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BeitragVerfasst: Do, 17.7.08 10:40 
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Registriert: Do, 17.7.08 10:18
Beiträge: 11
Schönen guten Tag alle zusammen :)

so, ich hoffe ich befolge jetzt alle Regeln:

Ich heiße Steffi, bin 28 Jahre alt und wohne in München. Ich bin hörend und befasse mich erst seit kurzem ( knapp einem Jahr ) mit der Gebärdensprache.
Ich habe in München Dolmetscherin und Übersetzerin für Italienisch und Englisch studiert und schreibe jetzt meine BA-Arbeit. Hierfür habe ich mir das Thema Gebärdensprache ausgesucht, weil mich diese Sprache restlos begeistert. Ich bin, ehrlich gesagt eher durch Zufall auf die Gebärdensprache gestoßen, freue mich aber schon jede Woche auf meine neue Kursstunde :)
Leider kenne ich ( außer meiner Kursleiterin ) keine Gehörlosen und weiß auch nicht so recht wie ich da Abhilfe schaffen könnte- bisher kann ich die Sprache einfach nicht gut genug :oops:
Jetzt bräuchte ich allerdings doch ein paar "Insider" Informationen und deshalb hab ich mir gedacht, dass ich vielleicht hier Hilfe finde :D
Meine BA-Arbeit befasst sich mit dem Thema : Wortneuschöpfungen in der DGS und Dt. Lautsprache am Beispiel von überholten Gebärden.
Hierzu benötige ich jetzt erstmal überholte Gebärden.
Ich versuch´s zu erklären:
Ich DGS Kurs hab ich z. B. die Gebärde für " Dachau " oder " Mai " kennengelernt. Mir wurde gesagt, dass diese Gebärden nicht gerne verwendet werden, da sie entweder an Hitler oder sonstige "unangenehme" Sachen erinnern. Meine Kursleiterin versucht jetzt eine neue Gebärde für " Mail" einzuführen, die an das Aufstellen eines Maibaums erinnert.
Das ist das Prinzip. Und darüber möchte ich schreiben.
Ich entwerfe gerade auch einen Fragebogen hierzu - den ich gerne hier einstelle wenn es jemanden interessiert :roll:
Ich suche jetzt also Gebärden, die allegemein als eher " unbeliebt / Unbequem " gelten, da sie entweder total veraltet oder negativ besetzt sind, und die sich vielleicht sogar gerade im Wandel befinden -
Fällt jemanden dazu spontan etwas ein :o
Ich hoffe ich habe mich halbwegs verständlich ausgedrückt - falls nicht - bitte einfach nachfragen!! Ich schwöre auch hoch und heilig meine Arbeit hier reinzustellen !!!! ( Wenn sie denn jemals fertig wird )
Herzlichen Dank im Voraus für Eure Hilfe
liebe Grüße
Die Steffi


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BeitragVerfasst: Do, 17.7.08 21:53 
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Registriert: Mi, 17.12.03 16:09
Beiträge: 265
Wohnort: Berlin
Hallo Steffi,

ich hoffe, ich interpretiere die DGS richtig - samt der Herkunft alter Gebärden - :

Beispiel für eine ungeliebte-verschämte Gebärde / sehr alt: "TOILETTE". Ausführung wie das Kurbeln eines sehr alten Telefons.
Telefone im Restaurant waren früher immer irgendwie auf dem Flur, im Gang. Halt da, wo es nicht so störte. Und gaaaanz in der Nähe waren auch immer Toiletten.
Hmm, und weil das generationsbedingt nun mal für die Leute früher peinlich war, was von "Toilette" zu erzählen, haben sich die GL eine Alternativ-Gebärde ausgesucht, halt: "Telefon".
Tja, und da Telefone für GL nicht von so wahnsinnig grossem Nutzen sind, war der Kontext dann immer schnell klar.

-------------

Beispiele, die ich mit grosser Achtung und Dankbarkeit im Gedenken an meinen Lehrer Gunter Trube erwähne:

- "BEHINDERT". Aussführung alt: die dominate Hand stuft auf der gegenüberliegenden Armseite hoch, als würde sie abschneiden / amputieren. Gunter hat diese Gebärde gestört. In United Kingdom hatte er die BSL-Gebärde für "DISABLED" kennengelernt. Diese Gebärde wird mit dem "D" des BSL-Fingeralphabetes ausgeführt, dabei dann an den Fingern entlang geführt.
Gunter hat für die DGS nach einer analogen Gebärde gesucht. Entwickelt hat er darum: Hand links zeigt "B", Hand rechts zieht Strich von Zeigefinger links zum kleinen Finger links.
Diese neue Gebärde für "BEHINDERT" empfand Gunter als neutraler, darum auch Kommunikations-Barrieren einbeziehend.

- "STERBEN". Ausführung alt 1: Dominante Hand zieht am Hals einen Stich entlang, als würde mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten.
- "STERBEN", Ausführung alt 2: Dominante Hand klappt um - wie Buchdeckel zuklappen.

Gunter hat sich sehr für AIDS-Prävention eingesetzt. Gunter hatte viele Freunde, die HIV-infiziert waren und an AIDS gestorben sind. Bei vielen dieser Freunde hatte er den Krankheitsverlauf erlebt und seine Freunde gepflegt, bis zum Versterben begleitet. Gunter hat erlebt, wieviel Kraftaufwand das Leben mit AIDS bedeutet hat. Gunter hat erlebt, wie es ist, wenn ein AIDS-Kranker so nach und nach aus dem Leben scheidet - wie eine Kerze, die verlöscht. Wie eine Blume, die verwelkt. Wie eine Pflanze, die sich ins Erdreich zurückzieht.

Darum hat Gunter für so langsames Sterben eine neue Gebärde geprägt:
- "STERBEN", Ausführung neu: Dominante Hand zeigt Blüte / Pflanze, die sich schliesst - nach unten wegzieht.

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Gunter hat der deutschen Gebärdensprach-Gemeinschaft so unglaublich viele Gebärden gegeben. Aber mehr als diese zwei Beispiele fallen mir grad nicht ein.

lg von biene63


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BeitragVerfasst: Fr, 18.7.08 5:52 
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Registriert: Do, 17.7.08 10:18
Beiträge: 11
Guten Morgen!

Wow, das ist toll!!! Das ist genau das was ich suche!!! Super - vielen vielen lieben Dank!!!


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BeitragVerfasst: Mo, 21.7.08 19:06 
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Registriert: Do, 4.10.07 8:53
Beiträge: 168
Wohnort: Aachen
Früher wurde die Gebärde für "Frau" gebildet, indem man mit der Hand einen Busen bildete.
Jetzt ist die Gebrde für "Frau" folgende:
Daumen und Zeigefinger bilden einen Kreis, mit dem man sich ans Ohrläppchen fasst.


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BeitragVerfasst: Fr, 1.8.08 5:13 
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Registriert: Mi, 6.2.08 16:27
Beiträge: 55
Wohnort: Quakenbrück
Also die Toilette habe ich auch als "telefon" gelernt, ebenso wie das sterben mit dem hals durchschneiden.

Bei Frau aber lernte ich, mit der rechten hand entlang der körperseite zu fahren (als ob ich mir da die haare kämmen würde)
Beim mann ähnlich wie beim telefon, nur mit geschlossener hand (faust) am kopf und als ob ich einen schalter umlege kurz nach vorne drehen.

Schwul ist, wenn ich mir mit daumen und zeigefinger am ohrläppchen ziehe, als wenn ich da n ohring hätte.....

Mehr fällt mir am frühen morgen net ein :-?


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BeitragVerfasst: Fr, 1.8.08 7:46 
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Registriert: Do, 17.7.08 10:18
Beiträge: 11
Guten Morgen!

vielen Dank für Eure Hilfe! Ich habe mich jetzt für mein Thema entschieden :
Ich werde den Begriff " Sterben " näher unter die Lupe nehmen. Im Deutschen gibt es ja auch so viele andere Begriffe dafür ( Euphemismen ) wie : entschlafen, die Augen schließen, dahingehen und in der DGS - wie ich hier dankenswerterweise erfahren habe - ja die Gebärde " Buchdeckel/Sargdeckel" - Schließen und für " an AIDS sterben " die Gebärde wo sich die Hand nach unten schließt wie beim Verwelken einer Blume. Ich werde mich auf diesen Begriff beschränken, da meine BA- Arbeit nur 60-80 Seiten haben soll und ich ansonsten das Thema spreng :wink:
Mein Fragebogen wird heute auch noch fertig - ich bin technisch nicht sonderlich begabt :oops: - versuch ihn mal hier einzustellen - wenn´s klappt und jemand Lust hat ihn auszufüllen würd ich mich freuen - Meine Arbeit wird Ende des Jahres fertig sein - die stell ich dann natürlich selbstverständlich hier rein - ich glaub, das könnte ganz spannend werden 8)
Noch einmal lieben Dank für die Unterstützung - hat mich total gefreut!!!


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BeitragVerfasst: So, 17.8.08 12:47 
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Registriert: Mo, 7.7.03 1:33
Beiträge: 37
Wohnort: Zwickau
Hallo!
Suchst Du noch nach Begriffen/Gebärden? Mir fallen da noch ein paar alte Varianten der Gebärde für Jude/jüdisch ein: ganz früher wurde wohl mal eine Hakennase angedeutet, so ähnlich wie die Gebärde für "Hexe", später kamen dann die Schläfenlocken (so eine Kringelbewegung von der Schläfe abwärts, aber das ist mittlerweile auch nicht mehr ganz p.c. allerdings fällt mir grad beim besten Willen die aktuelle Gebärde nicht mehr ein :oops:


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BeitragVerfasst: So, 17.8.08 12:54 
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Registriert: Mi, 17.12.03 16:09
Beiträge: 265
Wohnort: Berlin
Hallo Cooky,

als aktuelle Gebärde für "jüdisch bzw Israel" kenne ich: Dominante Hand, kleiner Finger tippt Kinn links, dann tippt Kinn rechts.

Übrigens wurde ich informiert, dass eine frühere Gebärde für "Israel" nicht mehr verwendet werden solle, weil diese Gebärde in ASL "dirty" bedeute und darum für Juden diskriminierend wirken würde.
Diese Gebärde wurde ausgeführt: Unter dem Kinn genauso wie "VIEL", aber auf der Stelle bleibend, man zieht die Hand also nicht federnd weg.


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