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 Betreff des Beitrags: Neu und aus Dortmund
BeitragVerfasst: Sa, 23.1.10 15:06 
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Registriert: Sa, 23.1.10 14:19
Beiträge: 4
bin ich, weiblich, 52. Guten Tag also!
Ich war vor einigen Jahren mal in einem VHS-Kurs für Gebärdensprache, mangels Übungspartner hab ich es dann aber aufgegeben. Warum ich Gebärdensprache lernen wollte? Lacht nicht, weil ich den Film "Jenseits der Stille" gesehen hatte.
Als ich aufhörte, dachte ich, nein: fühlte ich ganz sicher in mir: Es wird eines Tages so sein, dass du Gebärdensprache lernst und dann wird es eine Notwendigkeit für dich sein.
Da ich ein sehr sensitiver Mensch bin, hoffte ich, dass es keine Vorahnung für ein Ertauben war. War es aber nicht.
Denn nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich erneut die Gebärdensprache lernen will. Der Grund ist, dass ich beruflich eine neue Perspektive brauche, denn in "normalen" Berufen komme ich nicht mehr weiter.
Ich habe seit ca. 15 Jahren (ich vermute ausgelöst durch die Erinnerung an ein traumatisches Erlebnis in meiner Kindheit) eine "Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung", d. h. ich kann Geräusche nicht filtern. Laute Geräusche stören mich sehr und wenn mehrere Geräusche gleichzeitig auf meine Ohren treffen, höre ich sie alle gleich laut. Üblicherweise kann das Gehirn eines Hörenden die Geräusche pegeln, bis zu 3 Dezibel (glaube ich gehört zu haben) leiser schalten, was unwichtig ist und sich fokussieren auf das, was wichtig ist. Das kann ich nicht. So sitze ich oft inmitten verschiedener Stimmen und "höre Brei", was so viel wie "gar nichts" bedeutet.
In meinem Job als Schreibkraft in einem Büro, wo viel gerufen und telefoniert wird, komme ich nun total nicht klar. Ich hatte auf Rücksicht der Kollegen gehofft, vergeblich, die Chefetage nimmt sich auch nichts an, nicht mal eine Stundenreduzierung gewähren sie mir, ich muss mich 40 Std./Woche rumquälen und meine Arbeit ständig unterbrechen. Ich weiß noch, dass ich früher einfach weitergeschrieben habe, wenn Leute sprachen, heute geht das nicht mehr.

Ich habe noch einen anderen Beruf, bin Friseurin, und auch hier scheiterte ich an den Nebengeräuschen, wenn Kolleginnen den Fön benutzen oder sprechen oder wenn der Salon dauermusikberieselt wird, könnte ich schreien vor Genervtheit, weil ich nicht hören kann, was meine Kunden sagen. Das Mitteilungsbedürfnis vieler Kunden hat mich auch gestört, ich kann soviel fühlen, was mit den Menschen los ist, gerade wenn ich sie berühre und sie mich so nah an ihrem Kopf hantiern lassen, dass mich ihre Worte nur stören und ablenken.

Kurzer Rede langer Sinn: Könnt ihr euch vorstellen, dass ich als Gebärdendolmetscherin oder als Friseurin für Gehörlose, die deren Sprache spricht, eine Chance in den mir verbleibenden Jahren meines Berufslebens habe? Gibt es einen Bedarf für gebärdende Friseure unter Gehörlosen?
Meine zweite Frage wäre, ob es eine romantische Illusion von mir ist, dass es unter Gehörlosen leise zugeht und ich nicht bei meiner Arbeit gestört werde? Viele können ja sprechen.
Ich werde den Gebärdensprachkurs auf jeden Fall mitmachen, er ist letzte Woche angefangen, vielleicht komme ich noch rein, aber ob es eine berufliche Chance ist, muss ich noch abklären.
Für Zuspruch und Mutmachen, aber auch konstruktive Ideen oder ehrliche Zweifel bin ich offen. Ich wohne wie gesagt in Dortmund und würde mich über Kontakte zu Menschen in meiner Umgebung, gerne auch welchen, die gerne "die Haare schön" haben möchten, freuen.

Danke fürs Lesen bis hierher, war ja'n bisschen viel, ich weiß.
Herzlich
Oese


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 Betreff des Beitrags: Re: Neu und aus Dortmund
BeitragVerfasst: Sa, 23.1.10 18:24 
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Registriert: Di, 3.1.06 4:17
Beiträge: 121
Mal abgesehen davon, dass die Ausbildung zum Dolmi einige Jahre dauert - ich fürchte, du machst dir von der Tätigkeit des Dolmis falsche Vorstellungen. Der Dolmi vermittelt ja zwischen GL und HD. Also hättest du durchaus mit lauten Menschen zu tun - denn von und zu diesen hörenden Menschen dolmetschst du ja zum GL. Hast du denn keine Möglichkeit einer wirklich guten Berufsberatung? Es gibt da ja so Tests, in denen man seine Möglichkeiten bezüglich Konzentration usw. ausloten kann.

Zum Thema DGS bzw. Dolmi sollten die Betroffenen hier im Forum sich besser mal dazu äußern. Ich bin hörend und lernte die DGS bisher aus reinem Interesse, mittlerweile kann ich sie bzw. LBG auch ein wenig beruflich nutzen. Bin also auch nur ein "Zaungast".

Ich wünsch dir alles Gute!

_________________
Viele Grüße

Beri

Das Leben verstehen kann man nur rückwärts, leben muß man es vorwärts.


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 Betreff des Beitrags: Re: Neu und aus Dortmund
BeitragVerfasst: Sa, 23.1.10 18:45 
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Registriert: Sa, 23.1.10 14:19
Beiträge: 4
Danke für deine Gedanken und Hinweise. Die normale Sprechlautstärke oder wenn einer mal laut spricht, sind nicht mein Hauptproblem, sondern das Durcheinandersprechen der Leute, also wenn von mehreren Seiten Geräusche/Stimmen auf mich zukommen. Ich habe so die Idee, dass beim Dolmetschen immer nur einer spricht - ansonsten hätte es wirklich keinen Zweck....
Die Jahre, die so eine Ausbildung dauert, scheuen mich auch nicht. In meinem Alter hat man doch alle Zeit der Welt, hoho!


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 Betreff des Beitrags: Re: Neu und aus Dortmund
BeitragVerfasst: Sa, 23.1.10 23:05 
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Registriert: Mi, 17.12.03 16:09
Beiträge: 265
Wohnort: Berlin
Hallo Oese,

mir gehts wegen Auditiver Verarbeitungsstörungen ähnlich wie dir. Es gibt hier im Forum etliche Beiträge von mir, in denen ich von Alltags-Situtationen erzähle und welche Lösungen ich dazu erdacht habe. Magst Du diese Postings mal lesen?

Wegen DGS-Lernen und Dolmetschen:
Magst Du Dir ne Prioritäten-Liste aufstellen?

Ich meine so:
Wenn Deine Priorität ist, für Deine private (und durchaus auch berufliche) Kommunikation eine weitere Möglichkeit zu eröffnen, die für Dich selbst entlastend wirken könnte, dann sehe ich DGS als durchaus gute Möglichkeit an!...Teilnahme an Feiern, Restaurant-Besuche, Schwimmbad-Besuche im Beisein anderer Gebärdensprachler machen dann plötzlich oder erstmals Spass.

Wenn Deine Priorität ist, Dir "einfach" nur ne neue berufliche Basis zu suchen und deswegen hast Du Dir DGS-Dolmi als Option ausgesucht, dann geht diese Absicht glaub ich auf die schiefe Bahn. Warum? Dolmetsch-Fähigkeit setzt eine absolut ausgeprägte und total belastbare Sprach-Kompetenz voraus - egal in welcher Sprache gedolmetscht werden soll.

Ich seh das so: Bevor Du DGS nicht kannst, brauchst Du Dir übers "Dolmetschen" sowieso keine Gedanken zu machen. Also, wie wärs, wenn Du selbst für Dich erstmal DGS lernst...und dann anwendest....und dann hast Du irgendwann sowieso neue Eindrücke, was Dolmetsch-Situationen betrifft.

lg biene63


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 Betreff des Beitrags: Re: Neu und aus Dortmund
BeitragVerfasst: So, 24.1.10 11:09 
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Registriert: Sa, 23.1.10 14:19
Beiträge: 4
hallo biene,
genauso sehe ich das auch. das erlernen der gebärdensprache ist ja ein längerer prozess und in dieser zeit kann noch viel passieren. ich hatte auch nur die idee mit dem dolmetschen. viel lieber würde ich als ganzheitliche friseurin arbeiten mit menschen, für die gesprochene kommunikation nicht alles ist.
es war eine ganz frische idee gestern, weil ich beruflich gerade so sehr gestresst bin und damit rechnen muss, meine stelle zu verlieren. also eigentlich erstmal brainstorming.
sehr gerne würde ich alles lesen, was mit auditiven verarbeitungs- und wahrnehmungsstörungen zu tun hat, habe aber nicht so richtig die ahnung, wie ich an die entsprechenden post von dir komme. was müsste ich bei der suchfunktion dann angeben? in all deinen posts zu stöbern erschien mir etwas mühsam. obwohl... dabei bin ich auf das mit der synästhesie gestoßen, hört sich interessant an, werde ich mal lesen.
am montag werde ich erstmal zur vhs gehen und versuchen noch in den kurs zu kommen. es gibt in dortmund auch ein zentrum für gehörlosenkultur. ehrlich gesagt, mit der speziellen kultur der gehörlosen muss ich mich auch noch befassen, davon habe ich nur eine sehr vage vorstellung.
das schöne ist, dass ich keine eile empfinde.
das war bisher immer ein zeichen dafür, dass ich auf dem richtigen weg bin, weil ich eh weiß, dass ich alle energie reinstecke, die ich nunmal habe.
vielen dank für deine antwort.
oese


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 Betreff des Beitrags: Re: Neu und aus Dortmund
BeitragVerfasst: So, 24.1.10 14:27 
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Registriert: Di, 3.1.06 4:17
Beiträge: 121
Hallo Oese,

ich hab den Eindruck, dass du dir vom Beruf des Dolmetschers eine vollkommen falsche Vorstellung machst. Eine schöne Vorstellung, dass beim Dolmetschen wirklich immer nur einer spricht. Das hieße ja, dass sich wirklich jeder an die Kommunikationsregeln halten würde. Ich bin Schriftdolmetscherin und würde mich freuen, wenn die Rahmenbedingungen tatsächlich immer so wären. Aber solche Idealvoraussetzungen für die Arbeit vorzufinden ist nicht selbstverständlich.

DGS ist gesprochene Kommunikation, nur hört man sie nicht. :wink: Als Dolmetscherin - welcher Sprachen auch immer - brauchst du allerhöchste Konzentration. Ganz egal in welcher Umgebung. Nach deiner Schilderung scheint aber genau das für dich problematisch zu sein?

Versteh mich nicht falsch. Ich will dir da überhaupt nichts ausreden. Lerne erstmal ein paar Jahre DGS und suche den Kontakt zu GL. Da wirst du sicher auch Dolmis kennenlernen.

_________________
Viele Grüße

Beri

Das Leben verstehen kann man nur rückwärts, leben muß man es vorwärts.


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 Betreff des Beitrags: Re: Neu und aus Dortmund
BeitragVerfasst: So, 24.1.10 16:22 
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Registriert: Sa, 23.1.10 14:19
Beiträge: 4
hallo beri,
also das mit dem dolmetschen habe ich jetzt glaube ich verstanden. ich kann mich in der tat nur unter bestimmten bedingungen gut konzentrieren.
viel lieber möchte ich auch als friseurin arbeiten, vielleicht in speziellen einrichtungen für gehörlose, ambulant quasi.
auf meine frage, ob da ein bedarf besteht oder ob es im grunde egal ist, ob diejenige, die die haare schneidet, auch gebärdensprache kann oder nicht, darauf ist bisher noch niemand eingegangen. wie gesagt, von romantischen falschen vorstellungen verabschiede ich mich gerne, die helfen ja nicht weiter....
vielen dank auch dir
oese


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 Betreff des Beitrags: Re: Neu und aus Dortmund
BeitragVerfasst: So, 24.1.10 17:08 
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Registriert: Di, 3.1.06 4:17
Beiträge: 121
Ich denke mal, dass man mit Gebärdensprachkompetenz prinzipiell immer gern gesehen ist - egal wo. So gesehen machst du sicher nichts falsch, DGS zu lernen. Allerdings arbeitet ein Friseur ja mit den Händen. Von daher wird eine Unterhaltung in DGS wohl eher vor- oder nachher stattfinden müssen. :wink:

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Viele Grüße

Beri

Das Leben verstehen kann man nur rückwärts, leben muß man es vorwärts.


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