Taubenschlag-Foren

Dies ist das Forum vom Taubenschlag
Aktuelle Zeit: Mi, 18.7.18 19:27

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Forum gesperrt Dieses Thema ist gesperrt. Du kannst keine Beiträge editieren oder weitere Antworten erstellen.  [ 23 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Ansichtswelten
BeitragVerfasst: Mo, 21.10.02 19:28 
Offline

Registriert: Fr, 15.2.02 1:00
Beiträge: 429
in einem früheren thread wurde mal über "gedankenwelten" diskutiert. später in einem ähnlichen, ich nannte es "die andere welt drüben". letzteres ist nun futsch, dank herrn daumeier.
tja, ärgern können wir uns zu sylvester drüber, beim letzten anstoß vorm jahreswechsel und hoffen, daß uns 2003 ähnliches erspart bleibt.

ich möchte mit diesem thema nicht alles widerkäuen, das bisher schon gesagt wurde. nur zu weiteren gedanken und meinungen zu zwei konträren ansichten aus beiden welten anregen.
seit geburt gehörlose betrachten es als völlig normal, taub zu sein. sie wünschen sich sogar nichts anderes und würden, falls die reinkarnation kein fantasiegebilde wäre, wieder taub auf die welt kommen wollen.

ein normalhörender würde jetzt sagen: verrückt...
er könnte es nicht verstehen, warum man unbedingt auf einen der fünf sinne verzichten will. es sogar als ein geschenk empfindet. im lauf der diskussionen hab ich allerdings gelernt, die andere gedankenwelt zu verstehen. ob ich auch verständnis dafür empfinde? ich weiß es nicht...

ich weiß nur eines: taubheit ist kein geschenk. es ist ein verstümmelung der natur an sich selbst. menschen und tiere kommen von der natur, werden von ihr gemacht. pflanzen können zwar nicht hören und bestimmte tierarten auch nicht, die brauchens aber nicht. genau so wenig wie ein maulwurf, der keine augen hat.

aber mit taubheit kann der mensch leben. tiere kaum, sie müssen trostlos dahinvegetieren. für wildtiere, die todfeinde haben ist taubheit sogar lebensgefährlich.

soviel möcht ich an dieser stelle noch dazu sagen, wenn es darum geht, taubheit als ein geschenk zu betrachten...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo, 21.10.02 19:32 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mo, 27.5.02 1:38
Beiträge: 2046
Wohnort: born to be root
Aloha Halfmoon,

zufrieden mit dem neuen Forum ? :wink:

übrigens, mir fällt da unter den Tieren, die nicht hören können, sogar interessantes ein: Dalmatiner werden angeblich wegen ihres weissen Fells öfter taub als andere dunkelfarbige Hunderassen. Ist das nun die Laune der Natur? :)

File Griese,
Luke


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo, 21.10.02 20:01 
Offline

Registriert: Fr, 12.4.02 1:00
Beiträge: 1623
Wohnort: Össi
:wavey: halfmoon
"Taubheit ist ein Verstümmelung der Natur an sich selbst"
Bitteschön. Deine Taubheit ist ein Verstümmelung der Natur, lebe fröhlich mit deinem Weisheit. Noch besser wäre "Ich bin von der Natur verstümmelt, also bin ich!" :crazyeyes: Jedem das Seine. :fart:

Utopie... aber durchaus möglich.
Derzeit gibt es Prozessoren von 3Ghz. Menschen versuchen künstliche Intelligenz zu schaffen. Wenn die Laune der Natur es zulässt wird es irgendwann künstliche Intelligenz geben die weitaus länger Leben, gar nicht krankheitsanfällig sind, viel schneller Denken usw. als die Menschen. Da werden Menschen immer weniger. Und irgendwann sind die Menschen nur so groß wie die Minderheit der Gehörlosen jetzt in dieser Welt.
"Mensch sein ist eine Fehlprodukt der Natur"
Das ist VÖLLIGER Utopie heutzutage, okay, aber nehmt mal an, der Mensch selbst muss denken "ich bin ein Fehlprodukt der Natur"... Nette Sache.

Ich sag nur, ich enthalte mir die Meinung zu sagen, daß Taubheit eine Defizit ist, weil ich wunderbar lebe. Ich höre zwar nicht, aber ich bin im Leben immer weitergekommen. Ich denke, wär ich hörend, wäre es anders. Nicht besser und nicht leichter! :ylsuper:


so wahr ich deafmax heisse. :farmerjohn:


Zuletzt geändert von deafmax am Mo, 21.10.02 20:31, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo, 21.10.02 20:09 
Offline

Registriert: Do, 12.7.01 1:00
Beiträge: 134
Ich bin nicht unbedingt der Meinung, dass Gehörlosigkeit erstrebenswert ist. Wenn sie da ist, ist sie eben da, wenn ich als Spätertaubte wählen dürfte wäre es keine Frage, ich würde mich zurückwünschen. Ich kann aber auch verstehen, dass man vom Hören verschont sein möchte. Schaut Euch doch an, was täglich für ein Streß entsteht nur diese Sch .. Handy Nutzung, was man sich für einen Mist anhören muß.
Es ist eine echte Bereicherung, wenn man die andere Seite, die stille Welt kennenlernen darf, wenn man Gebärden erlernen kann. Ich finde, dass es eine völlig neue Entwicklung der Person ist. Früher wäre mein wichtigster Wunsch ein intaktes Gehör gewesen, jetzt ist es nicht mehr so unbedingt wichtig für mich.
"Verstümmelung der Natur" empfinde ich richtig beleidigend, sorry, so muß man es auch wieder nicht sagen, oder ?


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Di, 22.10.02 7:09 
Offline

Registriert: Fr, 15.2.02 1:00
Beiträge: 429
@scorpio:
du magst recht haben. das wort "verstümmelung" kann durchaus beleidigend klingen, auch wenns zutrifft. ich hab mich mit meiner "verstümmelung" abgefunden. das kann man und soll man auch. keinen cent drauf geben, damit leben. sollte sich jemand durch dieses wort beleidigt fühlen, dann ein ergebenstes sorry. es soll nicht so aussehen, als ob ich spotten wolle. sonst würd ich mich ja selbst dem spott preisgeben.

was ich eigentlich damit ausdrücken wollte:
man ist von der natur so "zugerichtet" worden. mit taubheit kann man aber leben. man muß nur vieles ausgleichen, sich anpassen in einer welt, die taubheit feindlich gegenüber steht. ich würde mir für gehörlose von herzen wünschen, daß es für sie eine welt gäbe, in der taubheit normal ist. wo man nicht zu hören braucht, wo´s nicht notwendig ist, wo man überall verstanden wird. eine art "insel der seeligen". gallaudet ist so eine, scheints mir. ich kann jeden gl verstehen, der hin will und dort auch leben möchte. es ist eine eigene stadt, in der der gl "mensch" ist. vielleicht machts die natur eines tages? aus einem teil der menschen eine besondere rasse, die nicht hören muß. voraussetzung dafür wäre natürlich eine welt, in der hören nicht gebraucht wird. so wie beim maulwurf, für den augen eher lästig sind. hier in dieser welt, auf dem planeten erde ist taubheit nun mal ne behinderung, da man aufs hören angewiesen ist. vielleicht siehts woanders besser aus? in einer fernen galaxis, in der es auf einem planeten lebewesen gibt, die nur 4 sinne haben. oder gar nur 3, oder gleich 69? dem universum dürfte nichts unmöglich sein. es plant und schafft. hier auf erden wurden eben fünfsinnige menschen geplant. aber nicht immer so erzeugt. nur einem verschwindend kleinen teil fehlt einer oder mehrere sinne. diese wurden verloren durch krankheit, vererbung, unfall. das ist die ungeschminkte wahrheit. dazu sollte man stehen. es schadet der psyche nicht, wenn man weiß, woran man ist.
ich sage nie, daß man mit taubheit nicht leben könnte. man kann durchaus. mittels kompensation, umstellung. wenn man dies (an)erkennt, dann lebt man richtig, voll bewußt in dieser welt. so jedenfalls meine meinung. man sollte mit der ungeschminkten wahrheit leben. lügen und scheinheiligkeiten, seien sie auch nur aus gründen der barmherzigkeit, sind fehlinterpretationen, verleiten nur zu irrglauben. wie etwa dem, daß taubheit eine rasse, also etwas besonderes ist.

manchmal aber frag ich mich, ob´s so fürchterlich schwer ist, meine gedanken nachzuvollziehen. kann mans nicht oder will mans nicht? ich nehme eher letzteres an, richtig?...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Di, 22.10.02 7:28 
Offline

Registriert: Fr, 15.2.02 1:00
Beiträge: 429
@luke:
ok, danke. schöner wärs allerdings, wenn alle themen, die bisher hier behandelt wurden, wieder auftauchen. hoffentlich schaffts krischi.

über den vergleich mit dem dalmatinern mußte ich mir übrigens eins abgrinsen, sorry...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Di, 22.10.02 15:54 
Offline

Registriert: Do, 12.7.01 1:00
Beiträge: 134
@halfmoon: Für Dich trifft vielleicht Verstümmelung zu für andere aber nicht. Es ist überhaupt nicht schwer zu verstehen, was du sagen willst, und ich habe Dir genau darauf geantwortet. Zumindest für meine Wenigkeit kann ich sagen, dass nicht zutrifft, dass ich deine Beiträge nicht verstehen will.
Vielleicht denkst Du einfach mal darüber nach, warum Du glaubst, dass andere es nicht verstehen wollen was Du schreibst ?

Vielleicht haben diese anderen einfach nur eine andere Sichtweise der Dinge. Glaubst Du nicht, dass man auch die ungeschminkte Wahrheit sehr wohl kennen, sich damit aber ausgesöhnt haben kann ? Nutzt mir relativ wenig, wenn ich überall sage, ich sei verstümmelt, behindert und meiner HörSinne beraubt. Und dann ... ?

Manchmal denke ich ein bißchen mehr innerer Frieden und mehr Konzentration auf das Wesentliche im Leben wäre gut. Hören ist nicht das Wichtigste im Leben. Weder im positiven noch im negativen Sinne.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: So, 27.10.02 23:07 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mo, 21.10.02 17:12
Beiträge: 701
Ich muß gestehen, daß ich den Begriff der "Verstümmelung" zwar hart finde, aber er triff in meinen Augen den Kern des Problems. Gehörlosigkeit stellt für mich im gewissen Sinne eine Unvollständigkeit dar, noch dazu eine, die ich mir nicht ausgesucht habe, sondern die mir von der "Natur" aufgezwungen wurde. Ich habe inzwischen gelernt, daß viele Gehörlose dies nicht so sehen. Ich akzeptiere es in dem Sinne, daß ich sage: "Ein jeder nach seiner Fascon!". Verstehen, im Sinne von Begreifen, Nachvollziehen ... tut mir leid, das funktioniert bei mir - noch? - nicht. Viele Argumentationen in diesem Zusammenhang sind mir auch zu gefühlsmäßig. Ich hege daher Zweifel, daß es mir je gelingen wird, diesen Standpunkt selbst einzunehmen.

Nun, gut, ein jeder nach seiner Fascon. Es gibt also offenbar diese zwei Ansätze, die einfach konträr einander gegenüberstehen. PUNKT! Ist eine Vermittlung möglich, ein Kompromiß? Ist er überhaupt wünschenswert, oder sollen wir diese spannungsgeladenen Ansätze als Chance begreifen?

Viel schwierigeres Problem: Wie helfe ich jenen, denen plötzlich der Ton abgedreht wurde und die sich mit dieser neuen Situation konfrontiert sehen?

Pnin


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo, 28.10.02 21:57 
Offline

Registriert: Do, 12.7.01 1:00
Beiträge: 134
@pnin: ich glaube wirklich helfen kann man denen nicht.
Es ist letztendlich einfach eine Sache der eigenen persönlichen Erfahrung, der Reife, des Charakters, der Stärke.
Ich bin davon überzeugt, dass jeder noch so unterschiedlich Hörgeschädigte immer wieder Tiefphasen hat und daraus hoffentlich auch immer wieder ein Stückchen stärker geworden herauskommt.
Unsere Erfahrungen zu erzählen mag manchmal trösten, manchmal schocken, es ist aber am Ende immer nur die ganz persönliche Ansicht, die zählt. Wir können informieren mehr glaube ich nicht.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mo, 28.10.02 22:32 
Offline

Registriert: Sa, 9.2.02 1:00
Beiträge: 1199
Wohnort: Thueringen
Ich denke, man kann hier nicht nur durch gutes Zureden oder informieren helfen, sondern auch durch eigenes Vorleben anderen Mut machen und Trost geben ihre plötzliche Behinderung anzunehmen und dazu stehen. So mancher ist oft dafür dankbar.Man braucht selbst eine innere Stärke, wenn man für andere eine Hilfe sein will oder kann.
Wenn man aber anderen gegenüber ständig jammert, dann kann man diesen nicht helfen, sondern verunsichert noch mehr.
Es gibt auch Betroffene, die sich nicht helfen lassen wollen. Und auch keine Beratungsstelle aufsuchen.Da ist leider nichts zu machen.
Mit positiven Denken und Handeln lässt sich vieles bewältigen, was für andere wieder unmöglich scheint. Aber nichts ist unmöglich. Es gibt immer Wege der Verständigung! :wink:


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Di, 29.10.02 8:27 
Offline

Registriert: Fr, 31.5.02 19:39
Beiträge: 180
mhmmm, sicher ist eine "Behinderung" kein Geschenk. Aber wenn man seine "Behinderung" oder besser sein Anderssein akzeptiert ist schon viel geschafft. Als ich damals mit 5 Jahren ertaubte war es mir nicht einmal bewußt. :o Ich merkte nicht dass ich nun taub war, vielleicht hat mir diese kindliche Naivität viel fürs Leben mitgegeben. Ich ging nach monatelangem Aufenthalt in der Klinik in den normalen örtlichen Kindergarten, hatte die gleichen Freunde wie vor meiner Taubheit. Halfmoon, ich glaube du machst dir einfach zu viele Gedanken, mit dem "was wäre wenn...." ich selber beschäftige mich kaum mit meiner Gehörlosigkeit. Ich sage mir einfach, ich bin taub und es ist ok so, wieso soll ich als GL nicht ein genauso schönes Leben führen dürfen wie H. Ich möchte mir gar nicht ausdenken, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn die Ärzte damals mein Gehör retten könnten, denn ich liebe mein Leben wie es ist. Ich habe 2 wundervolle Kinder, einen Partner wie man es sich nur wünschen kann, Freunde zu denen ich immer kommen kann und einen Beruf der mich glücklich macht. Ich glaube, wenn man mit sich selbst zufrieden ist, akzeptiert man auch seine "Behinderung" eher, als wenn man mit sich selbst unglücklich ist, welche Gründe es auch immer haben mag.
Manchmal sagen mir Leute: Oje du hörst nicht, ist das hart? Dann sage ich, oh nein, denn ich bin ja mehr Jahre taub, als ich hören könnte. :wink:

Ich glaube, dass mein Leben durch mein Taubsein in diese Richtung verlaufen ist, ich glaube, dass mein Taubsein mir Motivation gab, wie Hörende zu maturieren und zu studieren und einen Beruf auszuüben, den ich mir wirklich wünschte. Ich verdanke eigentlich meinem Taubsein viel: Freunde fürs Leben die ich habe, ich möchte sie nie missen, du weisst wen ich meine. :D

Was bringt es mir, mir Gedanken zu machen, wie wäre es wenn ich hörend wäre, was bringt es mir mich damit auseinanderzusetzen obs nun ein Geschenk ist, oder viel mehr Wink des Schicksal. Ich habe mich längst damit abgefunden, nie die Stimmen meiner Liebsten hören zu können und ich verzweifle nicht daran, denn das Leben ist schön auch ohne Töne, Klänge, Lieder, es gibt so viele Möglichkeiten das Beste aus seinem Leben zu machen. Man muß es allerdingst selber wollen!

Es soll jeder sehen wie er es möchte, für den einen ist das Taubsein ein Geschenk für den anderen Verstümmelung der Natur, für mich ist Taubsein einfach ok, es passt so gut zu mir :-)))

Ein passendes Gedicht von Lillian Rosen aus Greller Blitz und stummer Donner:

gelöscht - Bernd


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Di, 29.10.02 16:12 
Offline

Registriert: Mo, 11.6.01 1:00
Beiträge: 1135
@Pnin,
du schreibst:
Zitat:
Wie helfe ich jenen, denen plötzlich der Ton abgedreht wurde und die sich mit dieser neuen Situation konfrontiert sehen?


Sag du es uns!
Du bist ertaubt, welche Hilfe hättest du damals oder auch heute gern gehabt?
Lieben Gruß Karin


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mi, 30.10.02 13:37 
Offline

Registriert: Do, 12.7.01 1:00
Beiträge: 134
Es ist natürlich nicht richtig, dass man den Leute gar nicht helfen kann. So meinte ich das nicht. Beim Lesen von Phoenix Beitrag fiel mir auf, dass ich selbst NIE in einer Beratungsstelle gewesen bin. Bin also auch eine dieser Personen, "bei denen man nix machen kann" :wink:

Für mich ist die Selbsterkenntnis wichtig. Gute Ratschläge sind toll, aber sie verwirren auch. Jeder muß seinen Weg finden, und das meinte ich damit, wenn ich sage, dass man nicht wirklich helfen kann. Im Endeffekt muß man es selbst schaffen.

Heute hätte ich manchmal gerne eine Unterstützung. Die Problematiken sind allerdings so verschieden und greifen so ineinander, daß sich niemand wirklich zuständig fühlt. Das Spießroutenlaufen von Behörde zu Behörde macht einen mürbe und es raubt Kraft. Mir wäre geholfen, wenn es EINEN Ansprechpartner für die gesamten Belange einer Person gäbe. Schön wäre dann auch, wenn die Berater dann auch aktuelles Wissen haben. Leider habe ich bisher oft das Gegenteil erlebt. Aber das muß ja nicht die Regel sein.

Außerdem finde ich, dass die Amtswege zu lange dauern. Irgendwo im SGB steht was drinn von 14 Tagen, die ein Leistungsträger hat, um zu prüfen, ob er leisten muss oder nicht. Wenn nicht muss er den Antrag an den richtigen Leistungsträger senden. Auch das wird in der Realität nicht umgesetzt , zumindest in meinen persönlichen Fällen nicht.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Do, 31.10.02 19:09 
Offline

Registriert: Di, 19.2.02 1:00
Beiträge: 1141
Das Thema hier ist der Unterschied zwischen Frühertaubten
und Spätertaubten.
Die Einordnung in zwei Gruppen ist etwas grob.
Nicht alle Gl, die von Geburt taub genannt werden, sind
tatsächlich taub geboren.
Einige sind erst nach dem zweiten Lebensjahr ertaubt oder
schwerhörig geworden.
Gebärdensprache ist die grundsätzliche Gemeinsamkeit für
alle Gl. Aber sonst ist jeder Gl ein individueller Mensch.
Für die meisten Gl ist die Hörbehinderung einfach ein Teil
ihres Lebens. Sie empfinden Taubheit nicht als Verlust aber
auch nicht als schön.
Es ist irgendwie so, wie die Eskimos Schnee und Kälte
als Teil ihres Lebens ansehen, weder gut noch schlecht.
Wenn ein Italiener unfreiwillig in Grönland landet, will er
möglichst schnell zurück in seine Heimat.
Aber wenn Eskimos nach Italien auswandern, bekommen einige
bald Heimweh nach Grönland. Das ist verrückt.
Wie kann ein Mensch, der im schönen Italien lebt, sich
wünschen wieder in Grönland zu leben?!
Aber nicht jeder Eskimo will wieder zurück nach Grönland.
Ebenso will nicht jeder Gl im nächsten Leben wieder Gl sein.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Do, 31.10.02 21:00 
Offline

Registriert: Mo, 11.6.01 1:00
Beiträge: 1135
Das hast du aber schön gesagt.
Gruß Karin


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Fr, 1.11.02 0:20 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mo, 27.5.02 1:38
Beiträge: 2046
Wohnort: born to be root
Aloha CharlyBrown,

Du hast aber ein schönes Beispiel eines Erklärungsmodells mit der "leichten Sprache" demonstriert! :-)))
Zitat:
Aber nicht jeder Eskimo will wieder zurück nach Grönland. Ebenso will nicht jeder Gl im nächsten Leben wieder Gl sein.

Es wirkt sarkastisch auf mich, Gehörlose mit Eskimos zu vergleichen. Sind es etwa Hörende die Italiener, die Gebärden und Gesten in ihrem Blut haben???

File Griese,
Luke

_________________
deitschsprachig? gebärdensprachig! :-)))


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Fr, 1.11.02 10:26 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mo, 21.10.02 17:12
Beiträge: 701
Der letzte Beitrag ist ein nahezu klassisches Beispiel dafür, was passiert, wenn man Bilder und Vergleiche überstrapaziert.

Finde es übrigens erstaunlich, welcheVorurteile so kursieren. Ich kenne auch viele Deutsche, die kein Wort herausbekommen, wenn man ihnen die Hände festbindet. ;-)

Pnin


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: So, 3.11.02 18:18 
Offline

Registriert: Di, 19.2.02 1:00
Beiträge: 1141
Eskimos und Gehörlose wollte ich nicht vergleichen.
Es ging mir nur um ein halbwegs einfaches Beispiel dafür,
das taub geborene Menschen die Taubheit anders empfinden,
so ähnlich wie die Eskimos Schnee und Kälte anders
empfinden wie Italiener.
Das Italiener mit Händen und Füssen reden und die Deutschen
nicht, ist ein ganz anderes Thema.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: So, 3.11.02 18:41 
Offline

Registriert: Fr, 15.2.02 1:00
Beiträge: 429
charly, ich versteh dich sehr gut. deinen vergleich mit den "kaltblütigen" eskimos und heissblütigen italienern zur oft aufgeworfenen frage, wie man gehörlosigkeit empfindet/fühlt, finde ich auch treffend.
wüßte im moment keinen besseren vergleich...


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mi, 27.8.03 22:05 
Offline

Registriert: Di, 26.8.03 17:15
Beiträge: 9
CharlyBrown hat geschrieben:
Es ging mir nur um ein halbwegs einfaches Beispiel dafür, das taub geborene Menschen die Taubheit anders empfinden,
so ähnlich wie die Eskimos Schnee und Kälte anders
empfinden wie Italiener.
Das Italiener mit Händen und Füssen reden und die Deutschen
nicht, ist ein ganz anderes Thema.


Andererseits wird der "fehlende" 5. Sinn evt. durch einen anderen ersetzt?

z.B. besseres Tastgefühl

Das jetzt hier mal nur als Beispiel....

Ich persönlich finde, dass es schlimmere Sachen als GL oder Sh zu sein gibt: z.b. nach einem Unfall oder einer Krankheit im Rollstuhl sitzen zu müssen, wenn man vorher wirklich alles machen konnte........außer vielleicht mit der Nasa zum Mars fliegen... :wink:

Aber wenn mann, wie ich sein Gehör im 5.ten Lebensjahr durch "äußere" Einwirkung verliert, fällt es nicht so auf....

_________________
- Unmöglich sind nur die Dinge, die man nicht tut.....


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Mi, 27.8.03 22:52 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: Mo, 21.10.02 17:12
Beiträge: 701
Ich halte überhaupt nichts von solchen Vergleichen, welche Behinderung schlimmer ist und welche nicht! Für einen Musiker ist es unter Umständen viel schlimmer, sein Gehör zu verlieren, als der Verlust seiner Lauffähigkeit. IMHO wird auch ein ausgefallener Sinn nicht ersetzt: Man hört nicht mit den Fingern, sondern man spürt die akustischen Schwingungen, das ist ein Ausgleich, ein "work-around", aber kein Ersatz, wie ein VW Golf für den Opel Astra, der gerade in der Werkstatt ist. Die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht, daß der Mensch laufen, tasten, sehen, hören, schmecken usw. kann.

Pnin


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Do, 28.8.03 7:14 
Offline

Registriert: Di, 26.8.03 17:15
Beiträge: 9
@Pnin

Hallo...

Ich wollte damit nur sagen / schreiben, dass aus meiner Sicht für mich eine gehbehinderung schlimmer wäre, als die Schwerhörigkeit...

Vielleicht stehe ich mit dieser Meinung ja nicht alleine da und es gibt den einen (?) Rollstuhlfahrer, der die Schwerhörigkeit als schlimmer empfindet, als selber im Rollstuhl zu sitzen. Ich habe hier nur meinen Standpunkt geschrieben, aber ich wollte nie eine Grenze zwischen allen möglichen "Verstümmelungen Natur" (s.o. @Delfin) ziehen.

_________________
- Unmöglich sind nur die Dinge, die man nicht tut.....


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Do, 28.8.03 18:50 
Offline

Registriert: Di, 19.2.02 1:00
Beiträge: 1141
In früheren Diskussionen habe ich schon gesagt:
Es ist ganz individuell, wie schlimm ein Mensch eine Behinderung empfindet. Bei Hörbehinderung ist das Problem:
Die meisten Normalhörenden können sich Taubheit garnicht vorstellen weil es keine natürliche Situation gibt, wo Hörende nichts hören. Blindheit kann sich jeder vorstellen, weil jeder schon mal im Dunkeln hilflos rumgetappt ist.
Und im Rollstuhl sitzen kann jeder deutich sehen und sich darum vorstellen.
Aber grundsätzlich sind Diskussionen "was ist schlimmer..."
sinnlos. Manchmal haben hörende Bekannte solche Diskussionen gemacht. Da habe ich immer gesagt: Am besten ist voll gesund sein, alles andere ist schlimmer.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Forum gesperrt Dieses Thema ist gesperrt. Du kannst keine Beiträge editieren oder weitere Antworten erstellen.  [ 23 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de