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 Betreff des Beitrags: Was wäre, wenn ich taub würde...?
BeitragVerfasst: Di, 6.4.04 18:37 
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Hi,

ich hätte da mal eine Frage, was wohl passieren würde, wenn ich heute einen Unfall hätte und dann plötzlich für immer taub wäre, wie würde mein Leben dann aussehen? Ich meine, ich möchte nun endlich doch einen Roman über einen schwulen Jungen schreiben, der überdies auch noch mit 15 einen schweren Unfall baut und dann vollkommen ertaubt. Was würde mit so einem Menschen (von seiner sexuellen Orientierung mal abgesehen) geschehen? Könnte er weiter in seine bisherige Schule gehen (die nicht auf Gehörlose eingerichtet sein würde), wie sähen seine Zukunftschancen aus? Natürlich wird er sicher nicht mehr zur Polizei können oder zur Feuerwehr oder so, aber solch Berufe wie Immobilienmakler? Könnte er Immobilienmakler werden oder muss er sich mit Berufen begnügen, die ausschließlich für Gehörlose geeignet sind (wobei ich nicht wüsste, welche dies wären) Und was mich auch interessieren würde, da er ja jetzt taub wäre, müsste er dann die Schule wechseln und in eine Gehörlosenschule gehen?

Was das Zwischenmenschliche angeht, dafür muss ich natürlich dann selbst aufkommen, also, wie seine Freunde reagieren werden, das ist natürlich meine Aufgabe, aber vielleicht könnt ihr mir ja das mit der Schule und so beantworten, wäre echt klasse... ich würde gerne einen Roman schreiben und vielleicht zwei Dinge unter einen Hut bringen: Homosexualität als auch Gehörlosigkeitm, vielleicht sogar Lähmung noch...

PS: Ihr könnt mir sicher sehr gut helfen, wenn ihr darüber hinaus auch noch ein paar Probleme aufschreibt, die ihr habt (weil/seit) ihr gehörlos seid, wie beispielsweise "Untertitel im Fernsehen" oder eventuell "zu wenig Aufmerksamkeit für Gehörlose".

PS2: Ich möchte zwar diesen Roman schreiben, aber ich kann nicht versprechen, dass er fertig wird, nüchtern gesagt, ist mir bisher erst ein Roman gelungen, das war vor vier Jahren, den habe ich nie veröffentlicht... aber ich denke, ein Versuch wäre es ja wert, und ihr könnt mir ja auch helfen, wenn der Roman dann vielleicht wirklich fertig ist, indem ich ihn an euch schicke um ihn korrektur zu lesen...

Danke euch und schöne Grüße

Phineas 8)


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BeitragVerfasst: Di, 6.4.04 21:05 
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Phineas hat geschrieben:
Was würde mit so einem Menschen (von seiner sexuellen Orientierung mal abgesehen) geschehen? Könnte er weiter in seine bisherige Schule gehen (die nicht auf Gehörlose eingerichtet sein würde), wie sähen seine Zukunftschancen aus? Natürlich wird er sicher nicht mehr zur Polizei können oder zur Feuerwehr oder so, aber solch Berufe wie Immobilienmakler? Könnte er Immobilienmakler werden oder muss er sich mit Berufen begnügen, die ausschließlich für Gehörlose geeignet sind (wobei ich nicht wüsste, welche dies wären) Und was mich auch interessieren würde, da er ja jetzt taub wäre, müsste er dann die Schule wechseln und in eine Gehörlosenschule gehen?


Hm, wenn er genügend Durchsetzungswillen hat und Büffeln nicht scheut, *könnte* er weiter in seine Schule gehen - vorausgesetzt, es ist kein Gymi (dort wäre es noch extremer! Viele Schwerhörige von meiner früheren Schule sind vom Gymi auf die Kollegschule für Hörgeschädigte gewechselt, weil es für sie zu anstrengend war.) Er braucht zuverlässige Leute, die den Inhalt des Unterrichts für ihn mitschreiben und Lehrer, die sich bemühen, soviel wie möglich auf die Tafel/auf den Overheadprojektor zu schreiben, damit er wenigstens versteht, worum es im großen und ganzen geht - ein Nachhilfelehrer oder Tutor wäre auch keine schlechte Sache, der mit ihm dann den Stoff des Unterrichts nochmal durchgeht. Das bedeutet dann natürlich viel, viel Arbeit, aber wenn du denkst, dein Charakter schafft das, okay. Er könnte zwar auch eine Gehörlosenschule besuchen, die ihm nach anfänglichen Schwierigkeiten (er muß ja zuerst Ablesen lernen und evtl. auch Gebärdensprache, um mit seinen Schulkameraden kommunizieren zu können) puppenleicht vorkommen wird, da das Niveau an Gehörlosenschulen im allgemeinen sehr niedrig ist - besonders in den sprachlichen Fächern, aber in Mathematik wird es schon nicht mehr so leicht werden, denke ich, da dort mehr Wert auf logisches Denken gelegt wird und nicht auf sprachliches Verständnis.

Zukunftschancen? Hm, da dein Charakter noch gut sprechen kann und auch gutes Deutsch beherrscht, werden seine Chancen wohl besser stehen als für den durchschnittlichen Gehörlosen - er würde aber oft das Gefühl haben, immer ein Außenseiter zu sein, da er ja von der Aussprache her nicht gehörlos 'klingt' und vielleicht auch gut ablesen kann (ich weiß aber nicht genau, ob das stimmt, aber Spätertaubten soll das Ablesen leichter fallen als von Geburt an Gehörlosen oder sehr früh Ertaubten - vielleicht meldet sich ja auch einer zu Wort?) - da besteht die Gefahr, daß Leute nicht verstehen, wieso sie ihn ansehen und langsam sprechen müssen, "wenn er doch so gut spricht!" - dieses Problem haben Gehörlose nicht.

Immobilienmakler? Hm, soweit ich weiß, muß man doch für diesen Beruf telefonieren können? Dann käme er wohl nicht in Frage - aber du könntest deinen Charakter bei irgendeiner Behörde unterschieben, die stellen ja Schwerbehinderte bevorzugt ein, oder du läßt ihn eine eigene Firma eröffnen, die er selbst managt oder etwas Ähnliches in der Richtung. Er könnte natürlich auch studieren... ;-)

Phineas hat geschrieben:
Was das Zwischenmenschliche angeht, dafür muss ich natürlich dann selbst aufkommen, also, wie seine Freunde reagieren werden, das ist natürlich meine Aufgabe, aber vielleicht könnt ihr mir ja das mit der Schule und so beantworten, wäre echt klasse... ich würde gerne einen Roman schreiben und vielleicht zwei Dinge unter einen Hut bringen: Homosexualität als auch Gehörlosigkeitm, vielleicht sogar Lähmung noch...


Mh, das hört sich ja echt spannend an, dein Roman. Aber paß auf, daß du deinen Charakter nicht zu viel aufbürdest, sonst müßte er realistisch gesehen eigentlich nur noch aus dem Fenster springen vor lauter Verzweiflung... :-D

Phineas hat geschrieben:
PS: Ihr könnt mir sicher sehr gut helfen, wenn ihr darüber hinaus auch noch ein paar Probleme aufschreibt, die ihr habt (weil/seit) ihr gehörlos seid, wie beispielsweise "Untertitel im Fernsehen" oder eventuell "zu wenig Aufmerksamkeit für Gehörlose".


Das verschiebe ich jetzt hier mal auf etwas später, weil das Thema so komplex ist (oje! Ich könnte selber ganze Romane darüber schreiben...), als daß ich hier mal so auf die Schnelle etwas aus dem Ärmel schütteln könnte... :-)

Phineas hat geschrieben:
aber ich denke, ein Versuch wäre es ja wert, und ihr könnt mir ja auch helfen, wenn der Roman dann vielleicht wirklich fertig ist, indem ich ihn an euch schicke um ihn korrektur zu lesen...


Jepp, versuchen kann man's immer mal. Und wenn du den Roman zufälligerweise dann fertig hast, wenn ich Semesterferien habe, kannst du ihn mir gerne schicken... ;-)

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BeitragVerfasst: Do, 8.4.04 11:27 
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Hallo Phineas,

vielleicht erkundigst Du Dich mal beim Schulamt oder so, was "mit diesen Fällen" zu geschehen hat. Wäre vielleicht für den Roman auch ganz realistisch, dass ihm das Amt stur vorschreibt, wie er es jetzt zu tun hat. (Das ist ja wirklich realistisch).
Z.B. Taubheit wird an das Amt gemeldet und die verlangen, dass er die Schule wechselt. Aber er kämpft sich durch und kann doch in seiner alten Schule bleiben. Dadurch lernt er quasi, wie er gegen solche Widerstände ankämpfen muss.

Und dann könnte es ja so ablaufen, wie neenski geschrieben hat.

Viel Erfolg
Caroline


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BeitragVerfasst: Do, 8.4.04 11:40 
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Caroline hat geschrieben:
Wäre vielleicht für den Roman auch ganz realistisch, dass ihm das Amt stur vorschreibt, wie er es jetzt zu tun hat. (Das ist ja wirklich realistisch).
Z.B. Taubheit wird an das Amt gemeldet und die verlangen, dass er die Schule wechselt. Aber er kämpft sich durch und kann doch in seiner alten Schule bleiben. Dadurch lernt er quasi, wie er gegen solche Widerstände ankämpfen muss.


Heh, daran hatte ich ja noch gar nicht gedacht! Stimmt, da hast du recht, Caroline, besonders was die Realität anbetrifft: ich zum Beispiel bin in der Grundschule in der 2. Klasse in die Schwerhörigengrundschule gewechselt, da die ein höheres Niveau als die Gehörlosengrundschule hatte und bin da auch ganz gut zurechtgekommen. Aber als ich dann auf der Realschule für Hörgeschädigte weiter in die Schwerhörigenklasse gehen wollte, ging das nicht, weil die strikt nach Hörschädigung trennen. Da mußte ich mich dann wieder durch ein todlangweiliges Jahr in der Gehörlosenklasse quälen, bis die Vorgesetzten kapierten, daß ich wirklich besser in die Schwerhörigenklasse passte und mir endlich erlaubten, zu wechseln. *grrr*

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BeitragVerfasst: Do, 8.4.04 21:11 
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Phineas, Deine Idee für einen Roman ist interessant.
Es gibt nur wenig Romane, deren Hauptfiguren taube
Menschen sind.
Aber wenn Du einen realistischen Roman schreiben willst,
solltest DU persönlichen Kontakt mit ertaubten Jugendlichen
und Erwachsenen suchen.
Im Prinzip ist auch ganz verschieden, wie ein hörender
Mensch mit plötzlicher Taubheit fertig wird.
Grobe Beispiele:
Einen Musiker wird es viel härter treffen als einen Kunstmaler.
Und den Sohn eines reichen Vaters weniger hart als
einen jungen Mann, der seinen Lebensunterhalt selbst verdienen muß.


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BeitragVerfasst: Fr, 9.4.04 0:16 
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Hi ihr alle, danke, dass ihr euch so hilfsbereit mit meiner Frage: "Wie geht ein Mensch damit um, wenn er plötzlich ertauben würde".

@ Neenski, lol, siehst du, da ist es: "Telefon" Ich hab gar nicht daran gedacht, dass man als Immobilienmakler ja telefonieren können sollte! Das sind solche Selbstverständlichkeiten für mich, dass ich ungeheuerlich darauf aufpassen muss, in meinem Roman nicht plötzlich zu schreiben: "Ich hörte ein leises Rascheln"! LOL! Das wäre dann natürlich sehr doof.

von Neenski:
Zitat:
Zukunftschancen? Hm, da dein Charakter noch gut sprechen kann und auch gutes Deutsch beherrscht...

<--- ich hätte da mal noch ne Zusatzfrage: kann es sein, dass
ein 15jähriger plötzlich ertaubter irgendwann mit, sagen wir, 30 Jahren nicht mehr so gut sprechen könnte? Weil du "noch gut deutsch sprechen kann" geschrieben hast. Shit, lauter Fragen, die mir da kommen :-/

von Neenski:
Zitat:
Mh, das hört sich ja echt spannend an, dein Roman. Aber paß auf, daß du deinen Charakter nicht zu viel aufbürdest, sonst müßte er realistisch gesehen eigentlich nur noch aus dem Fenster springen vor lauter Verzweiflung...:


Das mit dem "Schwulsein und Ertauben", das habe ich vor, ihm aufzubürden, und damit wird er tatsächlich ganz schön zu knabbern haben, aber ich dachte mir, vielleicht wird er noch jemanden kennen lernen, der vielleicht körperlich querschnittsgelähmt ist, ein älterer Mann wäre cool, der vielleicht durch meinen Hauptcharakter langsam auch wieder neuen Lebensmut gewinnt... Aber du hast recht: die Gefahr besteht erstens darin, dass der Roman zu sentimental wird, oder aber dass ich nicht im Stande sein werde: "Ertaubung", "Schwulsein" und "Querschnittslähmung" unter einen Deckel zu bringen. Ich muss es aber ausprobieren, ums herauszufinden...

Übrigens Neenski, ich hab auch schon Skaterboy gelesen, zumindest bis ein wenig mehr als die Hälfte des Buches... irgendwann hab ich es dann aber doch schleifen lassen... Vielleicht lese ich den Roman aber nun doch noch mal wieder weiter...


@ Caroline: Das mit dem Schulamt ist ebenfalls eine sehr gute Idee, ich muss dies aber dann wohl in Form von Rückblenden rüberbringen, denn mein Roman beginnt etwa ein halbes Jahr nach seiner Ertaubung, hab schon mit Schreiben angefangen...lol!


@ CharlyBrown:

Du hast da vollkommen recht, da muss ich wirklich Gehörlose endlich mal life kennen lernen, sonst habe ich, trotz dieses Forums, nicht wirklich richtigen Bezug zu dem Thema.
ich will mir auch gar nicht vorstellen, wie es wohl wäre, wenn ich mein Gehör verlieren würde, meine Musik auf dem Keyboard ist mein Ein und Alles! Was ich aber interessant finde, seit ich hier im Forum bin, achte ich sehr viel mehr auf "unbewusste" Geräusche, wie das Tippgeräusch, während ich dies hier schreibe, oder die Uhr an meiner Wand, oder das Rauschen der Toilettenspülung und so... Das muss auch eine starke Veränderung sein, alles still! Kein Geräusch, nicht einmal die eigene Stimme...

naja, ich schreibe hier ja schon ein Roman ins Forum wie ich sehe, erst mal vielen Dank für eure Hilfe, ihr helft mir da wirklich sehr :-)


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BeitragVerfasst: Sa, 10.4.04 11:36 
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Phineas hat geschrieben:
@ Neenski, lol, siehst du, da ist es: "Telefon" Ich hab gar nicht daran gedacht, dass man als Immobilienmakler ja telefonieren können sollte! Das sind solche Selbstverständlichkeiten für mich, dass ich ungeheuerlich darauf aufpassen muss, in meinem Roman nicht plötzlich zu schreiben: "Ich hörte ein leises Rascheln"! LOL! Das wäre dann natürlich sehr doof.


Heh. Jepp, solche Fehler sollten dir besser nicht unterlaufen. :-)))

Phineas hat geschrieben:
<--- ich hätte da mal noch ne Zusatzfrage: kann es sein, dass ein 15jähriger plötzlich ertaubter irgendwann mit, sagen wir, 30 Jahren nicht mehr so gut sprechen könnte? Weil du "noch gut deutsch sprechen kann" geschrieben hast.


Hmh, also Expertin bin ich nicht, aber wenn er mit 15 Jahren ertaubt, wird seine Aussprache sich im Laufe der Zeit wohl etwas verschlechtern - ich habe mal ein Buch von einer gehörlosen Reporterin gelesen, die nebenbei auch zu einer Art Miss Marple mutiert (die 'Connor Westphal'-Reihe von Penny Warner), die war schon jung ertaubt, aber sie hatte schon sprechen gelernt und im Buch stand, daß ihre Aussprache (Connor ist Anfang/Mitte 30 im Buch, glaube ich) sich etwas verwaschen und monoton anhört, so daß Leute sie oft fragen, ob sie erkältet ist oder aus dem Mittelwesten Amerikas kommt. Aber das gilt ja fürs amerikanische Englisch (ich habe das Buch im Original gelesen), wie es mit Deutsch aussieht, das ja härter klingen soll als Englisch, weiß ich nicht.

Phineas hat geschrieben:
Übrigens Neenski, ich hab auch schon Skaterboy gelesen, zumindest bis ein wenig mehr als die Hälfte des Buches... irgendwann hab ich es dann aber doch schleifen lassen... Vielleicht lese ich den Roman aber nun doch noch mal wieder weiter...


Mh, ich fand den Roman auch deswegen gut, weil der Autor alles wirklich sehr realistisch aus der Perspektive eines Gehörlosen beschrieben hat - also nichts da mit 'ich hör was rascheln' *g*

Phineas hat geschrieben:
ich will mir auch gar nicht vorstellen, wie es wohl wäre, wenn ich mein Gehör verlieren würde, meine Musik auf dem Keyboard ist mein Ein und Alles! Was ich aber interessant finde, seit ich hier im Forum bin, achte ich sehr viel mehr auf "unbewusste" Geräusche, wie das Tippgeräusch, während ich dies hier schreibe, oder die Uhr an meiner Wand, oder das Rauschen der Toilettenspülung und so... Das muss auch eine starke Veränderung sein, alles still! Kein Geräusch, nicht einmal die eigene Stimme...


Heh - wirst also sensibilisiert... ;-) Aber man kann auch noch viel mitbekommen über Vibrationen etc., mein altes Zimmer bei meiner Mutter hat einen Holzfußboden und der überträgt die Vibrationen von Tritten extrem gut, so daß ich oft Schritte fühlte und mich umdrehte (der Tisch ist gegenüber von der Tür), aber da ging nur jemand im Flur vorbei, und dann habe ich das ignoriert und bekam regelmäßig einen schönen Schreck, als mir dann jemand auf die Schulter tippte! *lach* Oder beim Kochen, das Blubbern von Wasser im Topf kann man fühlen, wenn man an den Henkel faßt oder den Deckel. Die Vibrationen der Wasch- und Spülmaschine sowieso. Und wenn was runterfällt oder eine Tür laut zuknallt, ist das auch fühlbar.

Phineas hat geschrieben:
naja, ich schreibe hier ja schon ein Roman ins Forum wie ich sehe, erst mal vielen Dank für eure Hilfe, ihr helft mir da wirklich sehr :-)


Gern geschehen, etwas Eigeninteresse ist ja auch dabei, wenn dann am Ende ein realistischer Roman über Gehörlosigkeit rauskommt, den man dann Unwissenden weiterempfehlen kann ;-)

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BeitragVerfasst: Sa, 10.4.04 14:18 
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@Phineas:

Ob ich dir wirklich gut helfen kann, weiß ich nicht, aber ich werde es aus folgenden Gründen mal versuchen:

a) ich bin ertaubt und noch ziemlich jung (bin 23 1/2, war zum Zeitpunkt der Ertaubung 19-20)

b) ich schreibe ebenfalls kreativ

c) www.ruhrwellen.de (okay, ich gehe da nicht hin, bin zu weit weg, und außerdem bin ich eine Frau. Und die Männer sagen ja, so manches läuft bei ihnen anders...)


Zuerst einmal die Sache mit der Schule, da gibt es etwas, was dir kaum jemand - auch bei den Ämtern nicht - sagen wird, aber es ist wichtig: von einem Ertaubten wird in ca. 80 % der Fälle erwartet, dass er absieht, selbst wenn er auf einer Hörgeschädigtenschule ist. Ich habe zwischen 1999 und 2001 auf einer Hörgeschädigtenschule das Abitur versucht, und musste nur absehen. Es gab keinen Unterricht in Gebärdensprache, das war regelrecht verpönt. Das ist in vielen Schulen so, denn es gibt in Deutschland etwas das man die "orale Methode" nennt. Die "orale Methode" bedeutet, dass in der Gehörlosenerziehung strikt gesprochen und abgesehen werden muss. Absehen funktioniert aber kaum einwandfrei, weil man nur 12-13 Buchstaben der deutschen Sprache wirklich absehen kann, den Rest muss man kombinieren (also überlegen, wie könnte das Wort sein), außerdem ist es anstrengend. Ich kann es nicht stundenlang und Geburtsgehörlose noch weniger. Was also die Kommunikation angeht, es mag gut möglich sein, dass man deinen Charakter nach der Ertaubung auf eine Hörgeschädigtenschule schickt, aber auch dort wird er absehen müssen.

Dann zum Thema Kommunikation: zwei Dinge, jeweils aus meiner persönlichen Erfahrung,

a) es wäre doch sehr idealistisch wenn zum Beispiel alle seine Freunde oder auch sein Freund (falls er einen hat) und die Eltern die Ertaubung akzeptieren würden. Vielen Hörenden ist es nicht nur zu mühsam langsam und immer in dein Blickfeld zu sprechen oder aufzuschreiben, sondern sie schämen sich auch mit dir gesehen zu werden, teilen dir vieles einfach nicht mit, bevormunden dich... Ein persönliches Beispiel: meine Mutter verlangt noch immer, dass ich mit ihr ausnahmslos spreche und absehe, damit ja keiner merkt, dass ich nicht höre. Je länger man taub ist verändert sich auch die Sprache (mir sagt man, ich betone mittlerweile falsch und weil ich meine Lautstärke nicht mehr kontrollieren kann - andere mögen es besser können - rede ich entweder zu laut oder zu leise). Das bedeutet, wenn die Stimmveränderungen anfangen, kann es sein, dass deine hörende Umwelt von dir verlangt sehr gewählt zu sprechen. Du musst dich dann wirklich konzentrieren. Viele hörende Menschen wenden sich jedoch auch nach der Ertaubung von dir ab, oder wollen dich gar nicht erst kennen lernen. (Bedenke das wenn er nach der Ertaubung auf Partnersuche geht).

b) es ist ebenso idealistisch für einen Menschen zu glauben, Gebärdensprache zu können wäre ein Ticket. Erstmal brauchst du extrem lange bis du das flüssig beherrscht (es gibt Dialekte etc.), und ertaubt bedeutet nicht gehörlos. Medizinisch ist es vielleicht ein Begriff, praktisch nicht. Die Gehörlosen sind eine Gemeinschaft, die sich als sprachliche Minderheit begreift und durch eine gemeinsame Geschichte auch eine eigene Kultur herausgebildet hat. Es ist eine wunderschöne Kultur, ich liebe die Gebärdensprache und ich liebe Teile der Kultur, doch als Ertaubter gehörst du nicht automatisch dazu. Das ist eine harte Lektion für einen Ertaubten. Aber der Ertaubte hat eine andere Prägung, ein andere Geschichte, alles was er mit den Gehörlosen gemein hat ist, dass er nichts hört. Ja, er kann lernen diese andere Kultur zu verstehen und vielleicht kann er sie irgendwann annehmen, aber sie nimmt ihn nicht auf und es dauert lange. Ein Ertaubter wird häufig - nicht immer, aber oft - von Gehörlosen abgelehnt. Viele Ertaubte (ich nicht) bleiben im Schwerhörigenverein und haben schwerhörige, nicht gehörlose, Freunde. Sollte dein Charakter also nach der Ertaubung sofort einen gehörlosen Freundeskreis aufbauen freuen sich zwar die Hörenden Leser - weil sie genau das glauben -, entspricht es jedoch nicht der Wahrheit. Ich kann die Gebärdensprache, liebe das Theater in ihr und mitmachen darf ich trotzdem nicht. Ich werfe es niemandem vor, doch die Gehörlosengruppe fürs Theater an meinem momentanem Wohnort will keine Ertaubten.

Was den Beruf angeht:
All die "höheren" Berufe (also Makler, Anwalt etc.) kannst du im Prinzip vergessen. Deutschland ist noch nicht so weit. Meine Hausärztin hat mir sehr stolz erzählt in Jugoslawien hat sie eine ertaubte Kollegin - hier wäre das unmöglich. Dinge wie Bildtelefon etc. öffnen zwar Perspektiven, aber es ist eben nicht alles möglich und in Deutschland entwickeln wir uns auch nur langsam. Klar, es gibt Dinge, die Gehörlose und Ertaubte (ich benutze zwei getrennte Ausdrücke, denn ich bin nicht gehörlose, ich bin ertaubt und ich mag meine 20 hörenden Jahre nicht missen, auch wenn ich ohne Gehör ebenfalls klar komme) studieren können, Lehramt zum Beispiel. Aber das ist dann Gehörlosenpädagogik oder Informatik und der gleichen. Man muss immer die Kommunikative Barriere bedenken, du wirst in Deutschland für vieles nicht zugelassen. In den Niederlanden studieren Gehörlose Zahnmedizin - hier unmöglich. In Dänemark hätte ich Blindenlehrerin - weil ich eben noch spreche, mir hätte ja ein Dolmetscher (wie gesagt ich kann GS) Gesprochenes übersetzen können - werden können, Deutschland keine Chance (außer Taubblindenleherin). In den klassischen "Gehörlosenberufen" (Beispiel: Zahntechniker, technischer Zeichner, Koch, Drucker...) gibt es genau so wenig Stellen wie in den modernen Möglichkeiten (hörgeschädigte Mediengestalter, Bürokaufleute...). Als ausgebildete Büromensch könnte er aber durchaus zum LKA (ich mache gerade eine Vorbeireitung zur Umschulung - was weiß ich noch nicht - und dort gibt es eine ganz stark schwerhörige Frau - fast gehörlos -, die zum Beispiel gern als Bürokauffrau zum LKA möchte und man sagte ihr im Prinzip wäre das möglich).

Reicht das erst einmal an Hilfe? :) Rückfragen beantworte ich dir gern, meinetwegen auch per PN, es gibt jedoch das Problem, dass ich wegen der Umschulung sehr sehr selten online bin. Aber du bekämst deinen Antwort dann so bald es geht.


Ava

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"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht" - Franz Kafka


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BeitragVerfasst: Sa, 10.4.04 15:44 
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Respekt, Respekt, Ava! Eine ziemlich gelungene, ausführliche, sachliche und umfangreiche Erläuterung der Probleme Spätertaubter. Sie deckt sich in fast allen Punkten mit meinen eigenen mit dem Unterschied, dass ich nicht noch durch den Mühlen der Schule gehen mußte, da die Ertaubung später eintrat. Menschen, die ertauben, während sie bereits im Berufsleben stehen, haben natürlich etwas andere Probleme, als Schüler. Es stimmt allerdings nicht ganz, dass höhere Berufe nicht in Frage kommen. Ich meine, dass es ein paar Ärzte gibt, auch Rechtsanwälte und andere Akademiker, die taub sind - über den Zeitpunkt der Ertaubung bin ich mir jetzt aber nicht ganz im klaren. In allen Fällen ist das A und O aber, eine Lösung zu finden für die Kommunikationsprobleme. Hier sind möglichst alle Möglichkeiten auszuschöpfen. In vielen Fällen ist jedoch der gute Wille des Gegenübers unabdingbar.

Fakt ist: Die Abdrehung des Tons im Erwachsenenalter stellt die Betroffenen vor ganz erhebliche Problem, die - IMHO - nur der nachvollziehen kann, der es selbst erlebt hat, sei es am "eigenen Leib" oder als Angehöriger. Fakt ist ferner, dass man von Ärzten, Verbänden, Behörden etc oftmals ziemlich allein gelassen wird mit der Bewältigung der Probleme. Fakt ist aber auch, dass man diese Probleme bewältigen kann und mit dieser Behinderung ein glückliches Leben führen kann. In diesem Sinne

Pnin


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BeitragVerfasst: So, 11.4.04 10:34 
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Ava hat geschrieben:
Zuerst einmal die Sache mit der Schule, da gibt es etwas, was dir kaum jemand - auch bei den Ämtern nicht - sagen wird, aber es ist wichtig: von einem Ertaubten wird in ca. 80 % der Fälle erwartet, dass er absieht, selbst wenn er auf einer Hörgeschädigtenschule ist. Ich habe zwischen 1999 und 2001 auf einer Hörgeschädigtenschule das Abitur versucht, und musste nur absehen. Es gab keinen Unterricht in Gebärdensprache, das war regelrecht verpönt. Das ist in vielen Schulen so, denn es gibt in Deutschland etwas das man die "orale Methode" nennt. Die "orale Methode" bedeutet, dass in der Gehörlosenerziehung strikt gesprochen und abgesehen werden muss.


Zwischen 1999 und 2001? Heh, dann müßten wir uns eigentlich auch persönlich kennen, Ava, wenn du auch in Essen warst - ich war von 1998 bis 2002 dort :-)

So wie du es erzählst, mußt du in einer Schwerhörigenklasse gewesen sein, in meinen Klassen haben einige Lehrer Gebärden benutzt, aber mehr in der Art von LBG oder LUG, aber das hat auch geholfen beim Ablesen. Oder sie haben auch extrem deutlich gesprochen, das war auch eine Hilfe. Nun ja, ich habe ja den größten Teil meiner Schulzeit in Schwerhörigenklassen verbracht, wo die Lehrer wirklich, so wie du es gesagt hast, keine Gebärden verwenden und hatte dann auf der Kollegschule in der Gehörlosenklasse, wo die Lehrer wahrscheinlich schon von Natur aus deutlich reden, fast gar keine Schwierigkeiten beim Ablesen - Gewöhnung.

Ava hat geschrieben:
Absehen funktioniert aber kaum einwandfrei, weil man nur 12-13 Buchstaben der deutschen Sprache wirklich absehen kann, den Rest muss man kombinieren (also überlegen, wie könnte das Wort sein), außerdem ist es anstrengend. Ich kann es nicht stundenlang und Geburtsgehörlose noch weniger.


Das stimmt. Eine ertaubte Frau hat meiner Mutter mal erzählt, man kann es höchstens eine halbe Stunde aushalten mit voller Konzentration und dann liest man auch nur so 30% wirklich ab, der Rest ist Kombinieren (Interpretation des Gesagten vom Inhalt des Gespräches her und der Körpersprache).

Ava hat geschrieben:
es wäre doch sehr idealistisch wenn zum Beispiel alle seine Freunde oder auch sein Freund (falls er einen hat) und die Eltern die Ertaubung akzeptieren würden. Vielen Hörenden ist es nicht nur zu mühsam langsam und immer in dein Blickfeld zu sprechen oder aufzuschreiben, sondern sie schämen sich auch mit dir gesehen zu werden, teilen dir vieles einfach nicht mit, bevormunden dich...


Das stimmt - für Ertaubte ist diese Problematik härter als für Geburtsgehörlose, da diese es ja nicht anders kennen und von daher mehr oder weniger voll in ihre Welt integriert sind. Ertaubte müssen sich praktisch ein neues Leben aufbauen, was oft wirklich hart ist - und man findet so oft auch heraus, was Freundschaft wirklich bedeutet, wenn die eigenen Freunde sich auch dazu bereit erklären, die Gebärdensprache zu lernen, um die Kommunikation zu erleichtern - oder sich von einem abwenden.

Ava hat geschrieben:
Ein persönliches Beispiel: meine Mutter verlangt noch immer, dass ich mit ihr ausnahmslos spreche und absehe, damit ja keiner merkt, dass ich nicht höre.


Ja, das ist auch ein wichtiger Faktor. Ein trauriges Beispiel von einer gehörlosen Freundin: Sie erzählte mir einmal, daß sie mit einem anderen Mädchen in der Stadt unterwegs war, die auch gehörlos war. Sie saßen in einem Café und unterhielten sich, aber als ein hübscher Junge vorbeikam, hörte das Mädchen auf zu gebärden und gab der Freundin zu verstehen, es auch nicht zu tun. Die Freundin wunderte sich und als der Junge weg war, fragte sie nach. Das Mädchen sagte, der Junge solle nicht von ihr denken, daß sie behindert sei - er solle einen guten ersten Eindruck von ihr bekommen. *seufz*

Ava hat geschrieben:
Je länger man taub ist verändert sich auch die Sprache (mir sagt man, ich betone mittlerweile falsch und weil ich meine Lautstärke nicht mehr kontrollieren kann - andere mögen es besser können - rede ich entweder zu laut oder zu leise). Das bedeutet, wenn die Stimmveränderungen anfangen, kann es sein, dass deine hörende Umwelt von dir verlangt sehr gewählt zu sprechen. Du musst dich dann wirklich konzentrieren.


Stimmt. Ich z.B. rede zu laut und wenn ich zu Hause bin, spreche ich mit meiner Familie (nicht weil ich muß, sondern weil es sich so ergeben hat im Laufe der Zeit), und da kann ich so 'schlampig' sprechen wie ich will, sie verstehen mich ja aus Gewöhnung. Aber wenn wir mal ausgehen in ein Restaurant oder so, muß ich immer drauf achten, leise zu sprechen, was auf die Dauer ziemlich anstrengend ist. Lange kann ich mich nicht darauf konzentrieren, weshalb ich da oft mit meiner Schwester gebärde, was für mich weniger stressig ist.

Ava hat geschrieben:
Viele hörende Menschen wenden sich jedoch auch nach der Ertaubung von dir ab, oder wollen dich gar nicht erst kennen lernen. (Bedenke das wenn er nach der Ertaubung auf Partnersuche geht).


Ein guter Freund von mir ist auch schwul, er ist hochgradig schwerhörig und er hatte auch Probleme, andere Schwule nach seinem Coming Out kennenzulernen - er hat am Anfang Schwulenchats besucht, wo sich ja nur Hörende herumtreiben und hat da auch einige näher kennengelernt, die ihm aber zu verstehen gaben, daß er ganz nett sei, sie aber nichts von ihm wollten, was wahrscheinlich an seiner Hörschädigung lag.

Ava hat geschrieben:
es ist ebenso idealistisch für einen Menschen zu glauben, Gebärdensprache zu können wäre ein Ticket. Erstmal brauchst du extrem lange bis du das flüssig beherrscht (es gibt Dialekte etc.), und ertaubt bedeutet nicht gehörlos.


Ich komme aus Nordrhein-Westfalen und in Hamburg benutzen meine Dolmetscher oft unterschiedliche Gebärden - letztens habe ich 'Donnerstag' gebärdet und meine Dolmetscher guckten mich nur verständnislos an, als ich es dann fingerte, kapierten sie es und zeigten mir die Hamburger Gebärde. *g*

Ava hat geschrieben:
Ein Ertaubter wird häufig - nicht immer, aber oft - von Gehörlosen abgelehnt. Viele Ertaubte (ich nicht) bleiben im Schwerhörigenverein und haben schwerhörige, nicht gehörlose, Freunde. Sollte dein Charakter also nach der Ertaubung sofort einen gehörlosen Freundeskreis aufbauen freuen sich zwar die Hörenden Leser - weil sie genau das glauben -, entspricht es jedoch nicht der Wahrheit.


Mh, ich muß hier auch Ava wieder zustimmen. Ertaubte sind vom Verhalten her Schwerhörigen ähnlicher, denke ich. Beide Gruppen haben weniger (?) Hemmungen im Kontakt mit Hörenden, beide können Hörende besser verstehen, beide haben oft eine bessere Sprachbeherrschung, und beide müssen meistens erst die Gebärdensprache lernen - man merkt es manchmal Leuten an, daß sie die Gebärdensprache später im Leben gelernt haben und sie nicht schon von klein auf konnten. Mein Freundeskreis besteht zum größten Teil aus Schwerhörigen und mit ihnen benutze ich meistens keine reine DGS, sondern so ein Mischmasch aus LBG und DGS, da ich bei ihnen auch Wortspielereien oder Slang aus der hörenden Welt anbringen kann - und umgekehrt benutzen sie auch meistens LBG, da viele von ihnen sich in der hörenden Welt bewegen und nur beim Kontakt mit einigen wenigen Hörgeschädigten/Gehörlosen (u.a. mir) die Gebärdensprache benutzen, die sie dann auch mehr als Unterstützung zum 'artikulierten' Gesagten benutzen.

Ava hat geschrieben:
All die "höheren" Berufe (also Makler, Anwalt etc.) kannst du im Prinzip vergessen. Deutschland ist noch nicht so weit.


Stimmt. Ich war ja in den Semesterferien für zweieinhalb Wochen in Miami und... *neid* Die sind uns hier in Deutschland meilenweit voraus.

Ava hat geschrieben:
Klar, es gibt Dinge, die Gehörlose und Ertaubte (ich benutze zwei getrennte Ausdrücke, denn ich bin nicht gehörlose, ich bin ertaubt und ich mag meine 20 hörenden Jahre nicht missen, auch wenn ich ohne Gehör ebenfalls klar komme) studieren können, Lehramt zum Beispiel. Aber das ist dann Gehörlosenpädagogik oder Informatik und der gleichen. Man muss immer die Kommunikative Barriere bedenken, du wirst in Deutschland für vieles nicht zugelassen.


Auch wieder richtig. In Hamburg bin ich z. Zt. die sechste, die Psychologie studiert. Es gibt noch einen, der noch studiert, aber er ist schon im 8. Semester. Alle anderen gehörlosen Studenten studieren entweder Informatik oder Gehörlosenpädagogik - es gibt einen schwerhörigen Studenten, der Mathematik studiert, aber er ist der einzige.

Ava hat geschrieben:
In den klassischen "Gehörlosenberufen" (Beispiel: Zahntechniker, technischer Zeichner, Koch, Drucker...) gibt es genau so wenig Stellen wie in den modernen Möglichkeiten (hörgeschädigte Mediengestalter, Bürokaufleute...).


Stimmt. Die Arbeitslosigkeit grassiert zur Zeit unter meinen gehörlosen Bekannten. *seufz*

Danke für den sehr informativen Beitrag, Ava! :-)

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BeitragVerfasst: So, 11.4.04 13:37 
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Oh Gott, ich bin grad voll wütend, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Ava und Neenski, was ihr da sagt ist ja grauenhaft! Ich weiß echt gar nicht, was ich mir vorgestellt habe! Ich dachte, okay, es wird immer Leute geben, die mit einem Ertaubten nicht klarkommen, aber ich dachte, dies wäre die Minderheit! Und jetzt erfahre ich von hörenden Mütter, die sich schämen mit ihrer/ihrem ertaubten/gehörlosen/schwerhörigen Tochter/ Sohn die Gebärdensprache zu sprechen vor aller Augen! Ich verstehe das grade ganz und gar nicht! Ich habe gestern leider keine Zeit gehabt zu antworten, dafür habe ich meine Mutter höchstpersönlich gefragt, wie sie damit umgehen würde, wenn ich plötzlich ertauben würde. Sie meinte, sie würde natürlich alles dafür tun, mit mir weiter kommunizieren zu können, ob mit Gebärdensprache oder ohne, ob in der Öffentlichkeit oder eben nicht. Auf jeden Fall würde sie auch da (nicht nur was mein Schwulsein angeht) voll und ganz hinter mir stehen. Sie meinte, es gebe einfach viel zu viel dumme Menschen, die meinen, wer am lautesten brüllt, ist auch der beste! "Doch schau dir diese Kerle an, die da so laut brüllen, saufen sich voll, spielen den Oberchabbo - schreibt man das so? lol - und rennen bei der kleinsten Kleinigkeit davon!"

Ich meinte dann auch noch zu ihr: "Aber was ich auch voll krass finde, ist, dass Ertaubte, meinetwegen mit 15/ 16, die ja quasi "noch" auf die Schule gehen, meist wieder runter müssten und auf eine Gehörlosenschule gehen, wo sie wiederum dennoch die Lippen ablesen können müssen. Gebärdensprache würde weder in den sogenannten "normalen" Schule als auch in den Schulen für Gehörlose nicht oft benutzt! Sie meinte, okay, auf einer "normalen" Schule könnte sie sich auch nicht vorstellen, dass ein Gehörloser da mit käme, denn der Lehrer hätte ja schließlich nicht nur einen Schüler zu unterrichten, sondern eine ganze Klasse. Ich gab ihr zwar recht, aber ich bin nun noch mehr darin bestärkt, dass man dagegen etwas unternehmen sollte! Ich finde, wenn ein Schüler ertaubt (ich meine eigentlich nicht nur Schüler oder so, denn ertauben kann man ja jederzeit, aber ich bin eben erst aus der Schule draußen und für mich ist eben der Begriff Schule noch sehr gegenwärtig), dann sollte das Lehrerpersonal wirklich alles dafür tun, auch diesen Schüler durch den Unterrichtsstoff zu bringen. Meine Mutter sagte, dass die Lehrer ja schon jetzt dermaßen überfordert seien, schau dir die Kids von heute an, sagte sie! KLar, aber das finde ich scheiße, ehrlich! Ein weiterer Grund dafür, Lehrer für Gehörlose zu werden! Oh Leute, ich bin echt so was von stinkig grade.
Ich hoffe, ich kann später vielleicht mal etwas für Gehörlose erreichen, etwas mehr Respekt und Achtung, denn, wie gesagt, es kann "jeden" treffen.

NUn aber mal zu meinen Roman. Ava und Neenski, ihr habt mir da sehr geholfen. Ich habe jetzt vor, den Roman aus einer anderen Sichtweise zu schreiben. Ich denke, der Roman soll zwar nicht ausschließlich für Gehörlose ein Genuss werden, aber er soll realistisch und gleichzeitig spannend sein, und damit MUSS er auch den HÖRENDEN vielleicht ein bisschen vor den Kopf stoßen. Versteht mich nicht falsch, ich meine damit nicht, dass er tadelnd werden soll. Ich wusste nur selbst bis zu euren Beiträgen nicht, dass es tatsächlich für Ertaubte so schwer ist, in die Geburtsgehörlosenwelt aufgenommen zu werden. Ich dachte, das wäre genau wie bei uns in der Schwulenszene, wo man dann wirklich Beratung bekommt, Freunde kennen lernt und so, obwohl ich ja sagen muss, richtig aufgenommen wird man auch da nicht, man ist zwar ein Teil, das vielleicht in diese Schwulenszenerie hineinpassen KÖNNTE, aber meist muss man dann auch mit bösen Überraschungen rechnen (Schönheitsideal, Jugendwahn, Gesundheit und noch andere Oberflächlichkeiten). Also von richtiger Akzeptanz ist auch da nicht wirklich zu sprechen.

Neenski, als du sagtest, dass dein Freund unter diesen hörenden Schwulen nicht anerkannt wird, da war ich auch perplex, ich denke, ich würde mich sogar glücklich schätzen, einen Gehörlosen Freund zu finden, wenn die "Chemie" stimmt, ist bei mir eigentlich alles mit drin! Ich will aber auch nicht gegen all die anderen Hörenden wettern, denn ich kenne, wie gesagt, bis auf Internetgehörlose niemanden, der gehörlos ist, ich kann nur soviel sagen, dass ich augenblicklich wirklich denke, dass ich sogar mit einem gewissen Stolz die Gebärdensprache sprechen würde, egal ob in der Öffentlichkeit oder auch nicht!
Wie dem auch sei, den Roman werde ich anders schreiben müssen, werd wohl noch mal von vorne anfangen müssen (ist nicht schlimm, denn hab eh erst 4 Seiten bisher...lol) Aber worum er handelt, kann ich jetzt leider noch nicht sagen. Leider wird er auch nur aus der Sicht eines 15/16jährigen erzählt, mit dem späteren Berufsleben hat er also eher wenige etwas zu tun, obwohl kurze Einschübe dahin sicher ganz nützlich und realistisch sein dürften.

Dann ist es also doch so, dass man als Gehörloser eher Schwierigkeiten hat, einen "normalen" Beruf zu erlernen. Ist grausam, das zu wissen, denn umso mehr wird einem klar, wie teilweise "assozial" unsere Gesellschaft doch funktioniert. Und vielleicht spricht gerade auch einfach meine Wut aus mir heraus, weswegen ich so krass schreibe, vielleicht ist es ja doch nicht ganz so schlimm, wie ich das jetzt augenblicklich sehe. Ich kann es nur hoffen...

Ich glaube, eine Frage habt ihr mir also schon beantwortet:

Mein Hauptcharakter sollte zwar die Gebärdensprache allmählich erlernen, aber da es nicht so einfach sein dürfte, würde das sicher erst ne ganze Weile dauern, nehme ich mal an, oder? Wisst ihr vielleicht wie lange das dauert? Wäre es realistisch, dauernd zu schreiben, dass er mit den Gebärden spricht? Ich meine, kennt ihr: "Greller Blitz und stummer Donner" von Lillian Rosen? Da wird nur sehr wenig mit Gebärden gesprochen. Oft ist es das Lippenablesen oder mit einem Blatt Papier und Stift Sätze schreiben... Ich meine einfach, wie, meint ihr, sollte mein Hauptcharakter zukünftig sprechen und sich verständigen?

Eine weitere Frage: was heißt denn eigentlich LBG und LUG? lol

Und vorhin ist mir noch etwas mehr eingefallen, jetzt weiß ich aber schon nichts mehr :-/ lol

wie dem auch sei, euch allen so weit vielen vielen vielen dank... Ob aus diesem Roman etwas wird, kann ich zwar wirklich nicht versprechen, aber ich hoffe es, und finde es superlieb und nett von euch, dass ihr mich darin so hilfsbereit unterstützt...

schöne Grüße euer Phineas


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BeitragVerfasst: Mo, 12.4.04 12:37 
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Okay, heute habe ich noch frei und bevor das vor nächster Woche nichts wird...

Erstmal danke an alle für die Zustimmung. Nicht einfach weil ihr mich verstehen könnt und zustimmt, sondern weil das immer mal wieder ein schönes Gefühl ist zu sehen, es gibt noch andere die diese Erfahrungen haben. Ich sitze in meiner Umschulungsklasse mal wieder zwischen zwei Stühlen, und fühle mich da doch sehr allein. Bin halt "nur" ertaubt (Meinung einer Fraktion - GL) und "Kannst ja absehen, wenn wir uns unterhalten" (Meinung der anderen Fraktion - SH). Heimisch werde ich in keiner werden. Ihr kennt die Problematik... ich bin nicht bitter, und ich habe nichts gegen irgendwen dort, aber es nervt doch.

@neenski: nee, ich glaub ich, dass wir uns kennen, ich kannte doch kaum wen und ich war auch nicht im Internat. Es war eine Schwerhörigenklasse, ich war das Paradebeispiel für das funktionieren der "oralen Methode". Wie gesagt, ich hab es nicht gepackt... Pech! Und ich habe eine amtliche Bestätigung, dass ich von vornherein bessere Leistungen auf einer Regelschule mit Dolmetscherbegleitung gehabt hätte. Klar, ich konnte nicht sofort gebärden, aber das hätte ich dann auch sehr viel fließender gelernt als mit so Kommentaren wie "Hände unter den Tisch!" im Kolleg. Ich trauere der Zeit nicht nach, es war oft schlimm für mich. Dort wo ich jetzt umschule, haben mir Leute dieses Verhalten der Lehrerschaft bestätigt, das bedeutet, ich male nicht schwarz. (Ich bekomme oft Kommentare wie "Das kann so doch nicht gewesen sein!", wenn ich darüber spreche.)

Und ach, die Dialektfrage passiert dir auch? :) Mir andauernd. Ich habe an unterschiedlichen Orten und von unterschiedlichen Menschen GS gelernt, und so eine Eigenheit von mir ist es, dass ich ich immer die Gebärde nehme, die für mich am einfachsten geht. So wie ich in Norddeutschland lernte sind "jetzt" und "heute" identisch, wenn ich das im Westen mache, darf ich immer erst fingern. Donnerstag ist auch so ein Beispiel, stimmt. Ich kenne vier Varianten dieser Gebärde, dasselbe mit "wie lange". Meine Dozentin benutzt die V-Hand dafür, in Braunschweig lehrte man mich das mit dem Zeigefinger...

Und reine DGS ist bei mir auch selten. Das liegt aber daran, dass ich durch LBG eine Fremdsprache visualisieren muss, weil man hier wenig Deutsch spricht, das bedeutet ich muss schon mal so Experimente wie Vietnamesisches Mundbild und Satzbau mit Deutscher Gebärde machen.


@Pnin (aber auch die anderen, denn er hat recht):

"Fakt ist ferner, dass man von Ärzten, Verbänden, Behörden etc oftmals ziemlich allein gelassen wird mit der Bewältigung der Probleme."

OH JA!

"Fakt ist aber auch, dass man diese Probleme bewältigen kann und mit der Behinderung ein glückliches Leben führen kann."

OH JA! (zum Unverständnis der meisten Hörenden)


@Phineas:

Bezüglich der Gebärdensprache: Ich bin vier Jahre hartnäckig dabei, und kann es noch immer nicht flüssig. Ich glaube auch, dass ich dazu noch ein paar Jahre brauche.

Ich bin mir fast sicher, dass hätte erwähnte Schule Gebärden nicht unterbunden (wie gesagt, Lehrerzitat "Hände unter den Tisch!"), wäre ich um einiges fitter, weil ich nenne es mal so, damals wäre ich zwingend - soll nicht negativ klingen - mit Gehörlosen in Kontakt gekommen. Auf dem Pausenhof und sonst wo... Wenn du nur ein paar gehörlose Bekannte hast und die nicht jeden Tag siehst, lernst du natürlich auch langsamer, ebenso, wenn du gar keine gehörlosen Bekannte hast (weshalb nicht habe ich erklärt). Die meisten Ertaubten sind nicht jeden Tag unter Gehörlosen, wenn überhaupt je, ich denke also dein Charakter wird ein paar Jahre brauchen, wie lange ist unterschiedlich. Du solltest auch bedenken, dass die Ablehnung durch die Gehörlosen einen frisch Ertaubten schmerzt, das heißt, er kann der Gebärdensprache auch ablehnend gegenüberstehen und sie gar nicht lernen wollen. Kenne ich auch Leute.

Es gibt natürlich Ausnahmen: Ich kannte mal eine Frau (Mitte Zwanzig), die sofort nach ihrer Ertaubung in eine Maßnahme der Arbeitsagentur kam, in der nur Gehörlose waren. Weil das ihre einzigen Kontakte waren war sie nach etwa einen Jahr sehr viel fitter als ich. Aber das ist wirklich die Ausnahme. Du musst auch berücksichtigen, es ist für einen hörendgeborenden Menschen a) schwierig sich die Grammatik anzugewöhnen (und sie überhaupt anzuerkennen. Für Hörende sieht das zu Anfang - ohne Vorurteil - aus wie Halbsätze oder sogar Kleinkinsprache) und b) mit der Visualität zu leben. Als Ertaubter gleich welchen Alters bist du gewohnt, dass eine Frage am Ton erkennbar ist. In GS musst du plötzlich auf die Augenbrauen achten. Oder eine Raumbeschreibung: Du sprichst "Das ist da, das hier und dieses da dort drüben", du gebärdest jedoch etwa ein Bild des Raumes um zu zeigen was wo ist.

Ich kenne das Buch von Lillian Rosen, aber ich halte nicht viel davon. Eben durch das oral-orientierte, und mit Stift und Zettel, Handy - SMS - und ICQ kommst du nicht durchs Leben. Klar, es hilft, aber du hast diese Dinge nicht immer griffbereit und manchmal nützen sie auch nichts (eine solche Situation wäre zum Beispiel, wenn ein Ertaubter ohne Gebärdenkenntnisse einen Gehörlosen trifft und ihm etwas schriftlich mitteilt: es kann sein, dass der Gehörlose den Satz überhaupt nicht versteht, weil man ihn in Gebärdensprache anders spricht).

Ich kann dir nicht sagen, wie dein Hauptcharakter am besten kommunizieren sollte. Er wird viel sprechen müssen, auf jeden Fall, vielleicht lernt er im Laufe der Jahre GS und hat dann bei "größeren" Kommunikationen einen Dolmi oder oder benutzt Lautsprache und zeitgleich LBG. Das mache ich selbst größtenteils. Und meine hörgeschädigten Charaktere oft ebenfalls, obgleich es durchaus reine DGS-ler gibt. Du bist hörend, ob du dann anzeigen musst wann in Laut- wann in Gebärdensprache oder LBG gesprochen wird, weiß ich nicht. Ich kann dir da auch nur den Rat geben, auf dein Gefühl zu hören. Wenn ich vorlese, wissen die Leute, dass ich selbst nichts höre. Sie wissen, es gibt in meinem Leben Laut- und Gebärdensprache und oft merken sie schon an kleinsten Detail, dass eine Figur nichts hört. Ich muss das nicht extra schreiben. Zum Beispiel hatte ich in einem Text für Jugendliche mal einen Jungen, ging zu der Mutter eines Freundes und den ersten Satz den er sprach war "Ich hab deine Handynummer nicht". Weil die Leserschafft mich kannte - später habe ich das in den Prolog geschrieben -, wussten die ab dem Punkt, dass die Frau nichts hört. Sonst hätte der Junge ja mit einem Festnetztelefon anrufen können. Wann immer die Frau dann auftauchte und da stand "sagte" oder "meinte" war klar, sie gebärdete.

LUG muss dir wer anders erklären. LBG bedeutet folgendes: ein Satz wird genauso gebärdet, wie du ihn in Lautsprache sprichst.

Zum Beispiel Wie heißt du?: da gebärdest du dann auch in dieser Reihenfolge Wie, heißt, du?

In Gebärdensprache - in Deutschland kurz DGS - hieße der Satz Dein Name was?, weil die Gebärdensprache einer eigenen Grammatik folgt (schwer für jemanden der nur Deutsch kann). LBG (lautsprachbegleitende Gebärden) ist ein künstliches System, damit kannst du zum Beispiel einem DGS-Muttersprachler Deutsche Sätze (die DGS-Muttersprachler bezeichnen die Schrift- und Lautsprache als Deutsch, das was sie gebärden ist Deutsche Gebärdensprache) erklären.

Neugierig? www.visuelles-denken.de hat einen Abschnitt, den Schnupperkurs, bei dem ein bisschen erklärt wird. Und der Signum-Verlag (ich glaube www.signum-verlag.de) bietet mit "Die Firma" zwei CD-Roms - lernt mein Bruder mit GS - an, als Kurs am Bildschirm, allerdings im Hamburger Dialekt, je nach dem wo du lebst gebärdet man die Wörter also anders, die Grammatik ist dieselbe. Ich habe bloß keine Ahnung, ob es dazu ein Demo oder so gibt, weil sie sind nicht unbedingt billig für jemanden der nur neugierig ist. Schau einfach mal.

Viele Grüße

Ava

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BeitragVerfasst: Mo, 12.4.04 13:03 
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@Phineas

Ich habe dieses Lied nie gehört, doch es ist laut und ich habe eine gute Vorstellungskraft, und über den Text - beziehungsweise die Problematik des Textes - habe ich 87 Seiten geschrieben. Ich habe nicht mehr so gefühlt als ich den Text kennen lernte, aber ich las und wusste, das war ich im ersten Jahr ohne Ton. Vielleicht gibt es dir eine kleine Vorstellung. Ronan Harris - der Schreiber, ein hörender Electromusiker - ist ein Künstler der Worte.

Epicentre

I asked myself was I content
with the world that I once cherished
did it bring me to this darkened place
to contemplate my perfect future?
I will not stand nor utter words against this tide of hate
losing sight of what and who I was again

I'm so sorry if these seething words I say
impress on you that I've become anathema of my soul

I can't say that you're losing me
I always tried to keep myself tied to this world
but I know where this is leading
please
no tears
no sympathy

I can't say that you're losing me
but I must be that which I am
though I know where this could take me
no tears
no sympathy

gracefully, respectfully
facing conflict deep inside myself
but here confined losing control
of what I could not change

gracefully, respectfully
I ask you please don't worry, not for me
don't turn your back
don't turn away

I can't say that you're losing me
I always tried to keep myself tied to this world
but I know where this is leading
please
no tears
no sympathy

I can't say that you're losing me
but I must be that which I am
though I know where this could take me
no tears
no sympathy

no tears for me, no sympathy
no tears for me, no sympathy

© VNV Nation, 2002, www.vnvnation.com

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BeitragVerfasst: Mo, 12.4.04 15:06 
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Hi Phineas

Ich war 17 Jahre alt, als ich an Meningitis das Gehör verlor, und zwar vollständig! Ich bin also sozusagen aus heiterem Himmel taub geworden. Hören war bis anhin so selbstverständlich wie atmen, mein Hobby war die Musik (Klavier spielen). Ich stand damals im zweiten Ausbildungsjahr (Grafik). Soweit zur Ausgangslage. Das ist nun 20 Jahr her...

Ich bin 5 Jahre lang taub geblieben, dann erhielt ich 1989 ein CI. Ich habe/hatte überhaupt keinen Kontakt zu Gehörlosen, weil ich ausschliesslich schlechte Erfahrungen gemacht habe, die unsensible Art hat mich als frisch Ertaubte total abgeschreckt und verunsichert. Und mit wem soll man denn gebärden, wenn die ganze Umgebung ausschliesslich hörend ist? Ich bin auch mit einem guthörenden Mann verheiratet, die Tochter und die Katze hören ebenfalls ;-)

Ich hatte das grosse Glück, damals sehr engagierte Lehrer zu haben, die mich privat weiter unterrichteten. Denn es war nicht möglich, in meine alte Klasse zurückzukehren, genauso wenig, wie ich eine Gehörlosenschule hätte besuchen könnten, weil ich weder gebärden noch ablesen konnte. Dank dem Privatunterricht, bei dem in den ersten beiden Jahren jedes Wort aufgechrieben werden musste, konnte ich meine Ausbildung trotzdem beenden und schloss als eine der besten des Jahrgangs ab. Ich hatte beruflich nie Probleme, eine Arbeit zu finden und heute bin ich sogar selbständig.

So plötzlich taub zu sein ist ein unglaublicher Schock und ich war viele Monate lang schwer depressiv. Zudem hatte ich massive Gleichgewichtsstörungen und den Rest gab mir schliesslich noch der Tinnitus. Das irrsinnig laute Rauschen, Dröhnen, Kreischen hat mich an den Rand des Wahnsinns getrieben.

Viel Glück bei Deinem Roman! :-)))

LG Adrenaline


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BeitragVerfasst: Mo, 12.4.04 21:57 
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Ava hat geschrieben:
Erstmal danke an alle für die Zustimmung. Nicht einfach weil ihr mich verstehen könnt und zustimmt, sondern weil das immer mal wieder ein schönes Gefühl ist zu sehen, es gibt noch andere die diese Erfahrungen haben.

:-) Geht mir genauso!

Ava hat geschrieben:
@neenski: nee, ich glaub ich, dass wir uns kennen, ich kannte doch kaum wen und ich war auch nicht im Internat.

Aha. Wir müssen uns dann aber auf jeden Fall mal angerempelt haben, so groß war die Kollegschule ja auch nicht *g*

Ava hat geschrieben:
Es war eine Schwerhörigenklasse, ich war das Paradebeispiel für das funktionieren der "oralen Methode". Wie gesagt, ich hab es nicht gepackt... Pech! Und ich habe eine amtliche Bestätigung, dass ich von vornherein bessere Leistungen auf einer Regelschule mit Dolmetscherbegleitung gehabt hätte.

Argh. Muß ja saublöd gewesen sein. Welchen Zweig hast du genommen, EZW, W oder NW? Ich war selber W'lerin. ;-)

Ava hat geschrieben:
Klar, ich konnte nicht sofort gebärden, aber das hätte ich dann auch sehr viel fließender gelernt als mit so Kommentaren wie "Hände unter den Tisch!" im Kolleg.

WTF?!?! :o Wer hat das gesagt? :x Der Blümer? *mitdenzähnenknirsch* In den Gehörlosenklassen hat das NIE wer gesagt.

Ava hat geschrieben:
Ich trauere der Zeit nicht nach, es war oft schlimm für mich.

Mensch. Und für mich waren die Jahre dort einige der besten meines Lebens. *augenverdreh* Argh, das tut mir jetzt total leid, daß die Zeit da für dich so beschissen war.

Ava hat geschrieben:
Dort wo ich jetzt umschule, haben mir Leute dieses Verhalten der Lehrerschaft bestätigt, das bedeutet, ich male nicht schwarz. (Ich bekomme oft Kommentare wie "Das kann so doch nicht gewesen sein!", wenn ich darüber spreche.)

Äh, da bin ich wohl nicht die erste. Aber na ja, ich bin deswegen ja auch nicht in eine Schwerhörigenklasse gewechselt als ich aufs Kolleg kam, weil mir einige deren Lehrer (Lindlahr, Blümer, um nur einige zu nennen) ziemlich suspekt vorkamen. Letzteren habe ich auch ein paar Mal persönlich erlebt und Mensch, war das ein A.... . *grrr* Die Lehrer der Gehörlosenklassen waren alle mit einigen Ausnahmen (die aber nur Langweiler waren) super. *seufztlächelt*

Ava hat geschrieben:
Und ach, die Dialektfrage passiert dir auch? :) Mir andauernd. Ich habe an unterschiedlichen Orten und von unterschiedlichen Menschen GS gelernt, und so eine Eigenheit von mir ist es, dass ich ich immer die Gebärde nehme, die für mich am einfachsten geht. So wie ich in Norddeutschland lernte sind "jetzt" und "heute" identisch, wenn ich das im Westen mache, darf ich immer erst fingern. Donnerstag ist auch so ein Beispiel, stimmt. Ich kenne vier Varianten dieser Gebärde, dasselbe mit "wie lange". Meine Dozentin benutzt die V-Hand dafür, in Braunschweig lehrte man mich das mit dem Zeigefinger...

Heh! In NRW - oder jedenfalls im rheinischen Gebiet, ich bin in Bonn geboren - gebärdet man Donnerstag, indem man mit dem Zeigefinger einen imaginären Schnurrbart nachfährt. *g* Aber 'jetzt' und 'heute' im Westen fingern? Hm, ich würde da zwei unterschiedliche Gebärden benutzen, aber fingern nicht. *schulterzuck* Ist aber immer witzig, ne, wenn man neue Gebärden sieht und denkt 'Hä? Will der/die mich verarschen oder was?' *g*

Ava hat geschrieben:
Und reine DGS ist bei mir auch selten. Das liegt aber daran, dass ich durch LBG eine Fremdsprache visualisieren muss, weil man hier wenig Deutsch spricht, das bedeutet ich muss schon mal so Experimente wie Vietnamesisches Mundbild und Satzbau mit Deutscher Gebärde machen.

Vietnamesisch?!? Wo bist du denn? :o

Ava hat geschrieben:
Ich bin mir fast sicher, dass hätte erwähnte Schule Gebärden nicht unterbunden (wie gesagt, Lehrerzitat "Hände unter den Tisch!"), wäre ich um einiges fitter, weil ich nenne es mal so, damals wäre ich zwingend - soll nicht negativ klingen - mit Gehörlosen in Kontakt gekommen. Auf dem Pausenhof und sonst wo...

*nickt* Ich habe eine gute Freundin (sh), die, als sie nach Essen kam, gar nicht gebärden konnte - sie war vorher auf einer Regelschule gewesen. Ich habe ihr das Fingeralphabet beigebracht, da ich die erste Gehörlose war, die sie kennengelernt hat, und sie hat dann auch mit der Zeit von anderen Gebärden aufgeschnappt, meist im Internat oder auf dem Pausenhof. Später kamen auch zwei gl Jungs in ihre Klasse, so daß sie auch so einiges von denen lernen konnte.

Ava hat geschrieben:
Die meisten Ertaubten sind nicht jeden Tag unter Gehörlosen, wenn überhaupt je, ich denke also dein Charakter wird ein paar Jahre brauchen, wie lange ist unterschiedlich. Du solltest auch bedenken, dass die Ablehnung durch die Gehörlosen einen frisch Ertaubten schmerzt, das heißt, er kann der Gebärdensprache auch ablehnend gegenüberstehen und sie gar nicht lernen wollen. Kenne ich auch Leute.

*schonwiedernickenmuß* Phineas, ich kann dir hier nur echt raten, dich an Ava zu halten, was dein Buchprojekt anbetrifft. :-)

Ava hat geschrieben:
Du musst auch berücksichtigen, es ist für einen hörendgeborenden Menschen a) schwierig sich die Grammatik anzugewöhnen (und sie überhaupt anzuerkennen. Für Hörende sieht das zu Anfang - ohne Vorurteil - aus wie Halbsätze oder sogar Kleinkinsprache) und b) mit der Visualität zu leben.

Jepp. Ich weiß noch, als ich mal so aus Jux einigen hd Studentinnen die DGS beigebracht habe, haben sich ein paar wirklich mit der Mimik schwergetan, da es hier in Deutschland ja sozusagen verpönt ist, zu gestikulieren und 'Fratzen zu ziehen', was für die Gebärdensprache nun ja wirklich unumgänglich ist. Und für schüchterne Menschen ist es wahrscheinlich ungewohnt, immerzu dem anderen ins Gesicht gucken müssen - ich habe mal irgendwo gelesen, daß Hörende diese Eigenart Gehörloser, ihnen aufs Gesicht zu starren, entweder als eine Aggressionsgeste oder als sexuelles Interesse interpretieren. *kopfschüttel*

Nun ja, und was die Kleinkindsprache angeht - ich selber habe mich damit oft auch schwergetan, da ich mich durch's Bücherlesen (ich lese nicht Bücher, ich FRESSE sie *g*) einen ziemlich großen Wortschatz und entsprechendes Hintergrundwissen angeeignet habe und mich deshalb auf 'normalen' Gehörlosentreffen langweilen würde, da die Gespräche sich meistens um den täglichen Klatsch (wer mit wem, was hat der/die getan, etc.) dreht, den letzten Film mit Untertiteln, den man einigermaßen verstanden hat (Gehörlose mögen Filme mit einer einfachen Handlung und leichtverständlichen Dialogen, also ist z.B. 'Magnolia' oder 'Dogma' kein Film für den 'normalen' GL), vielleicht noch ums Alltagsgeschehen (mit Quellen aus BILD oder entsprechenden Magazinen oder von der Tagesschau), aber das war's auch schon. Diskussionen über den kulturellen Hintergrund von 'Der Herr der Ringe', den Kant'schen Imperativ oder den Erfolg von John Kerry, dem Präsidentschaftskandidaten der Demokraten in den U.S.A. kannst du vergessen - meistens. Der Grund? Die besch... Hörgeschädigtenpädagogik, die den Schwerpunkt aufs mehr oder weniger deutliche Artikulieren und Sprechenlernen legt und die Vermittlung von Sachwissen als nebensächlich empfindet - und die Folgen. Ach, über diese ganze Problematik könnte man/frau ganze Wälzer schreiben (die es sicher auch gibt)...

Deswegen habe ich auch viele schwerhörige Freunde, die der hörenden Welt auch etwas näherstehen - so habe ich einen mehr oder weniger perfekten Kompromiß zwischen der Welt der Gehörlosen und derjenigen der Hörenden gefunden.

Ava hat geschrieben:
LUG muss dir wer anders erklären. LBG bedeutet folgendes: ein Satz wird genauso gebärdet, wie du ihn in Lautsprache sprichst.

LUG = lautsprachunterstützende Gebärden. Da wird deutlich gesprochen und wichtige Wörter werden durch Gebärden gezeigt.

Ava hat geschrieben:
Neugierig? www.visuelles-denken.de hat einen Abschnitt, den Schnupperkurs, bei dem ein bisschen erklärt wird.

Habe ich eben gecheckt, ist wirklich sehr informativ - zum Weiterempfehlen! :-)

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@Phineas, servus!
Es ist klasse, wenn du ein Buch schreiben willst. Habe schon dutzend Bücher über, von und mit Gl, jedoch vermisse ich das Einfühlvermögen beim Lesen, dass man gebärdet. Schliesslich ist Gebärdensprache ein visuelle Sprache und schwer ins Schriftlchen zu übersetzen. Wünsche dir jedenfalls viel erfolg beim rechenerchieren und erstellen des Buches :)

Ich bin zwas stocktaub und ziemlich früh "ertaubt", aber glaube schon, dass ich nachvollziehen kann, plötzlich taub zu werden überhaupt nicht einfach ist.
Es ist wie damals als ich mein Kinderzimmer umgekrempelt habe: Kästen und Bett lagen an einem anderen ort. Dabei passiert es im ersten Nacht und noch einige Male, daß ich gegen den Wand gelaufen bin, wenn ich aufs WC wollte. Das Bett lag an einem anderen Ort und war nicht mehr an die gewohnte Ort, die mein Körper kannte. Und wenn man plötzlich taub ist, ist es wie wenn es kein Tür zum WC mehr gibt...
Wie ich hier im "Stille"-Thread von Inuitdog schon schrieb ist ein hörender Mensch ständig mit den Geräuschen jeder Art von leistesten Rascheln über Sprechen hin zum Lärm verbunden. Und plötzlich das alles nicht zu hören, kann man die Gleichgewicht im Leben körperlich und seelisch völlig verlieren.
Ich kann mir denken, daß der Weg lang ist, um die Fassung wieder zu erlangen bzw. das Leben im Griff zu haben.

Schwerer hat man es, wenn man nicht versucht sich vom Traum "Hören wiedererlangen" zu trennen, bzw. das man nicht mehr hört zu akzeptieren. Die Hoffung kann bleiben, darf aber nicht allzugroß sein. Das ist meine Meinung.

@ava, Ich finde es schade wenn Ertaubten nicht immer Gehörlosen sich in einer Welt finden. Bei den ertaubten verliert sich mit großem Anteil der Faden zum "hörenden Alltag" und bei den Gehörlosen ist der Faden nicht richtig hergestellt (Bildung, Erziehung). Obwohl die (medizinisch gesehen) beiden Gruppen identisch ist und für mich praktisch sein könnte, sind sie doch so verschieden.
Aber es ist nicht nur da das Problem, sondern auch unter hörenden, immer unterscheidet es bei den Menschen die Charakter, Bildung, Vermögen von den anderen.
Es ist die Unfähigkeit der Gesellschaft, das Virus beim Zusammenleben der Menschheit. Sozusagen ein Phänömen.
Und selbst wenn wie Phineas ein Buch schreibt und diese Phänömen erwähnt, lesen nur ein Teil der Menschen das Buch, größtenteils vergisst es durch den Alltagsleben wieder und wenigen leuchtet es ein.
Dabei scheint es für mich so leicht, so einfach, die Akzeptanz zu anerkennen, Mensch zu akzeptieren, daß es ein Lebewesen mit Herzen wie jeder ist. Doch es liegt vielleicht an den Verhaltensweise der Menschen, daß diese Einfachheit nicht gegeben ist. Darum gibt es Kategorisierungen, Verpönungen der Gebärdensprache, Macht der Ärzte, Zwangshilfen seitens Hörenden, kaum zu erreichende Versprechungen/Hoffnungen das Hören wiederzuerlangen. "unsensible Art" wie adrenaline erwähnte bei den Gehörlosen sind deswegen gegeben.

Das waren meine Gedanken, was ich zum Thread denke.
Cu Deafmax

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Gehörlos sein ist Leben.


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BeitragVerfasst: Di, 13.4.04 16:29 
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Hallo Leute,

ich melde mich jetzt auch mal wieder zu Wort, bin ja echt froh, dass ich soviele reaktionen zu meinem Thread gekriegt habe. Ja, ich glaube, ich möchte auf jeden Fall Lehrer für Gehörlose werden. Genau wie du sagtest, deafmax, es ist schade, dass es zwei oder sogar noch mehr unterschiedliche Welten gibt, in denen Gehörlose, Ertaubte, Schwerhörige und Hörende leben. Und warum die eine Gruppe die andere ausschließt, kann ich echt nicht verstehen. Ich selbst bin hörend, einwandfrei sogar, aber niemals würde mir einfallen, gehörlose für Schwachsinnig oder unterentwickelt zu bezeichnen. Herrje, in was für einer Welt leben wir denn? Diese Frage stelle ich mir immer und immer wieder. "Assozial" nannte ich es, dass Hörende Gehörlose ausschließen, "Assozial" nenne ich es noch immer. Himmel, was ist daran so schwer, den anderen zu akzeptieren, zu tollerieren? Ich habe nun wirklich einen Grundfaden von meiner Story, der mir sehr gefällt. Ich hoffe, ich habe genügend durchsetzungsvermögen und Wille, diese Geschichte auch wirklich fertig zu stellen und dann, wer weiß, vielleicht sogar zu veröffentlichen. Leider hast du auch da wieder recht, deafmax, es werden, realistisch gesehen, nur ein paar Leser von vielen den fertigen Roman dann lesen und nur ein Teil wird ihn dann weiterempfehlen. Das Wörtchen "gut" ist relativ, also wird bestimmt nicht die ganze Welt davon begeistert sein. Ob ich gutes Einfühlungsvermögen habe, oh, puh, schwer zu sagen. Ich habe halt den Wunsch und das Ziel vor Augen, dass dieser Roman den Menschen vielleicht die Augen öffnet. Optimal wäre natürlich, wenn er "allen" Menschen die Augen öffnet, aber so weit greife ich nicht... ich gebe mein bestes und werde mich auch gleich wieder an den Roman setzen, irgendwie geht zur Zeit alles sehr locker von der Hand, so locker wie schon lange nicht mehr, aber ich denke mein Ziel war, ist und wird wohl immer auch sein, dass es schon genügt, wenn ein paar Leser sich ergriffen, behütet und wohl fühlen, solch einen Roman gelesen zu haben, ganz nach dem Motto im Talmud: "Rettest du ein Leben, rettest du die ganze Welt." Dieses Motto finde ich sehr gut und darauf schließlich kommt es an... nicht auf Ruhm, allgemeine Anerkennung, großen Bekanntheitsgrad, nein, es kommt auf den "kleinen Funken" an, den man zündet, und wer weiß, vielleicht wird er sogar zu einem lodernden Feuer... Okay, genug metaphorischen Schwachsinn erzählt... bin ja schon still ...lol! :-p hihi

Aber auch was die Gebärdensprache angeht, naja, die gehört wohl in meinen Roman rein, aber ich möchte eigentlich mehr das Zwischenmenschliche zwischen Gehörlosen/ Schwerhörigen und Hörenden darstellen, aber auch was Homosexualität und körperliche Behinderung, Vorurteile betrifft, das ist hier ein wichtiger Punkt. Natürlich wird Danny, so heißt der sechzehnjährige Romanheld, viele Hindernisse bestehen müssen, und ich bin mir noch etwas uneinig, ob er alle wirklich bestehen "wird", schließlich soll der Roman realistisch sein. So fern das mir überhaupt möglich ist.

Mal eine Frage noch, die ich noch nicht so sicher beantwortet finde: Gibt es eigentlich ein Gesetz, das Ertaubten (8./9./10. oder höhere oder niedrigere Klasse) den weiteren Schulbesuch verbietet? Klar, ich habe jetzt schon von einigen Ertaubten gehört, dass sie weiter auf eine Regelschule gegangen sind, aber gibts da irgendeinen Gesetzestext? Einen, den ich vielleicht kurz in meinem Roman aufgreifen kann?

Und noch eine weitere Frage: mein Romanheld hat durch einen Schädelbruch nach nem Unfall sein Gehör verloren, dieses Bimmeln, Dröhnen und Schellen, das danach entsteht, wenn man gehörlos wird, ist das auf das ganze Leben nun so? Oder geht das mit der Zeit weg...

Ach, wo ich schon so nett frage ;-) lol...: Weiß denn jemand, wie schnell ein Ertaubter wie mein romanheld wieder ganz selbständig auf den Beinen stehen kann, also wieder auf die Schule gehen kann (was für ne Schule auch immer)?

Würde mich auch da wieder auf ne Antwort freuen, danke, euer Phineas :-)

bye bye


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BeitragVerfasst: Di, 13.4.04 16:33 
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@ Phineas,

mir ist noch was eingefallen: Du schreibst, dass Du Dir nur schwer vorstellen kannst, wie es ist, taub zu werden. Geht mir genauso (höre zum Glück nämlich sehr gut).

Aber ich habe mit einer Freundin zusammen mal ein eindrucksvolles Erlebnis gehabt: Wir haben uns beide die Ohren mit Oropax gründlich zugestopft. Das ist zwar bei weitem nicht das selbe, wie eine Ertaubung, aber man taucht trotzdem in eine völlig neue Welt.
Wir sind dann - was machen Frauen sonst, grins! - zum Shoppen und Kaffeetrinken und durch die Stadt geschlendert.
Wir haben alles Gewohnte plötzlich ganz anders wahrgenommen.

Probier das auch mal aus. Dann verstehst Du zwar nicht alle Probleme. Aber Du wirst sensibler dafür.

Liebe Grüße
Caroline


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BeitragVerfasst: Mi, 14.4.04 16:33 
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ja, wohl das letzte Mal für diese Woche, doch ich habe es geschafft heute noch mal ins Netz kommen... Okay, schnell, aber hoffentlich ausführlich und ohne Fehler... :p

@Neenski:
Willkommen im Anti-Blümer-Club! Ich bin nun wirklich nicht die Art von Mensch, die gerne andere schlecht macht, aber das war wirklich ein A... (Ich habe den Vorteil das wirklich sagen zu können, weil ich durch das Absehen ja auch das ganze Geläster das er den Schwerhörigen über die Gehörlosen erzählt hat mitbekam. Und seine Meinungen zu diversen anderen Themen sind auch nicht okay, nach außenhin tut er - wie du vielleicht weißt - supertolerant). Ich habe erst heute mit einem Dozenten - er hielt mich aufgrund meiner Absehkenntnisse für schwerhörig, bis ich ihm sagte mit wem ich in Essen zu tun hatte - gesprochen, und der sagte mir auch er hört das nicht zum ersten Mal. In der Klasse sitzt neben mir ein Schwerhöriger, der ebenfalls nicht begeistert von der Schule dort war, und diverse andere in der Klasse, gl und sh, haben mit B. ebenfalls Bekanntschaft gemacht. Meine gl Mathedozentin hat 1996 das Abi in Essen bestanden und kann sich auch an ihn erinnern. Ihr Kommentar: "Furchtbar!" Nun ja, sie sagt sie hat auf dem Ehemaligen-Treffen erfahren, er geht jetzt in Pension, mögen zukünftige Schüler es besser haben. Ich wünsche es ihnen.

Ich hatte das Pech als EZWlerin direkt das Team Blümer/Saueracker am Hals zu haben. Die Politik dieser Herren hat dazu geführt, dass auch von der Schwerhörigen in meiner Vorklasse (ich habe Resthörig angefangen, verlor im Laufe des ersten Jahres aber alles Gehör), und diese Schwerhörigen waren teilweise leicht schwerhörig, 4 von insgesamt 8 aufgehört haben. Da sind auf geheiß dieser Herren Dinge vorgefallen, die ich nicht wiederholen mag. Ansonsten hatte ich so "nette" Leute wie Edler (keine Ahnung ob du den kennst), und unter anderem Lindlahr. Sein Unterricht ist Horror, seine Frau hat versucht mir zu helfen. Sie hat mir immer wieder gesagt, wenn ich das packen soll, soll ich in eine GL-Klasse, da sie aber nicht Beratungslehrer für die EZWler war hatte sie da nur sehr wenig Einfluss. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich mit meinen Problemen immer an sie gewandt habe, von den EZW-Leuten hat mir eh keiner zugehört.

Was das Vietnamesisch angeht: es ist weniger eine Frage WO ich lebe, sondern mit WAS für Menschen ich lebe. Die meisten Menschen, die ich kenne, auch meine gehörlosen Bekannten, sind keine Deutschen Muttersprachler, und ich selbst verwende Deutsch auch sehr wenig. Spezifisch Viietnamesisch kommt aber so: mein Lieblingsdolmi kam vor 22 Jahren als Vertragsarbeiter in den Osten, spricht wunderbar Deutsch und ist ein Ass mit 19 Jahren DGS-Erfahrung (die deutsche Frau und die Tochter beide gehörlos). Seine Frau spricht ein bisschen Vietnamesisch. Es liegt in meiner Natur eine Fremdsprache sehr schnell aufzunehmen - wenn man mich ließe, ich wäre Schriftsprachübersetzerin, aber die IHK-Prüfung schreibt ein Diktat vor -, also habe ich aus Spaß ein Buch geliehen. Ich kann es nicht gut, aber na ja, kleine Dialoge. Mundbild und Satzbau Vietnamesisch mit Gebärden aus den LBG, damit das absehen klappt. Der Vorteil bei Vietnamesisch ist das Alphabet entspricht beinahe dem Lateinischen, bis auf einige Ausnahmen.

Noch ein Bücherwurm? Ha, ich auch! Am liebsten in den Originalfassungen, sofern sie aus einer anderen Sprache stammen.

Und das ist @deafmax:

ich danke für deine Worte :)

Dabei scheint es für mich so leicht, so einfach, die Akzeptanz zu anerkennen, Mensch zu akzeptieren, daß es ein Lebewesen mit Herzen wie jeder ist. Doch es liegt vielleicht an den Verhaltensweise der Menschen, daß diese Einfachheit nicht gegeben ist.

Wie wahr, wie wahr!


Ava

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"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht" - Franz Kafka


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BeitragVerfasst: Mi, 14.4.04 17:50 
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Wohnort: Hamburg
Ava hat geschrieben:
@Neenski:
Willkommen im Anti-Blümer-Club! Ich bin nun wirklich nicht die Art von Mensch, die gerne andere schlecht macht, aber das war wirklich ein A... (Ich habe den Vorteil das wirklich sagen zu können, weil ich durch das Absehen ja auch das ganze Geläster das er den Schwerhörigen über die Gehörlosen erzählt hat mitbekam. Und seine Meinungen zu diversen anderen Themen sind auch nicht okay, nach außenhin tut er - wie du vielleicht weißt - supertolerant).

*augenverdreht und mit Zähnen knirscht* Jepp, ich hatte auch Freunde aus den Schwerhörigenklassen und die haben mir genug Horrorstories vom Blümer erzählt, anhand deren ich mich immer wieder glücklich geschätzt habe, NICHT in seinen Klassen zu sein.

Ava hat geschrieben:
Nun ja, sie sagt sie hat auf dem Ehemaligen-Treffen erfahren, er geht jetzt in Pension, mögen zukünftige Schüler es besser haben. Ich wünsche es ihnen.

Ich auch! *denenmalganzfestdiedaumendrückt*

Ava hat geschrieben:
Ich hatte das Pech als EZWlerin direkt das Team Blümer/Saueracker am Hals zu haben. Die Politik dieser Herren hat dazu geführt, dass auch von der Schwerhörigen in meiner Vorklasse (ich habe Resthörig angefangen, verlor im Laufe des ersten Jahres aber alles Gehör), und diese Schwerhörigen waren teilweise leicht schwerhörig, 4 von insgesamt 8 aufgehört haben.

Uuuuh... *schaudert* Ist ja hart. Aber in meiner Klasse war es auch ähnlich, aber da lagen die Gründe für's Abbrechen meistens an den schlechten Leistungen, für die die Schüler aber oft nichts konnten *flucht mal ordentlich auf die besch... Hörgeschädigtenpädagogik*

Ich hatte den Saueracker in Wirtschaftsinformatik, aber der war im Grunde genommen in Ordnung - jedenfalls meinen Erfahrungen nach-, hat rumgeulkt und mir auch mal ne Kopfnuß gegeben, weil ich heimlich Spider auf dem PC gespielt hatte, aber mir sonst immer glatte 14 oder 15 Punkte gegeben, weil ich so lieb war *zwinker*.

Ava hat geschrieben:
Ansonsten hatte ich so "nette" Leute wie Edler (keine Ahnung ob du den kennst), und unter anderem Lindlahr.

Autsch! *zusammenzuckt* Ja, ich kenne alle besagten Lehrer (wenn auch nicht persönlich, mehr über Klatsch- und Tratschgeschichten). Den Edler? Und dann noch Lindlahr? Mensch, du hast es ja wirklich echt hart gehabt! Herzlichstes Beileid.

Ava hat geschrieben:
Sein Unterricht ist Horror, seine Frau hat versucht mir zu helfen.

Ja, die war eine ganz Liebe! Hattest du den Lindlahr etwa in Gesellschaftslehre? Mensch, das ist sowas von scheiße. Wenn du in einer GL-Klasse wärst, hättest du den Nolden oder die Spieß bekommen, mit ihnen hättest du das locker geschafft. Ehrlich. *grrr*

Ava hat geschrieben:
Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich mit meinen Problemen immer an sie gewandt habe, von den EZW-Leuten hat mir eh keiner zugehört.

*GRRR* Oh Mann. Möchte gar nicht wissen, wieviele Abbrecher tatsächlich auf das Konto von dem Blümer gehen!

Ava hat geschrieben:
Ich kann es nicht gut, aber na ja, kleine Dialoge. Mundbild und Satzbau Vietnamesisch mit Gebärden aus den LBG, damit das absehen klappt. Der Vorteil bei Vietnamesisch ist das Alphabet entspricht beinahe dem Lateinischen, bis auf einige Ausnahmen.

Heh, das ist ja cool! Ich liebe auch Sprachen, als ich in Bonn studiert habe, habe ich ein Semester Schwedisch studiert und kann jetzt noch einige Brocken dieser Sprache sprechen (verstehen bzw. lesen fällt mir aber leichter als selber schreiben!) - ansonsten bin ich flüssig in Englisch und erinnere mich noch schwach an Bruchstücke des französischen Wortschatzes (dank des nutzlosen Unterrichts von Frau Wuttke). Na ja, und was Gebärdensprachen anbetrifft, so habe ich während meines zweieinhalbwöchigen Urlaubs in Miami im März etwas ASL aufgeschnappt und will das in einem Kurs an der Uni vertiefen. :-) Wieviele Sprachen kannst du denn?

Ava hat geschrieben:
Noch ein Bücherwurm? Ha, ich auch! Am liebsten in den Originalfassungen, sofern sie aus einer anderen Sprache stammen.

*lach* In meiner Signatur ist die Anfangszeile aus einem meiner Lieblingsbücher - natürlich in der Originalfassung, inzwischen besitze ich mehr englische als deutsche Bücher - ups. Bei einer Besichtigung meines Bücherregals ist das Verhältnis englisch-deutsch wohl eher 4-1. *g*

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BeitragVerfasst: Do, 15.4.04 11:49 
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hallo ava u. neenski
na habt ihr grad so ne art “virtuelles klassentreffen”?
ich las von vietnamesisch? ava, lernst du wirklich vietnamesisch????
mein mann lernt gerade chinesisch. ich muss sagen- nix für gehörlose. aus meiner sicht jedenfalls. unglaublich. 4 verschiedene „betonungen“- die stricherl gilts zu beachten, alles spricht sich anders aus wenn ein stricherl anders ist. ^ oder ´oder `oder – oben drauf. und erst die schriftzeichen.....tausende....
vielleicht liest hier jemand der sich auskennt? wie lernen die gehörlosen in china die sprache? die chinesische sprache soll ja ein richtiger „singsang“ sein. und nichts wird so ausgesprochen wie es geschrieben wird. da ist deutsch u. englisch viel leichter dagegen....
beethoveny


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BeitragVerfasst: Do, 15.4.04 18:20 
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@Pinheas
Heute entdeckte ich dieses Forum, war anfangs begeistert beim Lesen, dann im zweiten Dritte verging mir die Freude. Ich bin selbst ertaubt, habe öffentliche Schulen mit vielen Privatstunden durchgelaufen und verstand viele Probleme, die hier aufgezählt wurden (aus eigener Erfahrung).
Zu Deinen Fragen: die Stimme verändert sich mangels eigener Kontrolle, das stimmt.
Deine Frage zur Sexualität fand ich lustig, aber berechtigt.

Die Probleme mit den Menschen, die von Geburt an gehörlos sind kenne ich auch so. Man kann nicht gegen die Natur.
Die Gebärdesprache fällt den Gehörlosen leichter, die es von Haus aus können. Die Menschen, die später ertaubt sind möchten von Natur aus sprechen, sich mitteilen, lachen über ein Wortspiel und nicht jedes Wort auf die Apothekerwaage legen müssen. Einfach Mensch sien.
Ich wünsche Dir viel Erfolg mit Deinem Roman.


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 Betreff des Beitrags: Was wäre, wenn ich taub würde
BeitragVerfasst: Do, 15.4.04 18:22 
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@Pinheas
Heute entdeckte ich dieses Forum, war anfangs begeistert beim Lesen, dann im zweiten Dritte verging mir die Freude. Ich bin selbst ertaubt, habe öffentliche Schulen mit vielen,teuren Privatstunden durchgelaufen und verstand viele Probleme, die hier aufgezählt wurden aus eigener Erfahrung.
Zu Deinen Fragen: die Stimme verändert sich mangels eigener Kontrolle, das stimmt.
Deine Frage zur Sexualität fand ich lustig, aber berechtigt.

Die Probleme mit den Menschen, die von Geburt an gehörlos sind kenne ich auch so. Man kann nicht gegen die Natur.
Die Gebärdesprache fällt den Gehörlosen leichter, die es von Haus aus können. Die Menschen, die später ertaubt sind möchten von Natur aus sprechen, sich mitteilen, lachen über ein Wortspiel und nicht jedes Wort auf die Apothekerwaage legen müssen. Einfach Mensch sein.
Ich wünsche Dir viel Erfolg mit Deinem Roman.


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BeitragVerfasst: Mi, 21.4.04 12:02 
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Hallo Phineas,

dein Romanheld würde realistischerweise möglichst bald ein CI bekommen und wäre damit schwerhörig. Er müsste wegen dem Unfall, CI-Op und Reha usw. ein Schuljahr verlieren. Er hätte immer stark mit dem Tinnitus zu kämpfen. Mit der Zeit würde der Tinnitus aber nicht mehr als so störend empfunden. trotzdem gäbe es wegend er Schwerhörigkeit noch eine Menge Probleme. Er würde vielleicht laute Kneipen und Diskos meiden. Er würde sich von großen Gruppen zurückziehen und versuchen, Einzelkontakte zu haben. Vielleicht würde er Mitglied in der schwerhörigen Bundesjugend.

Ich bin nach vorherigen Schwerhörigkeit seit Geburt auch ertaubt. Ich hatte nach der Ertaubung nichts Eiligeres zu tun, mich einer CI-Op zu unterziehen und war heilfroh, dass ich nun wieder halbwegs hören konnte. Ich denke, kein ehemals guthörender Ertaubter würde freiwillig auf ein CI verzichten. Nach einem Schädelbasisbruch mit Ertaubung ist ein CI auch medizinisch gesehen möglich.


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BeitragVerfasst: Mi, 21.4.04 22:29 
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Habe-ein-Ci, aus Deiner persönlichen Erfahrung ist es
vieleicht ganz realistisch. Aber, soweit ich Phineas
richtig verstanden habe, möchte er einen Roman über
die vielschichtigen menschlichen Probleme eines jungen
Mannes schreiben, der homo ist und plötzlich taub wird.
Und wieso soll er Tinnitus haben? Das ist ein ganz anderes Problem. Die allermeisten tauben Menschen haben keinen Tinnitus!
Und nicht allen tauben Menschen hilft ein CI!
Ganz besonders wenn ein Musiker plötzlich taub wird und
dann ein CI bekommt, wird er damit alles andere als
glücklich! CI ist nur eine gute Hilfe um Sprache zu verstehen.
Musik wird von vielen CI-Trägern nur als gewöhnlicher Lärm
empfunden.


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BeitragVerfasst: Do, 22.4.04 8:33 
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@Charly Brown. Du schriebst: "Die allermeisten tauben Menschen haben keinen Tinnitus! " Interessante Hypothese! Kannst Du die irgendwie belegen? Meine Erfahrung lehrt mich nämlich genau das Gegenteil. Es geht hier ja - zur Erinnerung - um Spätertaubte, also jene, die mal gehört haben und dann plötzlich nicht mehr hören können. Ich kenne keinen, der nicht auch an Tinnitus in einer mehr oder weniger heftigen Form leidet. Vom neurophysiologischen Standpunkt aus finde ich das auch nicht verwunderlich. Immerhin sind die entsprechenden Hirnareale ausgebildet worden, soll heißen, auf die Verarbeitung von akustischen Reizen getrimmt worden. Nun haben sie plötzlich nichts mehr zu tun, sind von einem Input abgeschnitten. Daher erscheint es mir folgerichtig, dass sie dem Hirn etwas vorgaukeln - Tinnitus. Man kann das vielleicht mit den Phantomschmerzen nach einer Amputation vergleichen. Es ist bekannt, dass chronischer Tinnitus durch ganz ähnliche Mechanismen verursacht wird. Bleibt die Frage, wie der Betroffene damit umgeht. Den einen wird's stören, für den anderen ist es ein "nützliches" Biofeadback.

Noch eine weitere Bemerkung: Die ganze Diskussion geht doch letztlich um den heißen Brei herum. Die eigentlichen Probleme liegen doch nicht in der Frage: "Tinnitus oder kein Tinnitus" oder "Kann ich Immobilienmakler werden?", sondern in der - oft ziemlich schlagartig - veränderten Situation bezüglich der Kommunikation mit "meiner" Umwelt. Was früher selbstverständlich war, nämlich sich mit seinem Gegenüber "zwanglos" zu unterhalten wird plötzlich zum großen Problem. Das führt zu ganz existenziellen Problemen, die lösbar sind, aber an denen man laaaange zu knabbern hat. Warum wohl ist unter Spätertaubten die Selbstmordrate so hoch?

Pnin

P.S.: Die Problematik (Kommunikation ist nicht mehr zwanglos möglich) ist übrigens, wenn auch abgemildert, in dem wunderbaren Film "Lost in Translation" dargestellt


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BeitragVerfasst: Fr, 23.4.04 16:58 
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Nach 1.342.000 Jahren, mich gibt`s auch mal wieder. Sorry, aber diese Umschulungskiste ist wirklich Stress pur...

@Neenski: Nicole Blackman - American poet - hatte mal einen Satz in einem Gedicht nmens "Want". Der Satz: I want a list of atrocities done in his name

I say: Concerning Mr. B., PLEASE I don't. Since those I`ve seen with my own eyes are impossible to count on both, my hands and feet.
Ich möchte die Dunkelziffer der Abbrecher wegen ihm wirklich nicht wissen. Und die Methoden, die ich gesehen habe reichen echt.

Lindlahr (U.) in Gesellschaftslehre - ja! Ich weiß, dass Nolden und Spieß in den GL-Klassen unterrichtet haben, in der Vorklasse zum Abi hatte ich die zwei in Reli und Geschichte. Obwohl ich sagen muss, dass ich Spieß nicht mochte. Na ja.

In meinem Bücherschrank steht nur das auf Deutsch, was auch Deutsch im Original ist, sprich: Kafka, Hesse, Schulz-von Thun. Basically everything else is English - i.e. Joyce, Dickens, Vachss, Leavitt, Rice and others - oder im Falle von den griechischen Sachen bilingual.

As you see I speak English, way better than German (as for name signs you may guess mine).

Hablo UN POCO espanol.

Dann ein bisschen griechisch, kanns nicht selbst schreiben und lerne gerade Dänisch. Deutsch ist für mich im Grunde Fremdsprache, ich mache fast alles Englisch. Mein Latein ist äußerst rostig.

Und @Beethoveny, die Sache mit Vietnamesisch: jein. Ich glaube wäre ich hörend hätte ich da größere Probleme mit, so lerne ich es ja nur geschrieben. Wenn ich es sprechen müsste, ich glaube, es ging nicht. Auch mein "Lehrer" - der Dolmi - sagt, ich soll froh sein es nicht zu hören.

@CharlyBrown und Pnin:

Ich gebe Pnin recht, die Tinitusdiskussion wird hier wirklich nicht geführt, aber wie Pnin kenne ich auch keinen anderen Ertaubten der lange hörend war, der KEINEN Tinitus hat. Ich habe diese nervende Erscheinung dauernd, und jeder Ertaubte den ich sonst kenne, kennt ihn in unterschiedlichen Graden auch. Das heißt natürlich nicht, dass ALLE Ertaubten darunter leiden.

Ava

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BeitragVerfasst: Fr, 23.4.04 17:33 
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Ava hat geschrieben:
Obwohl ich sagen muss, dass ich Spieß nicht mochte. Na ja.


*lacht* Heh, ich auch nicht. Die hat mir in der Vorklasse eine 2 in GL gegeben, obwohl ich fairerweise eine 1 verdient hätte (an den Leistungen und den Noten der anderen gemessen), und als sie darauf von einem meiner Klassenkameraden angesprochen wurde, gab sie auch zu, daß ich eigentlich die 1 kriegen müßte, aber 'dann würde ich mich ja nur auf den Lorbeeren ausruhen', also hieß es 2 für mich, 'damit ich mich weiter anstrengen würde'. Grrr. Na ja, beim Rest meiner Klasse war sie beliebt, weil sie immer superfreundlich war und auch vieles erklärt hat. Mir war sie aber zu langweilig. *g*

Ava hat geschrieben:
As you see I speak English, way better than German (as for name signs you may guess mine).


Heh, fellow Anglophile found! *squees* Do you own a livejournal, by any chance?

And Greek - wah. *envies* That's a good basis, as so many words are derived from this language. How do you learn it, did you sign up for a language course or are you doing it the DIY way? *grins* Same questions go for Danish, too - if you don't mind my curiosity terribly. ;-)

Anyway, read any good books lately? I'd appreciate good recs, as I want to borrow some books from the library which should better be worth the trip! :-) Or is the whole 'Umschulung' depriving you from your free time and thusly your hobbies?

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BeitragVerfasst: Fr, 23.4.04 22:55 
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Hallo Leute, jetzt endlich MUSS ich auch mal wieder etwas hier hineinschreiben. Klingt wie ne doofe Ausrede, aber ist doch teilweise wahr: ich kam für ne ganze Weile irgendwie nicht mehr in das Taubenschlagforum, der Browser oder wie man das nennt hat ewig lange gesucht und gesucht, nachdem ich den Link geklickt habe, irgendwann, so nach zehn MInuten hab ichs dann aufgegeben. Und dann ist es auch so, dass ich in der Stimmung sein muss, etwas zu schreiben. Aber jetzt bin ich wieder in der Stimmung, und das hat einen Grund, doch den erzähle ich euch erst nach Folgendem:

Also: ich weiß jetzt inzwischen, was ein CI ist. Ich kann mir vorstellen, von Hörenden und Ärzten wird diesbezüglich nur Gutes erzählt. Klar, schließlich ist "Hören" ja auch eine wunderbare Sache. Ich könnte mir gar nicht vorstellen, vollkommen gehörlos zu sein, die Musik, die ich so mag nicht mehr hören zu können. Und vielleicht würde ich, sollte ich mal je mein Gehör verlieren - was ja auch jederzeit geschehen könnte wie mein Romanheld jetzt erlebt -, sofort auf solch ein Implantat zugreifen. Was die unangenehmen Nebenwirkungen angeht: die sind sicher verhehrend, wenn man wie ich vom "gewöhnlichen" Hören verwöhnt ist. Ich denke, ICH brauche zu dem CI nichts weiter zu sagen, denn ich habe einfach nicht das Wissen um "Gut" oder "Schlecht" davon, also lasse ichs lieber. Nur eins: mein Romanheld soll völlig gehörlos sein. Nichts, absolut GAR NICHTS kann ihm sein Gehör wiedergeben, vollkommene Stille, abgesehen von dem sogenannten Tinnitus, um nun zu dem nächsten Punkt zu kommen:

Mein Romanheld wird ebenfalls dieses Klingeln, dieses Rauschen, diesen "Lärm" hören. Aber was ich nicht weiß, was ihr mir aber in gewisser Weise schon beantwortet habt: Hat er dann sein Lebenlang diese Klingeln im Ohr oder geht das weg mit der Zeit? Ihr habt geschrieben, die Stärke des Tinnitus sei bei jedem unterschiedlich. Nun, mit dieser Antwort gebe ich mich schon zufrieden :D

Offtopic oder nicht: Also ich weiß ja auch nicht genau, worum es in meinem Thread im Großen oder Ganzen geht. Ich finde es cool, Ava und Neenski, dass ihr zwei euch über den Thread so gut über die Schule und diese Lehrer (die ich persönlich ja dann wirklich total beschissen finde, ehrlich, und das obwohl ich selbst einer werden will!!!!!! :evil: ) auslasst. Ich glaube, all das gibt mir ne Menge Natürlichkeit mit, die ich dann bestimmt auch besser in meinen Roman einbetten kann, wie ich hoffe...

Ava, dir schreibe ich noch ne Antwort auf deine letzte PN, bin auch dazu in letzter Zeit leider noch nicht gekommen...

Und jetzt, was ich UNBEDINGT ZU ERZÄHLEN HABE!!!

Also, ich habe nun das Fingeralphabet gelernt (wie ist das eigentlich, ist das Fingeralphabet auf der ganze Welt in jeder Sprache gleich????) und heute war ich mit einem guten Kumpel, ebenfalls schwul, in einem Theater, in einem Stück, das "Superstar sucht Deutschland" heißt. Wirklich toll alles. Zuvor noch habe ich ihm das Fingeralphabet beigebracht (die Unterscheidung des U und des Q war unsere einzige Schwierigkeit, ansonsten gings dann endlich... Jedenfalls nach dem Theater haben wir mal versucht, ganze Sätze mit dem Fingeralphabet in die Luft zu schreiben! Es klappte, wenn auch nur etwas langsam, ABER es klappte. Ich wurde echt rot, wie manche uns angestarrt haben, aber draußen war dunkel und wir vielen, als wir auf die Straßenbahn warteten NOCH nicht so sehr auf. Dann meinte Som, mein Kumpel, aber: "hey, in der Straßenbahn sagen wir jetzt kein Wort, wir machen nur Fingeralphabet!" Ich war sofort dabei. Und wir haben uns über dies und das, und das und jenes unterhalten ( hm... moment mal, große Romane konnte ich ihm und er mir nicht erzählen, dazu gings bei uns zu stockend, ABER es klappte auf die ein oder andere Weise doch sehr gut, dass wir uns verstanden). Jedenfalls setzte sich dann plötzlich ein sehr sehr junges Paar neben uns, und Som und ich wurden rot und mussten schon grinsen, aber wir haben weitergemacht! Und die beiden sahen uns erst etwas verwirrt an, aber dann fingen sie zu reden an: "Ach, das wollte ich ja auch mal lernen", sagte das Mädchen zu seinem Freund. "Aber ich habs irgendwie nie ganz durchgezogen." Und er antwortete auch ganz begeistert: "Naja, aber taub zu sein ist schon schrecklich, ich weiß ja auch nicht, ob ich damit klarkäme, nichts mehr zu hören, andererseits, nichts mehr zu sehen wäre auch schrecklich... blablabla..." Das interessante an dieser Situation war, dass ich mir wirklich irgendwie sehr "beobachtet" gefühlt habe. Es war cool, das zu erleben, es war wirklich einmalig! Es war kurz gesagt, toll zu verstehen, WORÜBER die beiden sprachen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es furchtbar schwer sein muss, als von Geburt an Gehörloser oder auch Spätertaubter mit diesen Blicken klarzukommen und NICHTS zu verstehen. Natürlich zieht man sich da irgendwann einmal zurück, ich würde nichts anderes tun. Ich denke, solche Übungen muss ich öfters machen, und mit Som habe ich einen prima Kumpel gefunden, der mir sicher gut helfen wird.
Noch was: OBWOHL ICH JA HÖREN KANN, kam es mir so vor, als wäre ich in einer anderen Welt, so als könnte ich nicht hören oder verstehen, was die beiden sagten. Irgendwie kam ich mir ANDERS vor, und sogar jetzt zu Hause noch vorm PC komme ich mir komisch vor. Das Fingeralphabet ist wirklich ne tolle Sache, und ich habe sogar schon einer Frau aus der Behindertenwerkstätte, welche (OHO, MAN HÖRE UND STAUNE) selbst geistig behindert (aber hörend und alle ist), das Fingeralphabet beigebracht. Sie kann noch nicht richtig lesen oder schreiben, aber ich bringe ihr das jetzt auf drei Arten bei: Einmal am PC mit der Druckschrift. Dann mit der Handschrift auf Papier. Und mit dem Fingeralphabet in der Luft!

Okay, okay, ich denke, das war offtopic pur! Aber ich wollte es einfach mal nur erwähnt haben. ;-)

Also bye bye und danke für die vielen Beiträge von euch... wirklich vielen vielen Dank euch allen :-)

euer Phinny :lol:


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BeitragVerfasst: Sa, 24.4.04 8:37 
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Phineas hat geschrieben:
Das interessante an dieser Situation war, dass ich mir wirklich irgendwie sehr "beobachtet" gefühlt habe. Es war cool, das zu erleben, es war wirklich einmalig! Es war kurz gesagt, toll zu verstehen, WORÜBER die beiden sprachen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es furchtbar schwer sein muss, als von Geburt an Gehörloser oder auch Spätertaubter mit diesen Blicken klarzukommen und NICHTS zu verstehen.


Hallo Phineas,

man kann auch mit Blicken sehr viel verstehen, manchmal mehr als mit Worten. Wir sind ja Augenmenschen. Denn man ist auf Blickkontakt beim Kommunizieren angewiesen. Da erkennt manch ein Gehörloser sofort, wenn sein Gegenüber irgendwas bedrückt oder dieser locker ist.
Auch gehörlose Mütter haben zum Beispiel eine solche Gabe. Denn ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor vielen Jahren von einer augenärtztlichen Untersuchung nach Hause kam, wußte meine Mutter auf dem ersten Blick was Sache ist, obwohl noch nichts erklärt war. Das ist die Kombination von Gespür und Gesichtsausdruck was auch zur Kommunikation mit gehört.

Die Neugier scheint dem Menschen angeboren. Wenn in aller Öffentlichkeit wir uns auf der Strasse oder im Zug mit Gebärden unterhalten, kommen meistens die Blicke der Hörenden auf uns. Sie möchten zu gern wissen, was diese und jene Zeichen bedeuten. Das ist eigentlich ganz normal, solche gutgemeinten Blicke "auszuhalten".

Viel Spass noch mit dem Schreiben

Phoenix

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Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der bedeutendste Mensch der, der uns gerade gegenübersteht und das notwendigste Werk ist stets Hilfen ermöglichen.


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BeitragVerfasst: Sa, 24.4.04 11:51 
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Okay, heute ganz kurz, ich wollte eigentlich nur schnell zu meinem Bruder ins Netz und gucken, ob es irgend etwas über die Schule, die mein Aquise-Mensch für eine richtige Umschulung - im Moment ist das "nur" Vorbereitung, ich bin trotzdem jeden Abend tot - für möglich hält gibt. Na ja wenig. Egal, jetzt bin ich hier...

Alright @Neenski:
Unfortunately I really don`t have any time for hobbies recently, as you can imagine due to the courses. Most of my working days are thirteen hour days now, and when I`m back home (a way of about 2,5 hours by train) I`m too tired for anything. So I really got no time at all for hobbies, which is a real shame. Even the doctors say I`d better become a boarder there if I want to make the course. Unfortunately I am quickly distracted while I am on the train, so I don`t read much there, though I am trying to get through a German book about the journalist Ulrike Meinhof on the way home. I don´t know what you like to read in English, but for pure entertainment (and interlectual niveau at the same time) I recommend Charles Dickens The Pickwick Papers. If you specify your taste I might be able to recommend more. (BTW: for bargains - partly cheaper than in German stores - maybe you`d like to check www.missing-link.de, though not everything is available there).

I`ve been learning Greek from personal contact. You see I said I`m easy and fast at picking up languages and I find serious pleasure in the writings of Euripedes and Aristoles. Their texts published by Reclam are bilingual, so a Greek friend offered me a deal: I taught him what I knew (then) about DGS and he taught me Greek (not that I`d be able to understand a lot).

Danish is self-taught, yes. I think it´s a pity because I won`t get any chance to prove my knowledge any time soon. But I truly like the language.

Okay, back to German @Phineas:
Lass dir ruhig Zeit mit der Antwort, ich habe auch keine. Bei mir geht es drunter und drüber und ich kämpfe zur Zeit darum, doch in das Wohnheim der Schule in der diese Umschulungskiste durchgeführt wird zu dürfen.

Ich möchte dir mal etwas sagen, dass ich mit Absicht aus der PN rausgelassen habe, weil ich dir wahrscheinlich schon genug Disillusionen bereitet habe, bezüglich Bildungsweg etc. War vielleicht fies von mir, dann diese "gute" Sache auszusparen:

Du schreibst jetzt die Musik, die ich so mag nicht mehr hören zu können. Aus meiner persönlichen Erfahrung. Also nur Ava, andere mögens anders sehen, einige halten es mit mir:

Nur weil man die Musik nicht mehr hört, muss man sie nicht aufgeben. Man kann die Bässe fühlen. Wenn ich ein Lied hörend kannte kann ich mir manchmal die Melodie vorstellen. Klar, ich habe nicht mehr dieselbe Beziehung zu Musik wie früher und ich selbst lasse sie auch nur noch selten und nicht mehr nebenbei laufen, aber bei mir Zuhause liegen Konzertkarten für Dave Gahan. Ich werde den Gesang nicht hören, ich werde die Musik nicht hören, aber ich werde sehen und fühlen. Wenn ich mich zuhause mit der CD hinsetze habe ich vom Gehör her gar nichts, ich bin komplett ertaubt, nur die Vibration um mich herum und meine Vorstellungskraft.

So privat könnte Danny sich also durchaus mal mit den Händen an seine Boxen von der Stereoanlage setzen und versuchen, ob er was von seiner alten Lieblings-CD spürt, wenn er den REHA-Stress und alles überwunden hat. Am Anfang ist das frustrierend, irgendwann später - braucht ein bisschen Übung - kann so etwas entspannen. Du lernst als Ertaubter viele, viele Vibrationen kennen. Es gibt auch Geburtsgehörlose - ich weiß nicht, ob viele oder wenige, zur Zeit kenne ich keinen der das tut -, die Musik mögen. Ich kannte mal eine Geburtsgehörlose, die war vernarrt in Celine Dion. Wie viel sie davon genau mitbekommen hat weiß ich allerdings nicht. Und es mag auch nicht jeder Ertaubte Musik. Ich bin diese Woche noch blöd von einem ebenfalls Ertaubten angeguckt worden, als ich einem Gehörlosen auf dessen Bitte einen Text von Dave Gahan in deutsche LBG übersetzte. "Wie du übersetzt dem das? Ihr hört doch beide nix." Es gibt Ertaubte, die verkaufen Stereoanlage und Co und beschäftigen sich nie wieder mit Musik. Frag viellicht noch mal ein paar andere, wenn du eine realistische Einschätzung möchtest.

Was das FA angeht: jein, das was wir in Deutschland als Fingeralphabet benutzen ist mehr oder minder international, es gibt aber auch eigene in anderen Gebärdensprachen. Schau mal auf der Taubenschlag-Startseite unter "Gebärden und FA". Unter "Downloads" gibt es Fonts mit Gebärdenalphabeten, vielleicht ist das auch was für dich.

Na, so kurz wie ich es machen wollte war es jetzt doch nicht... Okay, ich werd wohl wieder für unbestimmte Zeit in der Versenkung verschwinden. :wink:


Ava

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BeitragVerfasst: Sa, 24.4.04 12:33 
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Ava hat geschrieben:
a way of about 2,5 hours by train
That must REALLY suck. *sighs* When I was in 10th grade, I decided to not attend boarding school anymore and just travel back and forth. I did manage to keep it up the whole year, though it was really quite straining as I had to travel about 4 to 5 hours every day (there and back), so I can understand where you come from. But 10th grade was pretty easy for me, so I guess it's way more harder on you than it was for me - I'd really recommend staying at the boarding school during the week.

Ava hat geschrieben:
I don´t know what you like to read in English, but for pure entertainment (and interlectual niveau at the same time) I recommend Charles Dickens The Pickwick Papers
I like Dickens well enough - I read most of his 'bestsellers', but haven't gotten to the Pickwick Papers yet. Thanks for the rec! *smiles* My taste is quite diverse: as for authors, I fancy Robert Harris, Annie Proulx (as you can see in my sig), Dan Brown, Mark Z. Danielewsky, JK Rowling, Harper Lee, Terry Pratchett, Diana Gabaldon... uh, anytime a book strikes my fancy, I just read it. As for intellectual niveau, I love books that I just can't shake off after I've been through with them, so they have to be thrilling and just so that you can't put them down after you've read them but have the urge to rant and rave about them to unsuspecting people. *g*

Ava hat geschrieben:
You see I said I`m easy and fast at picking up languages and I find serious pleasure in the writings of Euripedes and Aristoles. Their texts published by Reclam are bilingual, so a Greek friend offered me a deal: I taught him what I knew (then) about DGS and he taught me Greek (not that I`d be able to understand a lot).
Heh, that's cool! I remember Aristoteles from having devoured 'Sofie's world' years ago and now that my prof in Biopsychology also has included 'De anima' in his lectures, I get a weekly dose of Aristoteles, too. :-)

Ava hat geschrieben:
Danish is self-taught, yes. I think it´s a pity because I won`t get any chance to prove my knowledge any time soon. But I truly like the language.
That's cool! One of my grandaunts knows Danish, btw. I went to Sweden for 10 days after my Abitur exam and got by pretty well with the bits I gleaned from my 'How to learn Swedish'-CD-ROM and my extensive knowledge of English. :-)

Ava hat geschrieben:
Es gibt auch Geburtsgehörlose - ich weiß nicht, ob viele oder wenige, zur Zeit kenne ich keinen der das tut -, die Musik mögen.
*wild mit der Hand wedelt* Hier, hier! :-) Nicht daß ich irgendwelche besonderen Vorlieben habe, aber wenn ich z.B. in Clubs oder Discos bin, kann ich einfach nicht anders, als im Takt zu nicken oder mit den Füßen zu wippen und auch zu tanzen - ich wurde damals in der 12. Klasse von Freunden überredet, an der Standardtanz-AG der Kollegschule teilzunehmen und heute möchte ich die Erfahrungen nicht missen. Ach, mal wieder einen anständigen Wiener Walzer auf's Parkett legen... *zwinkert* Musik hat auch eine beruhigende Wirkung auf mich, finde ich.

Ava hat geschrieben:
Ich bin diese Woche noch blöd von einem ebenfalls Ertaubten angeguckt worden, als ich einem Gehörlosen auf dessen Bitte einen Text von Dave Gahan in deutsche LBG übersetzte. "Wie du übersetzt dem das? Ihr hört doch beide nix."
WTF!? *böseguckt* Eine Freundin von mir ist leicht schwerhörig und wenn wir in Discos gehen, übersetzt sie mir oft die deutschen Schlager, die sie hört und wir haben beide dann Spaß daran, den Refrain schief mitzu'gebärden' *lach* Ein anderer Freund von mir macht das auch oft, besonders wenn wir miteinander tanzen. :-)

Phoenix hat geschrieben:
Die Neugier scheint dem Menschen angeboren. Wenn in aller Öffentlichkeit wir uns auf der Strasse oder im Zug mit Gebärden unterhalten, kommen meistens die Blicke der Hörenden auf uns. Sie möchten zu gern wissen, was diese und jene Zeichen bedeuten. Das ist eigentlich ganz normal, solche gutgemeinten Blicke "auszuhalten".
*stimmt Phoenix zu* Ja, oft ist es nur Neugier, was ich auch nachvollziehen kann. Besonders Kinder sind da oft unbefangener, sie gaffen da oft richtig. Ich lächle da immer zurück und es ist dann immer witzig zu sehen, wie sie reagieren. (erröten, Hände vors Gesicht, winken, lachen)

Phineas hat geschrieben:
Also, ich habe nun das Fingeralphabet gelernt (wie ist das eigentlich, ist das Fingeralphabet auf der ganze Welt in jeder Sprache gleich????)
Gratuliere! :-) Nein, nicht überall. Ich kann außer dem deutschen noch das internationale, das britische und bruchstückweise das schwedische - du kannst ja sehen, wie unterschiedlich diese Fingeralphabete sind, wenn du auf Avas Link klickst.

So, ich muß jetzt auch mal was für die Uni tun - so gerne ich auch hier weiter 'rumhängen möchte... :-)

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Ava and Neenksi are writing in English... and are NOT criticised!! What about me?!?? Hey, I am not treading equally! :?


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BeitragVerfasst: Di, 27.4.04 23:54 
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Einige TeilnehmerInnen in diesem Forum protzen mit
ihren Englischkenntnissen.
Englisch ist heute die Weltsprache.
Aber die allermeisten deutschen Teenies können nur
einen primitiven, durch die Nase gerotzten Dialekt.
Niemand kann echte englische Literatur lesen!
Und gutes Deutsch ist sowieso out.


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BeitragVerfasst: Mi, 28.4.04 9:28 
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CharlyBrown hat geschrieben:
Einige TeilnehmerInnen in diesem Forum protzen mit
ihren Englischkenntnissen.


Protzen würde ich es nicht nennen. Ich habe viele amerikanische und britische Bekannte, mit denen ich auf englisch chatte und finde die Sprache schön. Wenn es dich stört, entweder weil du nicht verstehst, was wir geschrieben haben oder weil du es nicht passend findest, dann wäre es wohl angebrachter, wenn du uns höflich auffordern würdest, privat Mails auf englisch auszutauschen anstatt es hier im Forum zu machen.

CharlyBrown hat geschrieben:
Aber die allermeisten deutschen Teenies können nur
einen primitiven, durch die Nase gerotzten Dialekt.


Meine kleine Schwester würde dir da widersprechen können. Sie ist 18 Jahre alt und beherrscht neben Englisch auch Italienisch und Französisch. Und was geht es mich an, wenn 'deutsche Teenies Englisch nur durch die Nase rotzen'?

CharlyBrown hat geschrieben:
Niemand kann echte englische Literatur lesen!
Und gutes Deutsch ist sowieso out.


Ich hoffe jetzt mal, daß das nur irgendwie ironisch oder sarkastisch gemeint ist, denn was du sagst, macht für mich keinen Sinn. Wieso soll man nicht in der Lage sein, echte (was das auch immer ist) englische Literatur zu lesen? Deine Begründung hierfür würde ich gerne lesen.

Und gutes Deutsch out? Finde ich nicht - jedenfalls nicht in meinen Kreisen, wo gutes Deutsch immer noch geschätzt wird. Vielleicht ist das bei dir ja anders, oder warum denkst du so?

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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 15:05 
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@CharlyBrown:
Du kommst zuerst, weil ich doch nicht weiß, wie ich den "Protzen"-Kommentar nehmen soll. Meine Eltern sind Deutsche, meine Eltern waren die einzigen die als Kind mit mir Deutsch sprachen, in meiner Ganztagsschule war alles Englisch. Es ist also die Sprache in der ich den größten Teil meiner Bildung vermittelt bekommen habe. Für denjenigen, der in Deutsch aufwächst ist Deutsch natürlich die erste Frage, für mich war es das nicht. Ich fühle mich daher von deinem Kommentar NICHT angegriffen, gemeint oder betroffen, wollte das nur klargestellt haben.

@Zoercherin: Dich hat man wegen Englisch kritisiert. Verstehe ich nicht. Okay, Forum-Sprache ist Deutsch also sollten wir alle dahin zurückkehren, was ich hiermit tue.

Ava

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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 22:30 
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Ava, sorry, ich wollte Dich nicht persönlich angreifen.
Ich kenne viele junge Sh und Gl, die haben zwar Realschulabschluss und einige sogar Abi und werfen oft mit englischen Worten um sich. Aber sie können kein Buch in englisch lesen und haben auch mit deutsch ernsthafte Schwierigkeiten.
Ist aber eigentlich ein anderes Thema und mein Beitrag
war wohl etwas unpassend.


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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 22:38 
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CharlyBrown hat geschrieben:
Ich kenne viele junge Sh und Gl, die haben zwar Realschulabschluss und einige sogar Abi und werfen oft mit englischen Worten um sich. Aber sie können kein Buch in englisch lesen und haben auch mit deutsch ernsthafte Schwierigkeiten.


Nun ja, ich kenne auch viele Leute meines Alters, auf die das, was du sagst, zutrifft. Keine Widerrede. Aber dir ist doch sicher bewußt, daß das größtenteils nicht ihre Schuld ist, sondern die der miserablen Hörgeschädigtenpädagogik?

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BeitragVerfasst: Fr, 30.4.04 8:41 
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*freutsichundsingt (nicht dass ich es je gekonnt hätte)* "Juhu, ich hab frei"

@CharlyBrown: Wie gesagt, ich fühle mich NICHT angegriffen. Thema erledigt. :) Aber was du sagst (somit das hier auch an alle anderen die es lesen wollen), stimmt schon. Allerdings nicht nur bei Hörgeschädigten. Es gibt genügend Hörende mit dem selben Problem und ganz gleich welchem Schulabschluss. Die finden sich dann toll weil sie einzelne Wörter können, kriegen aber keinen ganzen Satz zusammen, um sich überhaupt mal vorzustellen. Es liegt meines Erachtens daran, dass zu wenig Praxis im Unterricht gemacht wird, genauso später an der Uni. Egal wo ich nach der Realschule war, Betrieb, Schule oder sonst was, zu mir sind immer Menschen mit weit aus höherer Bildung gekommen und haben mich irgendwelche Sachen gefragt, die ich eigentlich einem 10. Klässler zutrauen würde. Ich habe Abiturklassen erlebt (auch durch Hörende Bekannte etc.) in denen englische Bilderbücher gelesen werden. Na ja, ich will nicht maulen, denn dazu habe ich kein Recht. Außerdem war das jetzt ziemlich Off-Topic.

Ava

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BeitragVerfasst: Sa, 1.5.04 22:05 
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Neenski, ja, mir ist sehr genau bekannt, die Gl sind nicht
schuld an ihrer mangelhaften schulischen Bildung.
Mich ärgert manchmal, einige junge Gl mit "höherer"
Schulbildung benehmen sich gegenüber den anderen Gl
irgendwie "elitär" und abgehoben und ahmen den mit
englischen Worten gespickten Jargon der Hörenden nach.

Ava, Ok, Du hast recht.


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BeitragVerfasst: Mo, 3.5.04 23:10 
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CharlyBrown hat geschrieben:
Mich ärgert manchmal, einige junge Gl mit "höherer" Schulbildung benehmen sich gegenüber den anderen Gl irgendwie "elitär" und abgehoben und ahmen den mit englischen Worten gespickten Jargon der Hörenden nach.


Wirklich? Mir war nur der häufige Gebrauch von 'my' und 'dy' etc. in SMS aufgefallen (worüber ich mich teils auch geärgert habe, weil das ja eine extreme Verhunzung von Denglisch ist, aber andererseits finden das wahrscheinlich viele GL praktisch, weil sie dann die Possessivpronomen nicht mehr deklinieren müssen und so 'keine' Fehler mehr machen), ansonsten habe ich unter meinen Bekannten, die alle eine sogenannte 'höhere' Schulbildung besitzen (Mittlere Reife, Abitur oder mitten im Studium) diese Tendenz nicht bemerkt.

Tja, wenn diese 'elitären' jungen GL dies tun, so ist es wohl teilweise auch verständlich, da ich denke, junge GL sind sich noch nicht sicher, wo sie eigentlich hingehören und sind der Auffassung, die Welt der Hörenden ist aufregender und 'cooler' als ihre eigene und versuchen dann anhand der Nachahmung der Sprache auch dazu zu gehören und sich von anderen GL abzugrenzen. Diese Art von 'Cliquenbildung' bzw. Abgrenzung von anderen kann man auch unter Hörenden beobachten, z.B. was Hobbies oder Musikgeschmack anbelangt (man denke nur an Goths oder Hacker). So, dies waren jetzt meine zwei Cents zu diesem Thema!

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BeitragVerfasst: Di, 4.5.04 14:50 
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Beiträge: 77
@Ava:
Stimmt, ich sollte Deutsch sprechen, da dies ein Deutsch-Forum ist. Am down under at the moment, um Englisch zu lernen und kann es mir nicht verkneifen, in Englisch zu schreiben... von dem her habe ich einen "legitimen" Grund. :wink: Von daher sei es mir verziehen, wenn ich trotz des Deutschforums einige Englische Ausdruecke benuetze, ok?

Nice evening (it's nearly 10:00 pm here!)

Zoercherin


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BeitragVerfasst: Di, 4.5.04 15:09 
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[OFF-TOPIC:]

Liebe Leute,

als Admin möchte ich darauf hinweisen, dass die letzten Postings offtopic waren. Wenn jemand Englisch schreiben möchte, kann er dies auch tun, es wäre aber zu empfehlen, nicht im Wechsel Englisch-Deutsch zu schreiben (siehe neenski), da man sonst Verwirrung hervorruft. In der Netiquette steht nirgends, dass Fremdsprachen außer Deutsch verboten sind.

Bitte, kehrt zum eigentlichen Thema zurück.

Danke!


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BeitragVerfasst: Di, 4.5.04 15:12 
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Registriert: Di, 16.9.03 21:55
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Wohnort: Im schönen Oberösterreich
@ava u. neenski
hab erst jetzt wieder diesen thread gelesen. also, ehrlich, ich würd gern auch mein englisch etwas auffrischen....uff. konnte nur ganz langsam u. nicht alles lesen....
wie wär es mit einem englischen thread????
dort in englisch diskuttieren, und weil ihr ja solche profis seid, die schwierigeren worte (vokabeln) in klammer übersetzen...vielleicht machen da die einen oder anderen mit. also, ich hab nix dagegen, mein englisch etwas aufzufrischen. aber dann am besten in einem rein englischen thread. mal sehen was bernd dazu meint. bernd? beernd? beeernd? beeeeernd!!!!
griechisch!!!!das ist die sprache die mich auch noch sehr interessiert. ich bin ein leidenschaftlicher griechenland-fan. bald geht es zum 8.mal dort hin....
beethoveny


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BeitragVerfasst: Di, 4.5.04 15:22 
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Beethoveny hat geschrieben:
bernd? beernd? beeernd? beeeeernd!!!!


Ja was ist denn los? Bin doch hier :lol:

Habe Bernd soeben eine Mail mit Deiner Anfrage geschrieben. Ich denke, darüber reden wir besser im Thread "...vom Admin".

Greetz,


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BeitragVerfasst: Sa, 8.5.04 21:02 
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Meine Kritik an gar zu viel "englischem Jargon" in der
heutigen Umgangsprache, ist keine Ablehnung der
englischen Sprache.
Englisch ist heute die Weltsprache. Das ist klar.
Aber hier ist Deutschland und hier ist ein Forum in deutsch.
Das Internet ist global!
Englisch-Fans finden ganz bestimmt sehr viel passende Wesites.
Hier im Taubenschlag ein eigenes Forum für "English-Spoker"
einrichten, halte ich für überflüssig.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Sa, 8.5.04 21:06 
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Wohnort: Wien/Österreich
Äääähhhh, es war kein Forum, sondern ein Topic gemeint!

(Welcher im taubenblau ist)

Was du meinst, ist mir klar, aber wir wollen nun mal etwas bieten. ;-)

Greetz,


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 Betreff des Beitrags: Noch'n Autor
BeitragVerfasst: Mo, 12.7.04 4:08 
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Registriert: Mo, 12.7.04 0:58
Beiträge: 3
Ha. Auch ich kam hierher auf der Recherche. Allerdings schreibe ich eine Kurzgeschichte (und um dem kleinen Offtopiczweig am Ende dieses Threads Futter zu geben, ich schreibe auf Englisch, auch wenn ich, man glaube es oder nicht, deutscher Muttersprachler bin ;P) und hatte ein bis zwei Fragen zum Thema Ertaubte.. und fand sie alle in diesem Thread beantwortet. Trotzdem nochmal danke, vor allem an Ava, die sehr ausführlich genau das beantwortete, was ich wissen wollte.

Bei mir ist es nicht mal die Hauptprotagonistin, die taub wird, sondern ihre Mutter. Ich stelle mir die Mutter als ungefähr 60 jährige Frau vor, die in einem brutalen Übergriff, naja, ihr Gehör verlieren wird. Ich bin halt ein Monster. Ich benötigte diesen Kunstgriff aus zwei Gründen. Einerseits wollte ich unbedingt einen Teil meiner Geschichte in e-mails erzählen, und es erschien mir doch schon weiter hergeholt, dass eine rund 35 jährige Frau mit ihrer Mutter per e-mail kommunizieren würde. Wenn die Mutter allerdings taub wäre... Der zweite Grund war emotionale Geladenheit. Die Mutter war einst, bevor sie brav wurde und heiratete, Jazzsängerin. Der Angreifer weiss das und will so gezielt einen Traum, zu dem sie zurückfinden will, zerstören. Ich hoffe, ich trete hier keinem zu Nahe, wenn ich Taubheit als Handlungswerkzeug, zumal in solch brutalem Kontext, benutze. Ich habe mich entschlossen gerade im Lichte eines solch lächerlich fantastischen Plot-twists (jemand schlage mir mal ein gutes deutsches Wort hierfür vor ;P) besonderen Wert auf die konsequent realistische Erzählung der Konsequenzen zu legen. Nach dem Studium einiger allgemeiner Webseiten über Taubheit / Gehörlosigkeit (die Wikipedia ist als allgemeines Weblexikon sehr zu empfehlen) stiess ich dann auf dieses Forum und verzehrte gerade diesen Thread hier.

Eine triviale Frage hätte ich noch: Bei meiner Recherche im englischsprachigen Web fand ich Referenzen zu einem System, bei dem ein Anruf zwischen einem hörenden Menschen (A) und einem Gehörlosen (B) über einen Operator abläuft, der den Text von A in Echtzeit mittippt, so dass B den auf einem speziellen Gerät lesen kann. Sowas gibt es im deutschsprachigen Raum nicht, nehme ich an? Ich gehe davon aus, dass SMS in unserer Zeit die bevorzugte Kommunikationsart sind - und eventuell auch e-mails, für längere Texte. Zumindest hoffe ich das einfach mal ;P

Der Hauptteil meiner Handlung spielt rund drei Jahre nach dem 'Unfall', bei dem unsere Mutter ihr Gehör verlor. Ich gehe davon aus, dass sie mit ihrer Tochter grösstenteils sprechen wird, während diese wahrscheinlich in holpriger Gebärdensprache antworten wird - die Mutter wird, gerade als ältere Dame, nach 3 Jahren wohl noch nicht ausreichend ablesen können beziehungsweise wollen um sich hierauf zu stützen? Wie ich Ava's Kommentare auch entnahm, scheint das Ablesen auch nie zu etwas 'relaxtem' zu werden, dass man einfach so wie das Sprachverstehen benutzen kann. Da unsere Tochter Akademikerin ist, gehe ich mal davon aus, dass sie sich zumindest grundlegend die GS beibringen konnte. Die Sache mit der Scham ist auch höchst interessant; auch wenn ich, wie Phineas, bestürzt hierauf reagierte, ist mir wohl klar, dass solch eine Emotion perfekt in eine Geschichte umgesetzt werden kann. Nur werde ich, aufgrund meiner Charaktere, wohl eher die Mutter, also die Ertaubte selbst, sich schämen lassen, und mit einer Mischung aus Ablesen und Raten sich durch soziale Situationen schummeln lassen. Natürlich wird ihr das nicht gelingen, und aus diesem Fehlschlag kann ich dann weitere Emotion ziehen. Autoren sind moralische Berufsverbrecher.

Eine vorletzte Sache noch: Würde sich einer der englischsprachigen Forumsposter bereit erklären, einige relevante Auszügen aus der Kurzgeschichte zu lesen und eventuell Unstimmigkeiten aufzuzeigen? Da ich schon länger an der Geschichte schreibe und die für einen Wettbewerb Ende dieser Woche fertig sein muss, werde ich diese Auszüge recht bald haben.

Und jetzt der letzte Punkt: Ava, ich glaube du warst es, die schrieb, dass sie versuche 'ertaubte realistisch darzustellen', besonders in Abgrenzung von Gehörlosen. Auch wenn ich sachlich nichts zu dem Thema beitragen kann, möchte ich dieses Bedürfniss lobend erwähnen. Genau dieses Bedürfniss verspüre ich in jeder meiner Geschichten - glaubwürdige, echte Charaktere zu erschaffen. Ich bin mir bewusst, dass die reisserischen Schicksalsschläge, die ich weiter oben im Text erwähnte, wohl kein löbliches Bild meiner Schreibkunst zeichnen, aber man glaube mir dies einfach mal so.

Vielen Dank nochmal für die offen mitgeteilten Informationen. Ich hab in einer Nacht unglaublich viel über dieses Feld gelernt.


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BeitragVerfasst: Di, 13.7.04 23:13 
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Beiträge: 1141
Bringa, Du willst Deine Story in Englisch schreiben, also im englischen Sprachraum veröffentlichen.
Ein Tip: Informiere Dich in englischen und US-Websites.
In Deutschen Hörbehinderten-Foren findest Du gute allgemeine
Infos über Hörbehinderte.
Aber wenn Du eine realistische Story für den englischen
Sprachraum schreiben willst, darfst Du nicht aufgrund
Deutscher Websites schreiben.
Sonst wird aus Deiner Story eine "Karl-May-Story".
Karl May hat tolle Romane über edle Indianer (Winnetou)
geschrieben.
Aber er war nie in Amerika, hat alles nur fantasiert!

Wenn in Deiner Story eine "alte" Mutter, die durch brutalen
Unfall taub wurde, nur eine Nebenperson in der Story ist,
dann solltest Du einfach alles über Gebärdensprache vergessen.
Nur ganz wenige "alte" Menschen die plötzlich taub werden,
lernen noch Gebärdensprache.
Und warum muss es ein brutaler Überfall sein?
Viele ältere Menschen werden allmählich taub oder plötzlich
taub durch Infektionen usw.
Eine literarisch gute Story braucht keinen "brutalen Überfall".
Dein Thema, eine alte Mutter wird taub und die Tochter muss sich plötzlich mit Taubheit beschäftigen, könnte eine gute Story, sogar ein grosser Roman werden.
Vieleicht viel besser in einfachem deutsch, als in englisch?!
In Englisch gibt es schon genug "brillante Autorinnen" die
immer brutalere Mordgeschichten schreiben.


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BeitragVerfasst: Mi, 14.7.04 12:09 
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Danke für das Feedback. Ich geh mal kurz auf deine Fragen ein:

Ja, ich schreibe auf englisch, ja ich hoffe auch, im englischen Sprachraum veröffentlicht zu werden. Trotzdem, oder vielleicht gerade auch deswegen, habe ich *diese* *Kurzgeschichte* in Deutschland angesiedelt. Normalerweise lasse ich meine Geschichten im 'neutralen' Raum, aber ich bin hier sehr spezifisch. Deswegen wollte ich auch spezifisch Details zu deutschen Verhältnissen.

Zweitens: Meine "Mutter" ist 60 und war früher eine Intellektuelle. Wahrscheinlich Politik studiert, lange Zeit als Jazzsängerin tätig, dann einen evangelischen Priester geheiratet und plötzlich zur Mutter und Hausfrau geworden. Ich traue es diesem Charakter durchaus zu, sich die Gebärdensprache beizubringen.

Sie war fit, vor dem Übergriff.

Nun noch ein letztes kurzes Wort zu Brutalität: Ich schreibe keine Trivialromane. Ich weiss ja nicht, welche 'genialen' Autoren, die Mördergeschichten schreiben, du kennst, aber ich zähle mich eher zu den progressiven Schreibern. Fast jeder Satz hat mindestens zwei Bedeutungen. Fast jede Handlung kann als Metapher und als Stellungnahme zum übergreifenden Thema der Geschichte gesehen werden. Vertrau mir einfach mal, wenn ich behaupte, mir sicher zu sein, wann ich Brutalität verwende und warum.

Ein letztes Plädoyer für meine Brutalität: Wie die meisten meiner Geschichten, hat auch diesen einen Bezug zum Klassischen. Ich spiele in zwei untergeordneten Handlungsstränge eine klassische griechische Tragödie durch. Teil dieser Form ist die Einmischung von 'Schicksal' in einer dramatischen und Lebensverändernden Art. Die Umstände sind viel brutaler, als man sich so vorstellen würde, aber auch sehr dramatisch, im Kontext von wer ihr das zufügte, warum, wie, und was dann passierte. Ich werde hier im öffentlichen Bereich nicht näher darauf eingehen (wer weiss, wie jung manche Leser hier sind ;P), aber wenn du trotzdem noch interessiert daran bist, schick mir ne private Nachricht.

Letztendlich.. ich schreibe auf Englisch, weil ich mich für mein Deutsch schäme. Ich weiss, dass ich auf Englisch GUT schreiben kann, wirklich gut. Mein prosaisches Deutsch klingt schrecklich NORMAL. Ich kann beim besten Willen meine Muttersprache nicht poetischen klingen machen.

So, das war jetzt recht off-topic, bitte nimm keine meiner Bemerkungen als Beleidigungen - ich werde nunmal manchmal recht leidenschaftlich, wenn meine Schreibkunst zur Diskussion steht ;)

Daniel


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