in der anderen Sprache gibt, sondern weil manches einfach nicht verstanden werden würde.Hmm - Beispiel:
Ich sitz daheim und telefoniere mit einer Freundin in Italien. Mein Freund kocht gerade Spaghetti und ich erzähl ihr ( auf Italienisch ) davon. Sie lacht und meint ihre Spaghetti seine die Besten auf der ganzen Welt. Das übersetze ich für meinen Freund ins Deutsche, der dann meint : Hey, ich bin fast sowas wie Mamma Miraculi."
So. Und nu? Mama Miraculi kennt keine Sau in Italien. Jetzt kann ich das natürlich umschreiben und all so Zeuch - aber der Effekt - die Kommunikative Wirkung bleibt dabei doch voll auf der Strecke! Also muss ich kucken was ich über die Zielkultur ( in dem Fall Italien ) weiß - welche Konventionen dort herrschen - und dann such ich mir ein Äquivalent.

Versteht Du was ich damit sagen will? Wenn Du Sprache "einebnen" willst - musst Du zwangsläufig Kultur einebnen. Sprache lebt und entwickelt sich völlig analog zur Gesellschaft in der sie gebräuchlich ist. Das kann man nicht globalisieren. Sicherlich wäre es schön wenn man überall auf der Welt verstanden werden könnte - ich denke Du siehst darin vor allem eine tolle Möglichkeit für einen kulturellen Austausch - aber eben dieser ist nur durch die entsprechende Sprache möglich. So Dinge wie Witz, Ironie, Jugendsprache, Zwischenmenschliches, Spitznamen, Kosenamen, Schimpfwörter - nimm was Du willst - das ist doch das sprachliche Salz in der Suppe - und eben allein von den Bildern die verwendet werden nicht international verständlich. Schau, selbst die Gebärdensprache, die ja eben viele Bilder verwendet ist eben keine potentielle universelle Sprache, weil eben diese Bilder auch wieder fest mit Konventionen und kulturellen Gegebenheiten verbunden sind.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Do, 15.1.09 12:12 
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Registriert: Di, 3.1.06 4:17
Beiträge: 121
Hallo zusammen,

nur mal ein kurzer Einwurf von mir, weil meine DGS-Kompetenz leider immer noch weit davon entfernt ist, hier effektiv mitdiskutieren zu können.

Nils, du schreibst u.a. davon, ein Fingeralphabet zu nutzen statt der Gebärden (sofern ich dich richtig verstanden hab). Stell dir doch mal vor, du würdest anstatt normale Lautsprache zu sprechen, jedes Wort laut Buchstabieren. Das wäre dem Aufwand vergleichbar, den man beim DGS-Buchstabieren auch hat. Du würdest also nicht sagen: "Guten Tag!" sondern "G U T E N (Pause) T A G". Eine Vereinfachung seh ich da nicht?

_________________
Viele Grüße

Beri

Das Leben verstehen kann man nur rückwärts, leben muß man es vorwärts.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Do, 15.1.09 14:57 
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SteffiB,
ja, du hast mich jetzt völlig richtig verstanden.
Dass eine Umsetzung unrealistisch ist, ist mir klar. Aber ich mag die Idee und frage mich, warum andere die Idee nicht mögen. Denn wenn alle dafür wären, warum sollten wir nicht einfach zur Tat schreiten?

Sprache ist bestimmt fester Bestandteil der Kultur, aber Kultur ist ja nichts, was einfach da ist und dem wir uns beugen müssen. Wir machen die Kultur und können sie in andere Bahnen lenken.

Dein Beispiel kann ich etwas entkräftigen - denke ich:
Witze, Jugendsprache usw. versteht auch längst nicht jeder, der Deutsch als Muttersprache gelernt hat. Meine kleine Schwester weiß z.B. wahrscheinlich auch nicht, wer Mama Miraculi sein soll, einfach weil die Werbespots schon länger nicht mehr laufen. Villa Riba und Villa kannte sie jedenfalls nicht. Trotzdem kann ich mich mit ihr über ganz viele andere Sachen unterhalten, weil wir denselben sprachlichen Grundstock haben. Beim Techno-Gebrabbel von Computerenthusiasten kommt auch kein Normalsterblicher mit, trotzdem können sie sich beim Bäcker Brötchen kaufen. Auch wenn Deutsch Weltsprache wäre, würde deine italienische Freundin den Witz nicht verstehen, wenn Mama Miraculi da nicht im Fernsehen lief. Es gibt natürlich auch Kulturgut, das deutlich enger an die Sprache gebunden ist, die meiste Poesie und unübersetzbare Wortspiele etwa, die würden tatsächlich mit der Sprache verlorengehen. Wenn die Aufgabe dieses Kulturguts die große Hürde ist, dann kann ich das zwar nicht wirklich nachvollziehen, aber doch als Argument akzeptieren. Mich würde allerdings eben interessieren, ob ihr so denkt. Du schreibst, dass es daran scheitern wird, aber nicht, ob du das gut oder schlecht findest.

Sudo,
ich meine kein konkretes Fingeralphabet, sondern das nur in Abgrenzung zur Gebärdensprache. Ein "Fingeralphabet" wie ich es meine, wäre wohl eher mit Stenografie vergleichbar als mit lautsprachlichem Buchstabieren. Das System sollte der Lautsprache natürlich in Sachen Geschwindigkeit und Klarheit mindestens ebenbürtig sein.

Es gäbe für die derzeitigen DGS-Sprecher, die auch die deutsche Schriftsprache beherrschen, wohl erstmal keine Vereinfachung, sie müssten ihre Sprache ja aufgeben und eine neue lernen, bzw. auf ein träges bestehendes Fingeralphabet zurückgreifen. Die Vereinfachung läge in der einfachen Übertragbarkeit der verschiedenen Sprachdarstellungen. Gehörlose hätten einen direkten Zugang zur Schriftsprache, Hörende einen direkten Zugang zur Gestensprache.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Fr, 16.1.09 9:03 
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Guten Morgen,

hmm, ich finde die Frage generell schwierig zu beantworten, weil es dabei zu viele Aspekte zu berücksichtigen gilt. Ich denke schon dass die Idee Vorteile hat. Aber in meinen Augen überwiegen tatsächlich die Nachteile. Das hat jetzt nichts mit fundiertem Argumentieren zu tun, sondern ist rein meine subjektive Meinung.
Ich persönlich fand schon die Einführung des Euro doof. Ist ja irgendwie ähnlich. Klar ist es jetzt einfacher im Ausland zu bezahlen. Man muss nicht Geld wechseln gehen, man weiß was etwas kostet...
Ich persönlich fand es aber gerade schön fremde Währung im Geldbeutel zu haben. Das sieht so ganz anders aus und fühlt sich so ganz anders an, und wenn man daheim ein paar Wochen später noch eine fremde Münze findet freut man sich weil sie an den Urlaub erinnert :) Vielleicht naiv - aber wie gesagt - meine persönliche Meinung.
Sprache ist noch viel viel mehr. Mich persönlich macht es unglaublich stolz wenn ich in einem fremden Land, vielleicht im Urlaub ein paar Brocken in der Landessprache gelernt hab und mich z. B. in einem Lokal ordentlich bedanken kann oder um die Rechnung bitten kann. Ich fühl mich dann irgendwie...reicher. Das würd ich nicht tun wenn´s selbstverständlich wär, dass der andere mich versteht.
Außerdem glaube ich in der Tat nicht, dass es so eine gute Idee ist Kultur zu lenken. Ich sehe uns auch nicht als Kultur-unterjocht. Ich denke Kultur muss wachsen, leben, sich entwickeln - und das völlig uneingeschränkt. In dem Moment in dem wir versuchen Kultur in irgendeiner Form zu lenken schränken wir sie aber ein. Um etwas zu lenken braucht es Regeln. Und Regeln beschränken. Und außerdem - wie stellst Du Dir das vor? Wem um Gottes Willen willst Du die Autorität darüber geben? Um Regeln zu erstellen und diese dann auch durchzusetzen - um etwas zu lenken - bedarf es irgendeiner Autorität, die darüber wacht. Wer soll diese Istanz sein? Wir leben nun mal nicht im Gummibärchen-Land wo wir uns alle lieb haben und jeder nur das Wohl des anderen im Sinn hat. Siehst Du was gerade in Palästina abgeht? Warum haben wir Kriege auf der Welt? Weil wir uns in viel banaleren Dingen schon nicht einig sind und um Vorherrschaft kämpfen - welche Ausmaße kann das annehmen wenn es um die eigene Kultur geht?
Ich möchte nun wirklich nicht zu weit gehen, aber ich glaube wir hatten in unserer Geschichte schon einmal jemanden, der Kultur lenken wollte - vielleicht nicht in Bezug auf Sprache, aber schon allein in Bezug auf Abstammung und Aussehen - das ist wohl mächtig in die Hose gegangen - Gott sei Dank!


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Fr, 16.1.09 18:15 
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Vielen Dank, SteffiB,
dein Beispiel mit dem Euro finde ich sehr gelungen. Es zeigt mir auch, dass ich weiter oben richtig vermutet habe, und du die Sprachenvielfalt magst. Natürlich bist du dann nicht besonders begeistert von einer Reduktion dieser Vielfalt. Ich schätze einfache Kommunikation mehr als Sprachvielfalt, aber da können wir uns wohl drauf einigen, dass wir uns nicht einig sind. Weitergehend müssen wir das meinetwegen nicht diskutieren, da das einfach zu weit führt und - wie du schon sagtest - schwierig objektiv zu fassen ist.

Bei der Kulturlenkung möchte ich aber einhaken. Natürlich wird die Kultur gelenkt. Dabei sitzt (hoffentlich) kein Einzelner am Steuer, sondern sie wird gelenkt durch die Gesamtheit der daran teilnehmenden Personen. Dabei lenken die einzelnen Teilnehmer bewusst und unbewusst in die verschiedensten Richtungen. Mehrheiten stellen plötzlich fest, dass sie Minderheiten geworden sind und ihre Ansichten sterben schließlich ganz aus. Ideen einer einzelnen Person finden ein Echo in der gesamten Bevölkerung und werden irgendwann allgemein akzeptiert.

Ich möchte niemandem vorschreiben, welche Sprache er zu sprechen hat. Ich möchte nur darüber sprechen, warum wir unsere Kultur in eine Richtung lenken bzw. in einer Position verharren, die mir absurd und unzweckmäßig erscheint, die mir unsympathisch ist. Keine Angst, die Zweisprachigkeit von Gehörlosen ist nicht das einzige ist, was mir seltsam vorkommt, aber "Designfehler" in der deutschen Sprache, aus den Ufern laufender Alkoholkonsum bei gleichzeitiger Ächtung leichterer Drogen, Militärfanatismus, Spießbürgertum im Allgemeinen usw. passen thematisch eben nicht wirklich hier rein. Dass ich es nicht verstehe, heißt auch nicht, dass es schlecht ist. Wenn ihr Argumente für die Zweisprachigkeit habt, bitte nur her damit. Ich freue mich, wenn ich meine Meinung aufgrund von besserer Faktenlage berichtigen kann.

SteffiBs Meinung meine ich jetzt verstanden zu haben, aber eine Meinung ist mir eigentlich zu wenig. Zumal diese eine noch von einer Hörenden ist, die zwar zumindest mehr von Gebärdensprache versteht als ich, aber wohl kaum so einfach die Perspektive einer Gehörlosen einnehmen kann. Und Meinungen von Gehörlosen interessieren mich natürlich im Besonderen, da Gebärdensprache ja doch immer noch "ihre" Sprache ist. Kaum ein Hörender lernt Gebärdensprache, ohne als Ziel zu haben, mit Gehörlosen kommunizieren zu können.

PS: Ich lese weitere Beiträge von dir natürlich trotzdem noch gern, SteffiB.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mo, 19.1.09 20:47 
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Was meinst du? Ist die Kommunikation zwischen zwei Personen, die sich mündlich unterhalten oder sich per Stift und Papier verständigen, diesselbe?

Wenn du meinst, nein, dann wird sich die Art der Kommunikation sich auch ändern, wenn man ein von dir vorgeschlagenes System verwenden würde. Du siehst, nicht nur die Sprache beeinflusst das Denken (Gesprächstoff), sondern auch, wie man sich kommuniziert.

Mit esperanto hat es nicht funktioniert. Warum?

Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wie dein vorgeschlagenes System aussehen soll. Wie Stenographie, ich glaube, da gibts für jede Buchstabe ein Zeichen. Oder du meinst 600 Gebärden, die jeweils für eine Reihenfolge von Buchstaben steht, merken? Nee. Vielleicht eine Gewohnheitssache? Keine Ahnung.

Ich schätze die Artenvielfalt sowieso sehr. Ich würde die Gebärdensprache und die deutsche Sprache vermissen. Dir ist es egal, ob die Witze dabei verloren gehen *mich wunder*
Egal, jedenfalls ist deine Idee zu utopisch, um diese umsetzen zu können. Niemand wird es schaffen. :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme der Gebärdensprache
BeitragVerfasst: Mi, 21.1.09 3:23 
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Registriert: Di, 13.1.09 13:47
Beiträge: 10
spargel hat geschrieben:
Was meinst du? Ist die Kommunikation zwischen zwei Personen, die sich mündlich unterhalten oder sich per Stift und Papier verständigen, diesselbe?

Wenn du meinst, nein, dann wird sich die Art der Kommunikation sich auch ändern, wenn man ein von dir vorgeschlagenes System verwenden würde. Du siehst, nicht nur die Sprache beeinflusst das Denken (Gesprächstoff), sondern auch, wie man sich kommuniziert.

Die Kommunikation kann durchaus eine etwas andere sein, ja. Die beiden Systeme sind eben nicht vollständig ineinander übertragbar und die Art des Mediums bringt natürlich immer auch eigene Beschränkungen mit sich. Trotzdem ist die Übertragung von der einen Darstellung in die andere vergleichsweise einfach und der Informationsverlust ist sehr gering. Ich übersetze zum Beispiel - wie wohl jeder Hörende - jeden deutschen Text gedanklich erstmal in deutsche Lautsprache.
Eine gestische Version der deutschen Sprache hätte mit Sicherheit auch ihre Eigenheiten oder würde sie mit der Zeit entwickeln. Trotzdem wäre die Übertragung viel viel einfacher als sie es jetzt in der völligen Zweisprachigkeit ist.

spargel hat geschrieben:
Mit esperanto hat es nicht funktioniert. Warum?

Esperantisten, die es ja immer noch gibt, werden dir da wahrscheinlich widersprechen; meinetwegen können wir es allerdings ruhig als gescheitert ansehen.
Ich bezweifle aber, dass Esperanto gescheitert ist, weil die Idee so schlecht war. Ob eine Sprache blüht oder vergeht hängt ja am wenigsten von ihrer Qualität ab. Die hässlichste Sprache mit der verworrensten Grammatik überlebt, wenn ihre Sprecher nur genügend Stolz und Traditionsbewusstsein aufweisen. Latein wird heute noch gelehrt, weil es so eine herrlich lange Tradition hat. Wenn das Volk, das zur Sprache gehört, dann noch gesellschaftlichen Einfluss hat, wird eine Sprache auch von anderen übernommen. Englisch ist ja nicht "Weltsprache", weil es so schön ist.

spargel hat geschrieben:
Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wie dein vorgeschlagenes System aussehen soll. Wie Stenographie, ich glaube, da gibts für jede Buchstabe ein Zeichen. Oder du meinst 600 Gebärden, die jeweils für eine Reihenfolge von Buchstaben steht, merken? Nee. Vielleicht eine Gewohnheitssache? Keine Ahnung.

Ich weiß nicht aus wievielen Gebärden die Gebärdensprache besteht, aber ich nehme sehr stark an, dass es mehr sind als 26 (plus Umlaute, ß und Satzzeichen). Ich weiß nicht, wie ein geeignetes System aussehen müsste, ob es schon eins gibt oder ob es vielleicht tatsächlich unmöglich ist, der deutschen Laut-/Schriftsprache eine gestische Präsentationsform zu spendieren, die praxistauglich ist. Aber ich denke, es wäre besser als die momentane Zweisprachigkeit. Und selbst wenn ein ausreichend gutes "Fingeralphabet" sich als Ding der Unmöglichkeit herausstellen sollte, bleibt immer noch die Möglichkeit offen, die Laut- und Schriftsprachen der Gebärdensprache anzupassen oder eine völlig neue Sprache zu entwickeln.

spargel hat geschrieben:
Ich schätze die Artenvielfalt sowieso sehr. Ich würde die Gebärdensprache und die deutsche Sprache vermissen. Dir ist es egal, ob die Witze dabei verloren gehen *mich wunder*

Mir ist es egal, ob Witze dabei verloren gehen, ja. Wortspiele sind sowieso relativ kurzlebig, weil sich die Sprache wandelt. Die Sprachwitze, die mit der einen Sprache verloren gehen, werden durch die ausgeglichen, die in der anderen neu entstehen, weil die neuen Sprecher die Sprache mitformen.

spargel hat geschrieben:
Egal, jedenfalls ist deine Idee zu utopisch, um diese umsetzen zu können.

Das kann schon sein. Aber das ist nun überhaupt kein ein Argument gegen die Idee.

spargel hat geschrieben:
Niemand wird es schaffen. :)

Ich denke nicht, dass irgendwer das "schaffen" soll. Das würde ja bedeuten, dass man es gegen Widerstand durchdrückt.


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