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 Betreff des Beitrags: "Richtigkeit" von Gebärden
BeitragVerfasst: So, 9.12.07 14:17 
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Hallo, liebes Forum!

Ich lerne Gebärdensprache, (2 VHS Kurse, jetzt privat bei CI-Trägerin) und mittlerweile ist es so, dass ich Fortschritte feststellen kann (was ich nach den VHS Kursen nicht merken konnte)
Wir lesen jetzt Märchen und geben sie in Gebärden wieder.
Ich kann mir eigene Gebärden ausdenken (z.B für "Rumpelstilzchen"), die dann zum Verständnis führen, da bin ich sehr kreativ und meine Lehrerin kann mich aber verstehen, auch wenn es manchmal Umschreibungen mit Hand und Fuss sind.

Jetzt ist es aber oft so, dass es Gebärden für wichtige Worte gibt, wie "möchten" oder "haben" usw. Die sind jetzt tw. anders als in der VHS und ganz anders, als bei meiner Verwandten, wo ich früher Gebärden aufgeschnappt habe (sie ist gehörlos).

Ich möchte wirklich gerne irgendwann in ferner Zukunft als Dolmetscher arbeiten und deshalb die Frage: Es gibt doch bestimmt gewisse "Standardgebärden", die wie in der Standardsprche vorgegeben sind oder läuft es alles auf "Verstehen und verstanden werden" hinaus? Ist der Wortschatz aller GL untereinander verständlich?
Wenn ich jetzt lerne, mich mit 1 oder 2 GL zu unterhalten, kann ich dann behaupten, dass ich die Gebärdensprache kann oder erwarten mich noch Überraschungen?

Danke für eure GEdanken und Antworten dazu!


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BeitragVerfasst: Mo, 10.12.07 7:06 
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Liebe Ramona, zuerst drängt sich mir die Frage auf, ob du LBG oder DGS lernst??
Die Dialekte sind eigentlich nicht so schlimm, man versteht sich untereinander, denn bei Gebärden, die Dialekt behaftet sind, wird eben das Mundbild etwas wichtiger.

Die Grammatik solltest du in jedem Falle beherrschen.
Deine Lehrerin - ist sie von Geburt gehörlos und lehrt sie tatsächlich DGS?

Viele Grüße
KArin


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BeitragVerfasst: Mo, 10.12.07 17:17 
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@Karin:
Danke für Deine Antwort!
Ich glaube, sie ist von Geburt an gl, zumindest hat sie damals in der Schule die GS gelernt.
MEine beiden VHS Kurse hießen "DGS", aberauch da kam es vor, dass Leute mit Vorkenntnissen andere Gebärden hatten als die Dozentin, und dass sie sagte, es käme nicht so drauf an.
Jetzt ist es beim privaten U. so, dass es wohl eine Mischung aus beidem (DGS und LGB) zu sein scheint, sie ist aber wie gesagt keine ausgebildete Lehrerin dafür, weswegen das Thema "Grammatik" auch eher eine untergeordnete Rolle spielt. Aber es macht Spaß und bringt was.
Nur halt in Hinsicht auf meine großes, weit entferntes Ziel- Dolmetscher- bin ich halt sehr skeptisch, da ich schon einiges über die Anforderungen in diesen Kursen/ Prüfungen gelesen habe. Ich würde mich auch freuen über die strukturierte Grammatik der DGS, da ich halt schon mal Phonetik und Linguistik studiert habe und solche Schemen der Gliederung sind noch drin, aber vielleicht kann man ja auch auf andere Art lernen :-)


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BeitragVerfasst: Mo, 10.12.07 18:21 
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Es kommt auch auf die Region an, in der Du lernst!
Ich hatte auch zwei Kurse an der VHS.
Im Anfängerkurs wurde eher LBG unterrichtet, da die Dozentin resthörig war.
Im Aufbaukurs dagegen wurde nur in DGS unterrichtet. Dies brauchte erst mal einen Tag um mit den Unterschieden zurecht zukommen!
Und es kann auch sein, dass man für das bessere Verständnis eigene Gebärden benutzt.


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BeitragVerfasst: Do, 13.12.07 20:42 
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Ja das scheint für die "Neulinge" immer sehr verwirrend zu sein, daß es verschiedene Gebärden für dasselbe Wort gibt. Es gibt tatsächlich nur Dialekte, die von Region zu Region und sogar von Gehörlosenschule zu Gehörlosenschule unterschiedlich sein können (Die Gehörlosen lernen die Gebärdensprache ja meist in der Schule, sofern ihre Eltern nicht ebenfalls gehörlos sind )

Der Begriff DGS stimmt deswegen, meiner meinung nach, nicht ganz, da es keine "Hoch"-Gebärdensprache gibt. (vergleichbar Hochdeutsch)

Aber keine Bange, die Unterschiede treten immer mehr in den Hintergrund, je mehr besser man die DGS beherrscht. Die Grammatik ist viel wichtiger, und die ist überall gleich.

Ich hatte schon Dolmetscher in verschiedenen Bundesländern und habe alle gut verstanden, die eine oder andere Gebärde die sich von meiner unterschied, konnte ich erraten oder ablesen. Im Zweifelsfall nachfragen und fingern lassen.

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Faßt die Flügel des Vogels in Gold
und er wird sich nie wieder
in die Lüfte schwingen.
(R. Tagore)


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BeitragVerfasst: Fr, 14.12.07 0:08 
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carambola hat geschrieben:
Ja das scheint für die "Neulinge" immer sehr verwirrend zu sein, daß es verschiedene Gebärden für dasselbe Wort gibt. Es gibt tatsächlich nur Dialekte, die von Region zu Region und sogar von Gehörlosenschule zu Gehörlosenschule unterschiedlich sein können (Die Gehörlosen lernen die Gebärdensprache ja meist in der Schule, sofern ihre Eltern nicht ebenfalls gehörlos sind )


Allerdings! Es gibt auch noch Unterschiede von Lehrer zu Lehrer, leider. Ich hatte jetzt z.B. 3 verschiedene GL-Lehrer. Alle aus München, alle Lehrer an der VHS. Und beispielsweise 3 verschiedene Gebärden für das Wort "wann?". Ich muß gestehen, daß mir das doch ziemlich die Motivation zum Lernen nimmt, wenn schon so grundlegende Wörter verschieden sind :-?

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Viele Grüße

Beri

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BeitragVerfasst: Fr, 14.12.07 8:32 
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Für "Wann" habe ich noch keine verschiedenen Gebärden gelernt.
Es gibt aber verschiedene Gebärden für "Aachen" (3) und für die Monatsnamen und Wochentage


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BeitragVerfasst: Fr, 14.12.07 10:11 
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Ich kann die Unsicherheit verstehen.
Alles liegt daran, weil die meisten nicht in der DGS aufgewachsen sind, also es oft in der Schule verwenden ("lernen"), unter Freunden, etc.
Surdo, vielleicht wäre es gut, wenn du unter den Gehörlosen gehst. Da kannst du feststellen, welche Gebärden meistens verwendet werden und es dir anspricht, dann nutze es.
Wann = 3 unterschiedliche Gebärden, interessant - aber möglich :wink: Gib nicht auf!!!
Richtig = Wochentage, Monate, Farben sind vor allem sehr unterschiedlich, aber sonst .... :roll:
Viel Spaß und viel Freude weiterhin wünscht

STEPHI


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BeitragVerfasst: Fr, 14.12.07 21:01 
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Danke für eure Antworten. Aber mein Problem liegt nicht darin, welche Gebärde ich selbst nutze. Mein Problem liegt eher da, daß ich in solchen Fällen etwas überhaupt nicht verstehe. Und das frustriert ziemlich. Wozu lerne ich denn Vokabeln, wenn ich im Unterricht dann doch wieder nur Bahnhof verstehe?

"WANN" war nur ein Beispiel. Genauso ging es mir neulich mit den Uhrzeiten. Ich hab nur verstanden, daß es um irgendeine Zahl ging. Aber den Zusammenhang? Daß es um Uhrzeiten ging, haben mir dann Mitschüler übersetzt, die die jetzige Lehrerin schon länger haben.

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Viele Grüße

Beri

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BeitragVerfasst: Fr, 14.12.07 22:55 
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Kann es esein, dass ihr gerade Inkooporation von Zeitgebärden hattet?
Inkoorporation heißt übrigens zusammziehen von Wörtern zu einer Gebärde.
Es wird dann vor kurzem nur mit einer Gebärde erklärt!
Habe ich im Unterricht an der VHS auch nicht verstanden, erst im Einzelunterricht


Zuletzt geändert von hörbi am Sa, 15.12.07 9:27, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Sa, 15.12.07 0:04 
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Ja, Inkorporation war auch Thema. Aber die Lehrerin zeigte z.B. für das Wort "WOCHE" (ohne Zahl) auch eine andere Gebärde als im Lehrbuch. Da fragt man sich als Schüler natürlich auch, warum man eigentlich jedes Semester ein Lehrbuch kaufen muß, wenn die Lehrer aber andere Gebärden nutzen?

Auf meine Nachfrage meinte die Lehrerin, meine erlernte Gebärde sei auch richtig (Kunststück, steht ja so im Lehrbuch :lol: ). Prima. Nützt mir aber nichts, wenn ich ihre Gebärde dann nicht verstehe.

Manchmal denke ich, Vokabeln lernen ist der falsche Weg. Irgendwie "mit Händen und Füßen reden" und gut ist. Nur dann kann ich meinen Traum vom Dolmetschen natürlich begraben :roll:

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Beri

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BeitragVerfasst: Sa, 15.12.07 9:33 
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Es kommt darauf an, wo Du lernst.
Lernst Du bei LINGS in Essen dann wirst Du mit Vokabeln zugedröhnt, von denen Du später beruflich maximal ein Drittel brauchst.
Denn beim LINGS ist man der Meinung, dass Du erst Vokabeln und dann die Grammatik können mußt.
LOREENS dagegen stellt sich sehr gut auf Deine individuellen Bedürfnisse ein
Man kann Zeitgebärden wie "In zwei wochen", "Nächste Woche" , "Letze Woche" über die Inkorporation gut darstellen.
Kein Wunder, dass Du es nicht verstanden hast.
Es kommt aber auch immer darauf, wer gebärdet und wie er gebärdet.
Habe beim 1. Mal auch die Gebärde "seit 10 Monaten", die in Inkorporation ausgeführt wurde, nicht verstanden!
Du brauchst ein wenig Geduld, dann hast Du die Unterschiede schnell drauf!


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BeitragVerfasst: Sa, 15.12.07 22:35 
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Ja, daß es bei den Gebärden für Zeiträume schwierig ist, seh ich ein. Sowas wie "letzte Woche", "3 Wochen", "in 2 Wochen" usw.

Aber mein Problem ist ja, daß die Einzelgebärde für z.B. "WOCHE" oder das Fragewort "WANN" oder jede Menge anderer Beispiele, mal so und mal so gebärdet werden. Es geht mir wirklich nur um das einzelne Wort. Und nach 2 Jahren lernen (mit Unterbrechungen) sollte mich sowas eigentlich nicht mehr irritieren. Aber weit gefehlt :-?

Edit:
Hab noch was vergessen: Ich lerne ausschließlich bei der VHS. Andere Kurse hab ich hier noch nicht gefunden, leider.

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Beri

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BeitragVerfasst: So, 16.12.07 17:30 
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Hallo! :-)))

Surdo hat geschrieben:
Aber mein Problem ist ja, daß die Einzelgebärde für z.B. "WOCHE" oder das Fragewort "WANN" oder jede Menge anderer Beispiele, mal so und mal so gebärdet werden. Es geht mir wirklich nur um das einzelne Wort. Und nach 2 Jahren lernen (mit Unterbrechungen) sollte mich sowas eigentlich nicht mehr irritieren. Aber weit gefehlt :-?

Was Du da beschreibst, war auch für mich am Anfang ein grosses Problem. Irgendwann hab ich dann aufgegeben, die "Alltags-Gebärden" per CDrom /DVD lernen zu wollen. Warum?

Eine Schlüssel-Situation war mal ein Treffen beim Gebärdenklatsch: Da war ein junger GL aus Hamm dabei. Und ein Berliner GL fragte den Mann aus Hamm: "Wie gebärdest Du Wochentage, Monate, Farben?" Diese Gebärden haben die beiden sich gegenseitig ausgetauscht, dann war es beiden klar.

Weitere Schlüssel-Situationen waren für mich die Reise nach Reims zum Clin d´Oeil in 2005. Kommunikation dort in International Signs, bisschen LSF (Langue Sign Francais /besonders Fingeralphabet), bisschen Lautsprache Englisch, bisschen Lautsprache Französch bisschen DGS...alles gemischt. Dort hab ich erlebt, dass die GL sich untereinander mitteilen, aus welcher Gegend (Land, Stadt) sie kommen. Irgendwann, wenn klar ist, dass Gesprächspartner (ich!) hörend aufgewachsen bin, kommen weitere Erklärungen hinzu. Jedenfalls ist es immer üblich, sich ein gemeinsames Gebärden-Set aufzubauen. Und innerhalb diesen Gebärden-Gemisches kommuniziert man dann.

Weitere Schlüssel-Situation: Ich habe die grandiose Chance, in nem Konversationskurs bei nem gl Dozenten DGS zu üben, der ausserdem ausgesprochen fit ist in International Signs, ASL (American Sign Language) und BSL (British Sign Language). Entsprechend streut uns dieser Dozent gelegentlich mal die eine oder andere Gebärden-Vokabel in ASL und-oder BSL ein. Oder wir üben ein bisschen fingern im Alphabet des BSL. Das ist ja beidhändig und komplett anders als das deutsche FA. Manchmal sitzt auch einer von den gl Freunden unseres Dozenten im Kurs dabei. Wir hatten schon mal Gäste aus Cuba, einmal war ein gl Mann aus Athen dabei. Entsprechend recht bunt gemischt ist die Kommunikation.

Entsprechend kannst Du nun vielleicht vorstellen, dass seither bei mir ein gewisser erweiteter Blickwinkel bezüglich der Bedeutung von so Vokabeln wie "WANN" entstanden ist?

Vorschlag an Dich: Magst Du Deine VHS-Dozenten mal fragen, was "Classifikatoren" sind und wie diese innerhalb der DGS eingesetzt werden?....Viel Spass beim Aha-Erlebnis. :wink: Ebenfalls könntest Du Deine Dozenten fragen, welche Bedeutung innerhalb der DGS die Komponente der "Nonverbalen Kommunikation" hat - und was das ist. Weitherin könntest Du Deine DGS-Dozenten fragen, was "Handformen" sind - und ob sie Dir bitte eine entsprechende Bilder-Liste geben könnten. Alternativ kannst Du mal schauen bei Penny Boys-Braehm in "Einführung in die Gebärdensprache". Da ist eine solche Liste drin. Mittels Handormen hast Du jedenfalls ein gutes Register, um verschiedene Dialekt-Gebärden eingeordnet erinnern zu können. Ist ungefähr analog dem alphabetischem Index in Lautsprache-Wort-Lexika.

Vielleicht helfen Dir Unterschrifts-Notizen, zB mittels Gebärdenschrift. Wenn Du die übst, hast Du ein brauchbares Werkzeug, deine Gedanken noch im Kurs zu notieren. www.gebaerdenschrift.de

lg von biene63


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BeitragVerfasst: So, 16.12.07 20:50 
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Hallo biene,

danke für deine ausführliche Antwort.

Handformen usw. hatten wir bereits vor einiger Zeit. Aber es waren schon noch Tipps von dir dabei, die ich mal versuchen werde.

Das, was du über die anderssprachigen GL schreibst, leuchtet mir total ein. Wenn es eben z.B. mal um Amerikaner, Griechen usw. geht. Aber das bestärkt mich in meinem Frust, daß innerhalb einer einzigen Stadt die Gebärden total unterschiedlich sind. Wie schon erwähnt, waren alle meine GL-Lehrer bisher aus München. Und ich mußte feststellen, daß einer von ihnen sich mehr oder weniger ans Lehrbuch gehalten hat - mit geringen Abweichungen, die ich nicht tragisch finde. Die anderen beiden aber anscheinend jeder eine Art persönliche Sprache entwickelt haben.

Klar kann ich mich verständigen mit ihnen. Ich habe gelernt zu improvisieren und rede mit Händen und Füßen, notfalls buchstabiere ich. Nur hätte ich sehr viel lieber irgendwann mal mein Niveau steigern wollen - durch Lernen. Aber das geht leider hier nicht wirklich. Das ist das, was mich so frustriert. Hätte ich nicht wegen äußerer Umstände die Lehrer mehrfach wechseln müssen, wäre ich darauf gar nicht aufmerksam geworden. Insofern bin ich ja froh, daß mir das schon jetzt passiert. Ich denke momentan darüber nach, ob es sich überhaupt noch lohnt, weitere Kurse zu besuchen. Ich sehe keine Möglichkeit, langfristig wirklich gut zu "sprechen".

Die einzige Chance wäre noch, irgendwie den Kontakt zu GL zu suchen. Aber dummerweise wohne ich im Landkreis und die Infrastruktur hier ist ziemlich bescheiden. Von daher kommen abendliche Treffen kaum in Frage, außer vielleicht im Sommer. Alles irgendwie blöd, leider.

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Viele Grüße

Beri

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BeitragVerfasst: So, 16.12.07 21:18 
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Hallo Surdo, :-)))

Surdo hat geschrieben:
Das, was du über die anderssprachigen GL schreibst, leuchtet mir total ein. Wenn es eben z.B. mal um Amerikaner, Griechen usw. geht. Aber das bestärkt mich in meinem Frust, daß innerhalb einer einzigen Stadt die Gebärden total unterschiedlich sind. Wie schon erwähnt, waren alle meine GL-Lehrer bisher aus München. Und ich mußte feststellen, daß einer von ihnen sich mehr oder weniger ans Lehrbuch gehalten hat - mit geringen Abweichungen, die ich nicht tragisch finde. Die anderen beiden aber anscheinend jeder eine Art persönliche Sprache entwickelt haben.

Sobald Du im DGS-Level steigst, wirst Du zunehmend die Tatsache, dass DGS nur aus Dialekten besteht, weniger tragisch finden. Das wird irgendwann normal sein, weil Dein Spektrum sich erweitert haben wird.

Es ist ungefähr so, als würdest Du Deutsch bei etlichen deutschen Dialektsprechern lernen. Also Friesen, Bayern, Hessen, Rheinländer, Hamburger, Berliner, Erzgebirgler, Schwaben usw. Keiner von denen würde mit Dir in einer Hochsprache reden, aber alle verwenden die gleiche Grammatik. Das ist schwierig, mit dieser Methode die deutsche Sprache zu lernen. Aber auf die DGS bezogen ist es einfach ne Tatsache. Kannst Du mit klarkommen oder es lassen.

Surdo hat geschrieben:
Klar kann ich mich verständigen mit ihnen. Ich habe gelernt zu improvisieren und rede mit Händen und Füßen, notfalls buchstabiere ich. Nur hätte ich sehr viel lieber irgendwann mal mein Niveau steigern wollen - durch Lernen. Aber das geht leider hier nicht wirklich. Das ist das, was mich so frustriert. Hätte ich nicht wegen äußerer Umstände die Lehrer mehrfach wechseln müssen, wäre ich darauf gar nicht aufmerksam geworden. Insofern bin ich ja froh, daß mir das schon jetzt passiert. Ich denke momentan darüber nach, ob es sich überhaupt noch lohnt, weitere Kurse zu besuchen. Ich sehe keine Möglichkeit, langfristig wirklich gut zu "sprechen".

Es geht nicht um "irgendwie-und-mit-Händen-und-Füssen-reden". Es geht darum, nonverbale Kommunikation gezielt einzusetzen, sowie Klassifikatoren als Sprachkomponente einzusetzen Das sind zwei äusserst wichtige Bestandteile der DGS. Aus meiner Sicht sind Klassifikatoren und NVK wesentlich wichtiger in der DGS-Kommunikation als die "tradierten Vokabeln". Tradierte Vokabeln ist das, worauf Du anscheinend so scharf bist. Aber es geht in der DGS nun mal nicht um eine Wort-Wort-Wort-Kommunikation, sondern darum den Ablauf selbst zu erleben. Du steigst in ein bestimmtes Geschehen ein und kannst es per Gebärde beobachten oder selbst erzählen - wie im Film!

Einer meiner DGS-Dozenten hat mal gesagt: "GL denken Filme!" Entsprechend erzählen GL sich mittels ihrer Landesgebärdensprache auch Szenen, die wie kurze Film-Sequenzen sind. Bedeutet: Wie im Film auch hast Du etliche Sprachkomponenten alle parallel ausgeführt, nimmst sie alle parallel wahr.

Surdo hat geschrieben:
Die einzige Chance wäre noch, irgendwie den Kontakt zu GL zu suchen. Aber dummerweise wohne ich im Landkreis und die Infrastruktur hier ist ziemlich bescheiden. Von daher kommen abendliche Treffen kaum in Frage, außer vielleicht im Sommer. Alles irgendwie blöd, leider.

Ja, Kontakt zu GL zu kriegen, ist nicht einfach. Das kenn ich. Tip: Nicht aufgeben, einfach weiterlernen! Allerdings könnte es hilfreich sein, dafür DGS-Dozenten zu wählen, die tatsächlich ihren Job auf die Reihe kriegen. Und solche Dozenten findest Du an der VHS möglicherweise eher nicht, hmm.
In München gibt es doch ne private DGS-Schule? Wie ist es damit, wenn Du dort mal nen Kurs mitmachst?

lg von biene63


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BeitragVerfasst: So, 16.12.07 23:34 
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Hallo biene,

danke nochmal, daß du immer so ausführlich antwortest!

Ich hab aufgrund deiner Nachfrage nochmal gegoogelt und tatsächlich eine private Schule in München gefunden, eigentlich sogar 2 aber die andere bietet nur Anfängerkurse an. Hab dort mal hin geschrieben, mal sehen, was dabei raus kommt. Denn mit den VHS-Kursen werd ich auf Dauer nicht glücklich. Die besagte Schule gibt es auch noch nicht lange, deshalb kannte ich sie wohl nicht.

Mal abwarten, was der Dozent (ist nur einer und der unterrichtet u.a. auch an der VHS ;)) mir antworten wird.

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Viele Grüße

Beri

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BeitragVerfasst: Mo, 17.12.07 10:09 
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Hi Surdo,

frag doch mal Gertrud Mally. Ich glaub, sie hat immer in München unterrichtet, ist sowas wie ne Pionierin bezüglich DGS-Kurse zu geben. Ich weiss nicht, ob sie noch unterrichtet. Aber - Erfahrung dürfte sie nun wirklich haben! *Hutab-smile* :bday:

lg von biene63


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BeitragVerfasst: Mo, 17.12.07 20:26 
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Hi biene,

danke für deine zahlreichen Tipps. Hab jetzt auch nochmal bei Spectrum11 in München nachgefragt, da kenn ich eh jemanden. Irgendwie muß es doch funktionieren! Mal abwarten, was für Antworten hier eintrudeln....

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Viele Grüße

Beri

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BeitragVerfasst: Di, 18.12.07 11:51 
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Wie wäre es mit hier:

http://www.blickfang-muenchen.de

Die Dozenten sind Kinder gehörloser Eltern und leiten verschiedene Kurse. Ich denke, ich kann es empfehlen.

Viel Spaß


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BeitragVerfasst: Mi, 19.12.07 1:05 
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Danke Stephi, aber die bieten leider nur Anfängerkurse an. Vom Preis ganz zu schweigen, das könnte ich nie und nimmer bezahlen :o Ich hab jetzt mal mit Ayiu Mailkontakt aufgenommen. Mal abwarten.

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BeitragVerfasst: Mi, 19.12.07 11:50 
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Wohnort: Aachen
Mein Dozent hat sich an das Lehrbuch "Fachgebärdenlexikon Sozialarbeit/ Sozialpädagogik" gehalten.


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BeitragVerfasst: Mi, 26.12.07 15:26 
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Hallo Surdo,

ich glaube, daß kein DGS-Unterricht den regelmäßigen Kontakt zur GL-Szene ersetzen kann.

1 oder 2 gl Freunde, die man mehr oder weniger regelmäßig trifft, zu Unternehmungen,etc.. wären auch hilfreich. Wenn du ein Auto hast, bzw. Anschluß an den ÖVPN sollte das doch wohl möglich sein.

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BeitragVerfasst: Mi, 26.12.07 22:39 
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Tja, leider kann ich mir als Hartz4er weder Auto noch regelmäßige S-Bahn-Fahrten leisten.... Und bevor jetzt jemand vorschlägt, ich solle laufen - 20km einfache Strecke sind für eine gehbehinderte Person leider nicht zu machen :-?

Aiyu hat sich übrigens zwischenzeitlich gemeldet. Also hoffe ich mal, daß ich im neuen Jahr wieder einen Kurs machen kann.

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Viele Grüße

Beri

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BeitragVerfasst: Fr, 28.12.07 19:30 
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Registriert: Do, 30.8.07 16:46
Beiträge: 19
Wohnort: Hamburg
Hej Surdo,

achso, blöde Situation. Man sollte mal sowas wie "DGS auf Rädern" erfinden ! :petals: :flower: :ylflower:

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BeitragVerfasst: Fr, 28.12.07 20:15 
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Registriert: Di, 3.1.06 4:17
Beiträge: 121
carambola hat geschrieben:
Man sollte mal sowas wie "DGS auf Rädern" erfinden ! :petals: :flower: :ylflower:


*kicher* Vielleicht mit nem Rollstuhl? :lol: Dann könnte mich wer schieben und ich hätte wenigstens die Hände frei zum Reden? ;)

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Viele Grüße

Beri

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BeitragVerfasst: Sa, 29.12.07 22:00 
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Registriert: Do, 30.8.07 16:46
Beiträge: 19
Wohnort: Hamburg
Hi,

ne, ich mein sowas wie, du kennst doch "Essen auf Rädern" ?

Der DGS-Lehrer ist mobil mit´m Auto und kommt zu allen die lernen wollen
:party: :bday: :party: :bday:

_________________
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