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BeitragVerfasst: Sa, 5.3.05 10:41 
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Hallo Ihr :)

Ich habe mal eine Frage und hoffe diese kommt hier gut an, ansonsten vergessen wir das Thema einfach... :oops:
Ich kenne mich nämlich nicht so aus !!

Meine Frage wäre, sprechen und verstehen Schwerhörige oder Taube Menschen eigentlich anders als hörende...?
Ich meine, bilden sie die Sätze anders oder schreiben gar keine richtigen Sätze ?

Sicher können die meisten am besten Gebärden, aber wie ist es mit schreiben..? Lernen sie das richtig in der Schule..?

Ich hoffe meine Frage wird richtig verstanden, das Thema ist irgendwie schwierig... :(

Ich z.b. bin am besten im lesen, daher kommuniziere ich über den PC am liebsten. Aber meine Sätze sind ganz normal formuliert. Nun ist mir aufgefallen, das manche anders schreiben...?

So das wars erstmal, ich will niemanden zu nahe treten.. :)

Grüße Rebecca.


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BeitragVerfasst: Sa, 5.3.05 11:17 
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BeitragVerfasst: Mo, 7.3.05 13:41 
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Hmmmmmmmmmm :-?


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BeitragVerfasst: Di, 8.3.05 11:23 
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servus, rebecca, jez nehm ich mir auch bisschen zeit zu schreiben. nun, ich bin gehörlos ;)
Es ist wahr, "überdurchschnittlich viele" Gehörlose haben Schwierigkeiten mit der Schriftsprache. Eine simple Erklärung ist, dass die Gehörlosen ja viel weniger mitbekommen, was rundherum passiert. Hörende haben ständig Radio, Blablablas - auch unbeteiligt - Informationen beim hören, ob sie wollen oder nicht. Gl dagegen wollen, bekommen es meistens nicht/wenig.
Wenn allerdings die Gebärdensprache für Gehörlosen anerkannt wär', in der Bildung die Gebärdensprache selbstverständlich, würde man kommunizieren soviel man will und zugleich schreiben lernen. Ich gehe davon aus, wenn Gebärdensprache system hat wird man sich auch leichter tun Schriftsprache zu beherrschen. Denn Die Französen reden auch anders als sie schreiben, oder die Chienesen die reden haben dafür bestimmte Zeichen.
Wenn die Gehörlosen in der Schule und Familie "barrierefrei" leben können, würden sie auch wissendurstig sein und in die weite welt soviel lesen wie sie wollen.
Aber es ist nun mal so, dass die Gehörlosen schwerbehinderten sind, schwerkranke, körperbehindert anscheinend im höchsten Maße, ..dass sie ständig zu Augen bekommen wie defizitär sie leben und werden auch dazu noch bemitleidet. (tschuldige, Leute, es ist ironisch gemeint) In den Schulen spricht man ihre Qualitäten ab, da geben sie auf und wollen nicht weiter bilden, weil sie eh ohnehin keine chance haben. Da bleibt nur eins übrig: sie sind nur dort glücklich mit der Gebärdensprache untereinander bei Vereine, Sport usw.
Die Schriftsprachübung selbst im unbewussten bleibt auf Strecke.

@jasmin, schau doch wie wunderbar TS funktioniert. Patrickcooly als ADMINISTRATOR kommt in Unterforderung, und muss neurotisch hin- und her schieben, um sich mit einer Beschäftigung zu befriedigen :-)))

deafmax

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BeitragVerfasst: Di, 8.3.05 21:46 
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Es handelt sich um die Beherrschung der deutschen Sprache. Eine Lautsprache, wie die deutsche, muss ueber das Ohr im fruehen Kindesalter durch Abhoeren und Umgang mit Sprechern der Sprache erworben werden. Das ist was einem Taubgeborenen oder Fruehertaubten nicht moeglich ist, auch mit Hoerhilfen. Ihnen muss die Lautsprache paedagogisch beigebracht werden. Bis jetzt hat die Paedagogik noch keine Methode entwickeln koennen, die allen die Lautsprache wenigstens in der Schriftform einwandfrei beibringt. Nur die wenigen davon konnte sie so gut erlernen. Die Erfolgsrate einer Sprachunterrichtsmethode ist unterschiedlich und sogar nicht voraussehbar.

So hat man sich jetzt zu der Einsicht gerungen, dass eine Lautsprache fuer einen Taubgeborenen oder Fruehertaubten besser als Zweitsprache nach Gebaerdensprache beigebracht werden soll, in der Hoffnung, dass taube und schwerhoerige Kinder Deutsch mehr als bisher und besser beherrschen koennen.

Hartmut


Zuletzt geändert von Hartmut am Fr, 11.3.05 17:10, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Do, 10.3.05 1:02 
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Hallöchen!

Mir hatte mal eine Sprachwissenschaftlerin erzählt, dass die Sprachkompetenz in der Muttersprache mit 2-3 Jahren größtenteils abgeschlossen ist. Ein dreijähriges Kind macht zwar noch viele Fehler und hat nur einen sehr kleinen Wortschatz aber das Grundgerüst ist schon vollständig vorhanden. Ich nehme mal an, dass die Definition der Spätertaubung (ich hatte irgendwas von 3-5 Jahren gelesen) damit zusammenhängt. Das heißt also, dass Spätertaubte das Grundgerüst der Sprache schon haben und deshalb auch einfacher die Schriftsprache lernen können als Taubgeborene.
Das sind zwar jetzt größtenteils nur Vermutungen von mir, deckt sich aber ganz gut mit dem was Hartmut geschrieben hat.

Ich denke das ist auch ein ziemliches kompliziertes Gebiet und niemand hat bis heute so richtig verstanden wie unser Gehirn da eigentlich funktioniert.

LG Brian


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BeitragVerfasst: Do, 10.3.05 9:18 
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@Brein, diese Ansicht vertrete ich nicht so ganz.
Vergleichen wir mal zwei Fälle.
Ein Taubgeborene (bei hörende Eltern). Sie lächeln, spielen und sprechen (obwohl das kind das nicht immer versteht). Wegen letzerem entsteht leicht Frust. Und damit sträubt das Kind zunehmend wenn es sprechen/lippenlesen lernen muss, ausserdem ist es anstrengend, weswegen das Kind sich leicht ablenken lassen kann. Es ist schwieriger wenn das Kind etwas sieht und diese durch sprechen/lippenlesen lernt, WAS es ist.
Was ist die Folge? Mühsames Aufbau der Wortschatz die nicht immer zur Erfolg führt.

Ein Taubgeborenes mit dem man von Anfang an visuell kommuniziert, das heisst in Gebärdensprache, bekommt langsam eine Grundgerüst der Dialog, das Kommunizieren. Basierend auf diese Erfahrung kann der Taubgeborene, geschriebenes viel leichter lernen wenn er weiss um was es da geht, die auch beim Kommunizieren mit seiner Eltern vorkam. So ist auch die Begriffe vorhanden und damit leichter die Schriftsprachkompetenz zu erlernen.

Ich habe eine sehr gute Freundin und ebensotolle Schwester, die hat gl eltern und sind heute selbst mir haushoch beim Schriftsprache überlegen :oops:
Und eine Erfahrung hat mich BESONDERS geärgert: Ich habe eine Bekannte, die gl ist und eine gleichaltrige gl Tochter wie die meine hat. Ich habe knapp vor der Schule beobachtet dass diese gl Kind genau auf der gleichen Kindesniveau im Kommunizieren wie meine Tochter war. Und nach nur EINEM Jahr war schon zu merken, dass eine Rückstand zu meiner Tochter existiert
:cry:
:evil: Blöde Schule! :evil:

deafmax

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BeitragVerfasst: Do, 10.3.05 22:33 
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@deafmax
Ich sehe keinen Widerspruch zwischen deiner und meiner Aussage. Ich habe erklärt, warum Kinder die nach dem 3 Lebensjahr ertauben noch relativ einfach die Schriftsprache erlernen können. Bei den taubgeborenen ist es halt viel komplizierter. Das heißt aber nicht, dass sie es nicht genauso schaffen können.
Auf welche Art und Weise man taubgeborenen die Schriftsprache beibringen sollte kann ich nicht beurteilen, da ich davon zu wenig Ahnung habe. Aber welche Fehler dabei gemacht werden können, hast du ja schon ganz gut beschrieben.

Zitat:
Ich habe eine Bekannte, die gl ist und eine gleichaltrige gl Tochter wie die meine hat. Ich habe knapp vor der Schule beobachtet dass diese gl Kind genau auf der gleichen Kindesniveau im Kommunizieren wie meine Tochter war. Und nach nur EINEM Jahr war schon zu merken, dass eine Rückstand zu meiner Tochter existiert.

Das Beispiel habe ich nicht ganz verstanden. Beide Kinder sind taubgeboren und haben gl Eltern? Aber sie besuchen unterschiedliche Schulen? Wenn ich das soweit richtig verstanden habe, wo liegt genau der Unterschied in den Schulen. Gibt es einen grundsätzllichen Unterschied in der Lermethode oder sind die Lehrer in der einen Schule besser?

Hmm, erst nennst du mich "Brain" (engl. für Gehirn) und jetzt sogar schon "Brein". :o
Als nächstes kommt dann vielleicht noch "Brei". :lol:
Absicht oder Tippfehler? :roll:

LG Brian


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BeitragVerfasst: Fr, 11.3.05 8:37 
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hi, BRAIN,
ich dachte es zählt inhalt.
ok tschuldige war tippfehler. wenn ich absicht mache dann ist es oft ein bekanntes wort und ironisch. brein gibts ja nicht. egal.
es ist zwar kein widerspruch aber eben ein unterschied: mit 3 jahren ertaubt zu sein kann man die schriftsprache leichert als taubgeborene. Vielleicht in der hinsicht des hörstatus, aber nicht in der Kommunikation und Wissenserwerb. Du siehst es vielleicht tolerant aber wenn man ein taubgeborenes kind hat ist man ARM weil man ein schwerbehindertes kind hat, da es nicht hören kann und eben nicht wie ein dann mit 3 jahre ertaubtes kind zu einer deutssprachkompetenz kommen kann. Und das nur weil man nicht weiss oder will, dass man auch mit der gebärdensprache was anfangen kann. DAS ist der unterschied.

ok ich korrigiere meine letzte Schilderung, verzeihung die defizitäre Informationsgehalt:
Ich bin gehörlos, habe eine hörende tochter. Und es gibt ein bekannte, die ist auch gehörlos und hat eine gehörlose tochter. diese gehörlose tochter ist gleich alt wie die meine hörende tochter. meine hörende tochter und die gehörlose tochter meiner bekannten waren bis zum 6. lebensjahr in gleicher Entwicklung, was der Kommunikation und Wissen betrifft. Aber nach einem Jahr Schule in der 1. Klasse, habe ich den unterschied gemerkt. Dabei geht meine hörende tochter auf die hörende schule in meinem dorf, die gehörlose tochter meiner bekannten ist auf eine Gehörlosenschule.
Also gehörlosenschule sind "Sonderschulen", frei übersetzt "eine Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene" nur weil man (einseitig, stur und unnachgiebig) denkt, dass wenn man nicht hören kann, "niemals" auf eine niveau eines hörende gleichaltrigen kommen kann. und weil man gehörlosen hörgerichtet unterrichtet/bildet. Wie helle die Pädagogen sind!

Ironisch aber der Wahrheit entsprechend gesprochen...

deafmax

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BeitragVerfasst: Fr, 11.3.05 18:49 
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@deafmax
Das gl Kind von deiner Bekannte langweilt sich sicher in der Schule und lernt nicht viel Neues. Das liegt nicht nur an Pädagogen. Es ist auch abhängig, wie es mit dem Grundwissen anderer Kinder aussieht. Der Pädagoge muss entsprechend dem Klassendurchschnitt unterrichten. Auch wenn er noch gut gebärden kann, trotzdem gibt es in der Klasse noch viel zu lernen, was man eigentlich schon vor der Einschulung wissen soll. Man soll auch bedenken, dass die meisten von den gl Kindern erst mal die Gebärdensprache lernen sollen.
Für die Erlernung der Schriftsprache erfordert viel mehr Zeit als bei Normalhörenden.

Natürlich bin ich auch der Meinung, dass die Gl-Lehrer unbedingt gs-kompetent sein sollen.

Spargel


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BeitragVerfasst: Fr, 11.3.05 18:57 
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@daefmix

Zitat:
hi, BRAIN,
ich dachte es zählt inhalt.
ok tschuldige war tippfehler. wenn ich absicht mache dann ist es oft ein bekanntes wort und ironisch. brein gibts ja nicht. egal.


irgendwie schaffst du wohl nicht, BRIAN richtig zu schreiben???? :roll: :-)))

erinnerst dich an den vortrag vor 1 woche? gl-schulen haben also einen "sonderschul-lehrplan". und der weicht völlig vom normalen lehrplan ab. darum ist der unterricht in gl-schulen auch viel "anspruchsloser". das ist grosser mist. wenn man den kindern eine reale chance geben will, dann muss man ihnen das selbe wissen vermitteln wie allen anderen kindern. viele gl kinder sind total unterfordert in den gl-schulen. kein wunder, dass immer mehr eltern lieber ihre kinder zur integration schicken. auch in integrations-klassen ist der lehrstoff jedenfalls höher angesetzt. leider :evil:
denn so gut der lehrstoff selbst ist, aus meiner sicht ist es für die gl kinder selbst am besten, "unter sich" zu sein in der schule. also gl/sh klassenkameraden zu haben, sich in gebärdensprache zu unterhalten usw. meine meinung ist und bleibt, in einer integrationsklasse ist ein einziges gehörloses oder schwerhöriges kind immer noch aussenseiter. sobald pause ist, merkt man das sicher.... :cry:
wie soll es das genauso wichtige selbstvertrauen, soziale integration u. kommunikation lernen, wenn es das einzige kind mit hörbehinderung ist?

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Die grössten Wunder gehen in der grössten Stille vor sich. (Wilhelm Raabe)


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BeitragVerfasst: Fr, 11.3.05 21:34 
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@Deafmax,
Brian hat doch geschrieben, dass es Unterschiede zwischen Taubgeborenen/Fruehertaubten und nach dem 3. Lebensjahr Ertaubten, gleich in deinem Sinne von Erwerb der "Schriftsprache", sprich "Deutsch".

Gerade Schade um das taube Kind von deinem tauben Bekannten. Die Schule dieses tauben Kindes sollte eigentlich sich umruesten. Man muss darauf unnachgiebig auf bilingualer Methode bestehen. Du fuerchtest mit Recht, dass es moeglicherweise nicht wie die dir bekannten taube Persoenlichkeiten, die taube Eltern haben (wie patrickcooly und OGLB Praesident!), werden kann. Diese und viele andere haben trotz der schlechten schulischen Situation eine (sehr) gute oder beinahe gute Kompetenz in Deutsch erlangt. Wichtig ist auch, dass man viel Zeit im Gebrauch der deutschen Sprache nimmt (z.B. oefters mit Hoerenden hin- und herschreiben), um viel Uebung zu bekommen.

@Brian,
das Problem mit dem Sprachunterricht in Schulen fuer taube Kinder kommt vielmehr, dass man immer versuchte, Deutsch als Erstsprache beizubringen, waehrend das taube Kind noch im Stadium des Erwerbs einer Erstsprache ist. Man kann nicht visuell (durchs Absehen oder per Schrift oder beides) Deutsch natuerlich als Erst(Mutter)sprache erwerben. Nur sehr wenge schaffen das durch grosse paedagogische Bemuehungen und auch mit wenigen, wie bei mir. Durchs unvollkommene Hoeren, wie die Schwerhoerigen, bekommt man die Lautsprache nur unvollkommen und oft ungrammatisch.

Hartmut


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BeitragVerfasst: Fr, 11.3.05 22:01 
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beety, danke, ich fühle mich geehrt wenn ich tippfehler mache. Da steh ich die gehörlosen bei "tippfehlerkultur" näher. :vamp: ":roll:"
trotzdem danke für den hinweis, madam...

@hartmut, danke verbindlichst, ich WEISS was man mit dem unterschied zwischen taubgeborene und paarjahrenspätertaubte meinen will. Aber man kann daraus verstehen: "Achja, da fängt der Rückstand an!" Ich will damit sagen, daß die Entwicklung ungleich sein könnte aber wenn sie ins Alter kommen wo sie die Sprache intensiv lernen, kanns auch so gehen, dass es KEIN Unterschied ab dem zeitpunkt geben könnte, wenn sie richtig erzogen/gebildet sind. Wenn einer nochmals etwas kommentiert, was ich nicht verstanden haben soll, dann bemerke ich jetzt schon nur, dass ich nicht nochmal drauf eingehen werden will.

Übrigens die Schule (BIG) kann man mit der Führungskraft VERGESSEN.

daemfax

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BeitragVerfasst: Fr, 11.3.05 23:42 
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@deafmax

Zitat:
ich dachte es zählt inhalt.

Richtig. Der Inhalt ist das wichtigste. Ich war mir bloß nicht sicher, ob du dir vielleicht einen Scherz erlaubst. Dann hätte ich nämlich gerne mitgelacht. :-))) Von mir aus nenne mich Brain, Brein, Brei oder Brie. Solange es noch mit "B" anfängt werde ich antworten. :lol:

@Alle
Ich denke mal Rebecca's Frage ist hinreichend beantwortet.
Ich fasse mal zusammen:
1. Hauptsächlich Frühertaubte sind betroffen.
2. Falsche Erziehung/Lernmethoden sind der Hauptgrund.

Sind soweit alle einverstanden?

Ich stelle mal noch als These in den Raum, dass auch bei optimaler Erziehung/Lernmethode es frühertaubte Kinder grundsätzlich schwieriger haben. Bevor es da Mißverständnisse gibt, will ich es nochmal deutlicher sagen. Ich denke frühertaubte können durchaus mit hörenden oder spätertaubten mithalten, aber das kostet sie sehr vielmehr Anstrengung.

LG Brian


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BeitragVerfasst: So, 13.3.05 11:45 
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Hartmut hat geschrieben:
Gerade Schade um das taube Kind von deinem tauben Bekannten. Die Schule dieses tauben Kindes sollte eigentlich sich umruesten. Man muss darauf unnachgiebig auf bilingualer Methode bestehen.
Diese und viele andere haben trotz der schlechten schulischen Situation eine (sehr) gute oder beinahe gute Kompetenz in Deutsch erlangt. Wichtig ist auch, dass man viel Zeit im Gebrauch der deutschen Sprache nimmt (z.B. oefters mit Hoerenden hin- und herschreiben), um viel Uebung zu bekommen.

...das Problem mit dem Sprachunterricht in Schulen fuer taube Kinder kommt vielmehr, dass man immer versuchte, Deutsch als Erstsprache beizubringen, waehrend das taube Kind noch im Stadium des Erwerbs einer Erstsprache ist. Man kann nicht visuell (durchs Absehen oder per Schrift oder beides) Deutsch natuerlich als Erst(Mutter)sprache erwerben. Nur sehr wenge schaffen das durch grosse paedagogische Bemuehungen und auch mit wenigen, wie bei mir. Durchs unvollkommene Hoeren, wie die Schwerhoerigen, bekommt man die Lautsprache nur unvollkommen und oft ungrammatisch.


Jedes Kind muß eine deutsche Sprache lernen, dabei kommt es oft zu enormen Unterschiede zw. GL und H. Kindern.
Allerdings gibt es auch Unterschiede zw. Schwerhörigen- und Gehörlosenschule, daß in den GL-Schulen die Kinder bereits mit GS, während die SH meist mit der Lautsprache kommunizieren. Aber im Unterricht war die Gbärdensprache in allen Fächern nicht zugelassen.
Aber ich denke, daß für alle, die hier geboren sind, Deutsch immer die Muttersprache ist. Meiner Meinung nach können die GL auch deutsch lernen, wenn sie sich richtig anstrengen.
Was ich dabei allerdings nicht verstehen kann, ist, daß die GS für GL die Muttersprache (das kam von den verschiedenen Quellen) sein soll!?


Zuletzt geändert von MDrummer am Sa, 23.7.05 18:45, insgesamt 1-mal geändert.

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@MDrummer
Nun, die Muttersprache ist halt die erste Sprache die ein Kind lernt. Und wenn es zuerst GS lernt, dann ist dies seine Muttersprache und die deutsche Schriftsprache dann sozusagen die erste Fremdsprache. Das ist dann also so, als wenn ein hörendes Kind deutsch sprechen lernt und dann in der Schule die englische statt die deutsche Schriftsprache lernt. Klingt erstmal umständlich und komplizierter, kann aber sehr viel bessere Ergebnisse erzielen, als wenn ein gehörloses Kind erst Sprechen lernen soll.
Warum? Weil es einfach verdammt schwer ist eine Lautsprache zu lernen die man nicht hören kann. Wie Hartmut schon geschrieben hat, kann das Kind ja nicht durch Lippenablesen lernen, wie ein Wort gesprochen werden soll und die Kontrolle über das eigene gesprochene Wort fehlt auch. Ich finde es erstaunlich, dass es überhaupt möglich ist.

Mal eine Fage an alle: Ich habe irgendwo gelesen, daß eine Gebärden-Schriftsprache entwickelt werden soll oder schon ist. Scheint mir sehr sinnvoll, dass GL-Kinder diese dann im Anschluß an die GS lernen anstatt gleich die deutsche Schriftsprache zu lernen. Gibt es sowas oder erzähl ich hier Unsinn? :roll:

LG Brian


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BeitragVerfasst: Mo, 14.3.05 7:47 
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Hi, MDrummer,
wenn du stocktaub geboren bist, bist du bei einer visuell orientierte Frühförderung bzw. Erziehung am besten aufgeboben, weil du dadurch die Kommunikationsfähigkeit "trainierst". Damit hast du dann eine Grundlage fürs spätere Sprachelernen, ich meine damit z.B. die Schriftsprache bzw. Deutsche sprache.
Beispiel bei mir: "Meine" Muttersprache ist die Lautsprache gewesen, allerdings mit einer starken Bindung visueller Kommunikation durchs sehen. Das waren Fotos, Geschehen, Zeichnungen usw. Meine Mutter war hausfrau und hatte deswegen Zeit gehabt mich darin zu fördern.
Heute kann ich nicht sagen dass die Lautsprache mein Muttersprache ist. Für mich ist ein dialogfähiges Kommunizieren eine Sprache, damit meine ich wenn ich was ausdrücke und verstanden werde UND wenn andere was ausdrücken und ich auch verstehe, dann ist es die richtige Sprache für mich. Bei mir ist das die Gebärdensprache, aber Muttersprache ist diese für mich nicht ganz.

Hi, Brian,

Ich habe einmal ein Beitrag in "Sehen statt Hören" über Gebärdenschrift in der Schule gesehen, da war auch die Reaktionen von Kindern recht positiv. Ich kann mich allerdings vorstellen, dass bei der Gebärdenschrift eine Grammatik existiert, die auch für die Schriftsprache hilfreich sein kann. Jedoch bin ich skeptisch ob mit dieser Variante Erfolg wirklich aufgeht, denn mit diese Gebärdenschrift könnte die Kinder/Schüler überfordert werden. Aber diese ist auf jeden fall hilfreicher als die hörgerichtete Erziehung bei Gehörlosen :roll:
zur Info http://www.gebaerdenschrift.de/

cudeafmax

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BeitragVerfasst: Mo, 14.3.05 20:16 
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Brian hat geschrieben:
@MDrummer
Nun, die Muttersprache ist halt die erste Sprache die ein Kind lernt. Und wenn es zuerst GS lernt, dann ist dies seine Muttersprache und die deutsche Schriftsprache dann sozusagen die erste Fremdsprache. Das ist dann also so, als wenn ein hörendes Kind deutsch sprechen lernt und dann in der Schule die englische statt die deutsche Schriftsprache lernt. Klingt erstmal umständlich und komplizierter, kann aber sehr viel bessere Ergebnisse erzielen, als wenn ein gehörloses Kind erst Sprechen lernen soll.
Warum? Weil es einfach verdammt schwer ist eine Lautsprache zu lernen die man nicht hören kann. Wie Hartmut schon geschrieben hat, kann das Kind ja nicht durch Lippenablesen lernen, wie ein Wort gesprochen werden soll und die Kontrolle über das eigene gesprochene Wort fehlt auch. Ich finde es erstaunlich, dass es überhaupt möglich ist.


Tja, was soll ich denn sagen...

Ich habe das als kleines Kind mal so die Sprache gelernt und zwar mühsam, weil meine Hörschädigung ziemlich spät erkannt wurde. Man muß dabei bedenken, daß in den 70er-Jahren nicht alles möglich war, mit allem zu rechnen. Vor allem erlernt man das sprechen durch die Gefühle z.B.: Eine Mutter spricht vor und das Kind muß mit der Hand die Schwingungen am Hals der Mutter fühlen, danach muß es nachsprechen, und zwar so oft, bis der richtige Laut raus ist. Selbst bei mir mußte meine Mutter zeigen, wie man richtig spricht. Aber: Ich "muß" in die Gehörlosenschule wegen angrenzender Taubheit? Von meiner Mutter wurde das abgelehnt und meinte, daß die Schwerhörigenschule für mich besser sei.* Alles in allem habe ich mich daran gewöhnt, trotzdem kommt nicht jedes Laut trotz Hörgeräte an. In meiner Schwerhörigenschule in NT wurde nie die Gebärdensprache angewandt (weder im Unterricht noch in der Pause - auch in der Freizeit gab es keine Ausnahme). Vor allem ist meine Stimme "melodisch" - so hat meine Mutter mir gesagt.
Bei vielen GL ist die Stimme also -es soll nicht böse gemeint sein- "Monoton" - also eintönig.

*Der Grund waren die sprachliche Fähigkeiten der Schüler in den Gehörlosenschulen.
Auch heute noch lehnt meine Mutter den Unterricht in der Gebärdensprache ab, weil ihrer Meinung nach die Kinder sonst nicht sprechen lernen könnten, selbst auch das Mundablesen.

Dabei bin ich der Meinung, daß die GL und SH mit den Hörenden gleich viel und gleich schnell lernen sollen und daher bietet die GS ein Grundbaustein einer Unterrichtssprache, für die SH und GL. Aber der Knackpunkt ist das erlernen von deutschen Sprache: Die GS sollte im Deutsch-Unterricht tabu bleiben.

Es gab einmal Berichte über die Schule für die Hörende, daß sie wenn sie englisch lernen sollen, bei der Fragestellung nicht erst in (gedanklich) deutsch und dann in Englisch übersetzen sollen, sondern die auf englisch gestellte Frage sofort auf englisch antworten (Ohne Übersetzung auf Deutsch).


Zuletzt geändert von MDrummer am Sa, 23.7.05 18:45, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Di, 15.3.05 23:31 
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@deafmax
Ich habe mir gerade mal ein paar Beispiele in Gebärdenschrift angeschaut und bin ziemlich irritiert. Das ich das auf Anhieb nicht verstehe ist logisch, aber das sind ja zum Teil richtige Bilder die man da malen muß. Ich könnte mir noch vorstellen das es leicht zu lesen ist, aber um mal schnell einen Satz aufzuschreiben? :roll:
Finde ich wirklich schade, aber vielleicht kann ich das nicht richtig beurteilen. Die Schriftsprache bei den Chinesen sieht ja auch erstmal kompliziert aus und trotzdem funktioniert es ganz gut.

@MDrummer
Zitat:
Die GS sollte im Deutsch-Unterricht tabu bleiben.

Hmm, also die ersten beiden Jahre haben wir im Englisch-Unterricht auch noch Deutsch gesprochen. Am Anfang muß ja erstmal ein Grundstock an Vokabeln beigebracht werden.


@Jasmin
Zitat:
Im Fach "Englisch" denke ich sowieso "auf Englisch", soll heißen, ich übersetze nicht alles zuerst in's Deutsche.

Dazu muß man eine Sprache aber schon sehr gut beherschen. Auf Englisch zu denken ist mir erst nach ein paar Jahren gelungen. :oops:

LG Brian


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